Wie viele Doktoranden sich aktuell an der Universität Ulm tummeln, ist nicht bekannt. Das allein sagt schon eine Menge aus: Denn eine zentrale Erfassung gibt es - wie an den meisten Universitäten - nicht. Dass Doktoranden unter den gut 10.000 Ulmer Uni-Studenten keine zu vernachlässigende Minderheit darstellen, ist allerdings ausgemacht. Benjamin Menhorn beziffert die Zahl der eingeschriebenen Promotionsstudenten mit 800, hinzu kommen ihm zufolge ebenso viele nichteingeschriebene, zum Beispiel Externe aus dem In- und Ausland, die für eine begrenzte Zeit in Ulm sind. Mit auf die Rechnung gehören schließlich noch rund 1500 Medizinstudenten, die quasi studienbegleitend ihren "Doktor med." machen; einen Doktor, der in erlauchten Akademikerkreisen zwar nicht allzu viel zählt, weil die Arbeit oft recht fix geschrieben wird - aber Promotion ist Promotion.

Diesen summa summarum gut 3000 Doktoranden will Menhorn mehr Gehör und damit mehr Gewicht verschaffen. Zusammen mit sechs weiteren Kommilitonen hat der Doktorand am Institut für Eingebettete Systeme der Uni Ulm den ersten Promovierendenkonvent in Baden-Württemberg gegründet - als fakultätsübergreifende Interessenvertretung für alle Ulmer Doktoranden. Ein revolutionärer Akt war das nicht. Das neue Landeshochschulgesetz der Grünen-Ministerin Theresia Bauer sieht die Einrichtung solcher Konvente im Zuge einer erweiterten Mitbestimmung ausdrücklich vor, auch an anderen Landes-Unis gibt es deshalb entsprechende Initiativen.

Das Ziel? "Wir wollen den Doktoranden zur Seite stehen. Vor allem in Konfliktfällen kann das wichtig sein", sagt der 33-jährige Informatiker. Beispiele für Ungemach? Menhorn weiß einiges zu erzählen. Da gibt es zum Beispiel den Uni-Absolventen, der von einem Professor für drei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt wird und selbstverständlich davon ausgeht, währenddessen zu promovieren. "Er schafft und tut, bringt sich in Projekte ein. Nach Ablauf der Zeit sagt der Professor: Danke! Von Promotion war nie die Rede." Da gibt es Promovenden, die von ihrem Doktorvater mit allen erdenklichen Aufgaben zugeschüttet werden, aber kaum zum Forschen und Schreiben kommen. Und da gibt es mitunter merkwürdige "Verträge" in denen sich Doktoranden verpflichten, jeglichen Urlaub und jede genehmigte Dienstreise "nachzuarbeiten".

Das alles geht natürlich gar nicht, das Problem ist meistens nur: Wie sag ich's meinem Prof? "Abhängigkeiten verhindern oft eine direkte Aussprache, denn der Doktorvater ist in der Regel gleichzeitig der Arbeitgeber", sagt Menhorn. Hier könne der Promovierendenkonvent - abgekürzt Proko - vermitteln, etwa indem ein Vorstandsmitglied das Gespräch mit dem Doktorvater respektive der Doktormutter sucht oder im Extremfall vielleicht sogar den Personalrat einschaltet.

Freilich befasst sich der "Proko" nicht nur mit Streitfällen. Es gehe auch darum, Doktoranden bei organisatorischen Dingen rund um die Promotion zu beraten oder die Vernetzung der Doktoranden untereinander voranzutreiben. "Oft hilft es schon, ein Problem mit anderen Doktoranden zu besprechen", sagt Menhorn, der gerade ein Zweitstudium in Rechtswissenschaften abgeschlossen hat und ergo in Fragen zur Promotionsordnung und sonstigen rechtlichen Hintergründen fit ist.

Das bis dato wichtigste Projekt des Proko-Vorstands ist die Mitarbeit an einer Rahmenpromotionsordnung, die für alle Doktoranden der Universität Ulm gilt. "Uns ist besonders wichtig, dass grundsätzlich eine Promotionsvereinbarung zwischen Doktoranden und Betreuern geschlossen wird", sagt Menhorn. Zudem habe man durchgesetzt, dass die Haftung beider Seiten auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit begrenzt wird. "Nur wenn der Professor nachweislich die Betreuung vernachlässigt oder der Doktorand tatsächlich nicht an seinem Promotionsprojekt arbeitet, kann er zur Rechenschaft gezogen werden."

Siebenköpfiger Gründungsvorstand - Jede Fakultät vertreten

Kurze Amtszeit Erst seit kurzem im Amt, wird der Gründungsvorstand des Ulmer Promovierendenkonvents (Proko) schon im Oktober abgelöst. Der Grund: Mehrere Mitglieder stehen kurz vor der Abgabe ihrer Doktorarbeit und verlassen danach die Uni. Die neuen Vertreter werden im Zuge der Gremienwahlen im Juni gewählt.

Stammtisch Mit einer "Werbekampagne" an der Universität und einem regelmäßigen Stammtisch will der Proko-Vorstand seine Zielgruppe, die rund 3000 Ulmer Doktoranden, erreichen. Bisher ist diese Gruppe an der Uni Ulm nämlich nicht zentral erfasst, was einen Austausch untereinander erschwert.