Ulm Spontan den Sieg erredet

Reden ist Gold: Elias Kormann und Hendrik Köhler beim Regionalfinale in der Sparkasse Neue Mitte.
Reden ist Gold: Elias Kormann und Hendrik Köhler beim Regionalfinale in der Sparkasse Neue Mitte. © Foto: Alexander Krüger
Ulm / SWP 11.02.2016
Spannende Debatten, Emotionen und kritische Jury-Entscheidungen - dafür steht der Wettbewerb "Jugend debattiert".

Auch in diesem Jahr lieferten sich 64 Schüler von 5 Ulmer Schulen in zwei Altersklassen heiße Diskussionen. Unter den kritischen Augen einer Jury tauschten sie Argumente über aktuelle Streitfragen aus.

Im Vorfinale am Humboldt-Gymnasium kämpften die jeweils Besten um die begehrten Plätze für das Regionalfinale, das im Sparkassengebäude Neue Mitte stattfand.

In der Sekundarstufe I (Klassen 8 und 9) setzen sich Miriam Butter (Scholl-Gymnasium) und Julia Hauke (St. Hildegard Gymnasium) gegen ihre 30 Mitstreiter durch.

Bereits im Vorfinale am Humboldt-Gymnasium wurde die Qualifikation für das Finale knapp entschieden. Hier gelang es unter anderem Amelie Fischer (Anna-Essinger-Gymnasium) und Laura Kiehne (Humboldt-Gymnasium), ein Ticket ins Regionalfinale zu lösen.

Miriam debattiere zuerst in der Hinrunde zusammen mit Julia gegen die Einführung einer gesetzlichen Pflicht von Eltern, die Computernutzungszeit ihrer Kinder zu beschränken. In der Rückrunde sprachen sich beide für ein Mindestgewicht für Models aus, allerdings nicht mehr als Team, sondern jeder für sich.

Auch im Finale standen sich die beiden als Kontrahenten gegenüber: Miriam vertrat die Contra-Position, Julia hingegen debattierte für die Wiedereinführung einer verbindlichen Grundschulempfehlung für den Besuch einer weiterführenden Schule in Baden-Württemberg.

Marius Weinkauf, Schulleiter des Anna-Essinger-Gymnasiums, stellte nach der Debatte fest: "Das ist ein sehr schwieriges bildungspolitisches Thema."

Die Pro-Seite appellierte an die Qualifikation der Lehrer, die Lernleistung eines Kindes richtig einzuschätzen. Die Gegenseite entgegnete, dass die Eltern, die ihr Kind schließlich täglich sehen, es wohl am besten kennen. Letztlich ernannte die Jury Miriam zur Siegerin, ihr folgte Julia auf dem zweiten Platz. Rang drei und vier belegten Amelie und Laura.

In der Sekundarstufe II (Klassen 10-12) konnten sich Hendrik Köhler (Humboldt-Gymnasium) und Ann-Kathrin Kurfess (St. Hildegard) gegen ihre 30 Mitstreiter behaupten. Hendrik, letztes Jahr sogar noch im schulinternen Finale ausgeschieden, belegte den ersten Platz. Im Vorfinale am Humboldt-Gymnasium sprach er sich in der Hinrunde für die "Beschränkung der Beleuchtung von öffentlichen Plätzen, Straßen und öffentlichen Gebäuden" aus. In der Rückrunde kritisierte er den Vorschlag, dass man bei zukünftigen Wahlen seine Stimme auch in Supermärkten und Einkaufszentren abgeben dürfe. Dass man im Vorentscheid auch einmal nicht seine eigene Meinung vertritt, ist gewollt. Wer welche Position vertritt, wird dort ausgelost.

Im Sparkassengebäude sprach sich Hendrik dann zusammen mit Elias Kormann (Scholl-Gymnasium) für das Unterrichten regionaler Dialekte aus. Hier durften alle Schüler selbst entscheiden, welche Position sie einnehmen.

Hendrik und Elias stellten ein Konzept vor, mit dem die Integration der regionalen Sprachvarianten gelingen könnte; in Klasse 7 und 8 sollten jeweils 4-wöchige Unterrichtseinheiten zum lokalen Dialekt erfolgen. Dagegen sprach sich die zweitplatzierte Ann-Kathrin zusammen mit Niklas Krusche (Scholl-Gymnasium) aus. Die beiden bezweifelten die Sinnhaftigkeit eines Dialektunterrichtes in Bezug auf andere bildungspolitische Vorhaben, etwa Inklusion. "Diese sollte man eher fördern, als einen Dialekt, der ausstirbt", so Ann-Kathrin.

Miriam und Hendrik werden nun die Region Ulm im Baden-Württembergischen Landesfinale in Stuttgart vertreten und erhalten ein rhetorisches Siegerseminar.

Was sie in die Landeshauptstadt mitnehmen? "Auf jeden Fall muss man spontan bleiben.", sagte Ann-Kathrin. Diese Meinung teilte auch Hendrik: "Jugend debattiert" besteht zu 50% aus Können und zu 50% aus Glück". Nach Stuttgart nehme der Gymnasiast vor allem Vorfreude mit.

Vorfreude aufs Debattieren? Das ist gut, weiß Michael Klippel, Deutschlehrer und selbst Juror bei Jugend debattiert: "Debattieren und gut argumentieren ist etwas Elementares."

Na dann viel Erfolg in Stuttgart und natürlich viel Spaß beim Debattieren!

Alexander Krüger,

Jugendreporterteam

Und so funktioniert "Jugend debattiert"

Der Wettbewerb "Jugend debattiert" wird seit 2001 von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten durchgeführt. In Finals debattieren Schüler gegeneinander.

Die Debatte Zwei Schüler vertreten die Pro-Seite und bringen Änderungsvorschläge ein. Zwei andere Schüler nehmen die Contra-Seite ein.

Der Ablauf Jeder Debattant hat zwei Minuten Zeit, um seine Argumente vorzubringen. Dann folgt die freie Aussprache sowie zum Abschluss ein zusammenfassendes Statement.

Das Urteil Über ein Punktesystem bewerten die Jurymitglieder Gesprächsfähigkeit, Überzeugungskraft, Sachkenntnis und Ausdrucksvermögen.