Verband Sportvereine müssen sich auf veränderte Bedürfnisse einstellen

Jungingen / Beate Storz 17.04.2018

Der Turngau Ulm macht sich fit für die Zukunft. Neue Aufgaben und neue Herausforderungen müssen die Vereine bewältigen, um für morgen gerüstet zu sein. Der Turngau Ulm will sich diesen stellen. „Stillstand auf Dauer bedeutet Rückschritt“, sagt Martin Ansbacher, der seit zwei Jahren das Amt des Präsidenten des Turngaus Ulm inne hat.

Alle zwei Jahre tagt der Turngau Ulm, diesmal in der Albhalle in Jungingen. Er ist der mitgliedsstärkste Sportfachverband im Alb-Donau-Kreis und des nördlichen Teils des Landkreises Biberach, mit immerhin 145 Turn- und Sportvereinen und insgesamt 60 000 Mitgliedern. Der Schwäbische Turnerbund will im Rahmen eines Pilotprojekts die Turngaue in Mittelzentren etablieren; Ulm fungiert sozusagen als Vorbild für die anderen Regionen.

Den Schwerpunkt der Arbeit hat Ansbacher auf das Kinder- und Jugendturnen gelegt. Er erklärte, dass jedes siebte Kind in Deutschland übergewichtig sei, auffallend hoch sei der Anteil der Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Genau diesen Kindern müsse man Die Chance zur Teilhabe geben. „Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, Sport zu treiben, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern“, lautet Ansbachers Ziel. Sport spiele auch eine große Rolle bei der Integration und Inklusion. Sportvereine hätten eine soziale Aufgabe: „Sport führt Menschen zusammen und hat eine gesellschaftliche Bindungskraft.“ Der Schwäbische Turnerbund und der Internationale Bund haben deshalb das Projekt „AktiF“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, Frauen aus arabischen Ländern für Angebote der Vereine zu gewinnen. Im April findet dazu in Ulm ein Workshop mit dem Thema „Kulturelle Vielfalt im Verein fördern und leben“ statt.

Veränderte Bedürfnisse

Karlheinz Rößler, Präsidiumsmitglied des Schwäbischen Turnerbundes, gab in seinem Grußwort einen Einblick, wie das Freizeitverhalten der Menschen in der Zukunft aussehen könnte. Dabei fielen Worte wie Cybersport oder Sport am Arbeitsplatz. „Heute ist es noch selbstverständlich, im Verein Sport zu treiben. Das könnte in zehn Jahren ganz anders sein. Die Leute wollen unabhängig und spontan Sport treiben. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“ Deshalb haben der Schwäbische und der Niedersächsische Turnerbund das Arbeitsbuch „Sportverein 2030“ herausgegeben. Der Turngau Ulm veranstaltet dazu einen Workshop. „Wir müssen auf die Bedürfnisse eingehen, sonst verlieren wir Mitglieder“, so Ansbacher.

Er hatte auch eine schlechte Nachricht für die rund 70 anwesenden Vertreter der Vereine. Nach fast 20 Jahren wird die Gauumlage erhöht. Sie bemisst sich nach der Mitgliederzahl der Vereine. Die kleinen Vereine bis 99 Mitglieder müssen 40 Euro, die großen mit über 5000 Mitgliedern 400 Euro jährlich bezahlen.

Beim Turngautag wurde auch das Präsidium gewählt. So wurde Präsident Martin Ansbacher für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Steffen Medwed als Vizepräsident Verwaltung sowie Simon Barth als Vizepräsident Spitzensport wurden ebenfalls wieder gewählt. Die bisher unbesetzte Position der Vizepräsidentin Freizeitsport wird nun durch Petra Vogt-Sinnl ausgeübt. Gerd Staudenmaier trat nicht mehr an. Er war seit 1984 für den Wettkampfsport zuständig und wurde für sein Engagement mit der Ehrenmitgliedschaft belohnt. Sein Amt übernimmt nun Uwe Mayer.

Auch für die Finanzen gibt es einen Neuen. Seit 2014 war Andrea Grusdas verantwortlich. Sie verlässt aus beruflichen Gründen Ulm, ihr Nachfolger ist Walter Gerstlauer. Raphael Heuer bleibt weitere zwei Jahre Jugendwart.

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