Ulm Spitalhofschüler als Einlaufkinder bei der U-19-Europameisterschaft

Ulmer Schüler jubeln für die kommenden Fußball-Stars.
Ulmer Schüler jubeln für die kommenden Fußball-Stars. © Foto: Alexander Krüeger
Ulm / SILAS KAATZ, ALEXANDER KRÜGER 14.07.2016
Die besten Jugend-Kicker sind in Ulm – alle außer den Deutschen. Fans gibt es trotzdem genug.

Der Wettergott muss Fußballer sein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass pünktlich zum Anpfiff des ersten Spieles der Gruppe B der U19- Europameisterschaft die Wolken, aus denen schon den ganzen Tag Regen auf das Ulmer Donaustadion gefallen war, verschwanden und das Spiel trocken beginnen konnte.

Bei dieser Partie standen die kroatischen Nachwuchsfußballer den Talenten aus den Niederlanden gegenüber. Letztere konnten bereits im ersten Viertel der Partie klar überzeugen: Mit einer starken Abwehrkette und präzisem Spielaufbau verlagerten sie die Partie komplett in die kroatische Hälfte und dominierten deutlich. Das hatte der niederländische Trainer Aron Zimmer bereits vor dem Spiel erahnen lassen: „Wir haben eine Taktik gegen die Kroaten, die wir auch trainiert haben“, so der Coach.

Kroatische Spieler wurden in harten, nicht immer ganz fairen Zweikämpfen zurückgedrängt, etwa Davor Lovren, der schon in der ersten Minute mit einer Schulterverletzung vom Platz getragen werden musste. Ergebnis der Dominanz durch die Niederländer: Steven Bergwijin, rechter Mittelfeldspieler der Mannschaft um Aaron Winter, köpfte den Ball in der 16. Minute in das Tor der Kroaten. Dass jemand dieses Traumtor verpasst hat, schien bei den Jubelrufen der Fans auf der Gegentribüne unmöglich.

Auch immer weiteren Verlauf des Spiels tönten lauten „Niederlande“-Rufe, von den mehr als 6000 Zuschauern hatten sie die meisten Fans. Auch bekannte Cheftrainer wie der Coach von Bayern München, Carlo Ancelotti, kamen nach Ulm, um sich die Partie anzusehen – womöglich auf der Suche nach einem neuen Torjäger.

Nach rund zwanzig Minuten kamen die Kroaten jetzt auch ins Spiel. Vom Ehrgeiz gepackt, begannen diese, das Spiel wieder mehr in die niederländische Hälfte zu verlagern, bis die Partie einigermaßen ausgeglichen war. Ganz erfolgreich war das jedoch nicht, denn in der 33. Minute erhöhten die Niederländer durch Sam Lammers auf 2:0. Doch die Kroaten gaben nicht auf, kurz vor der Pause fiel der Anschlusstreffer: Josip Brekalo schoss in der 43. Minute – Torhüter Yanick van Osch war chancenlos.

In der Halbzeitpause fachsimpelten die Schüler der Spitalhofschule, die zu Beginn des Spiels beim Einlaufen der Spieler Spalier standen, mit: Luis (3. Klasse) sagte: „Bei den Kroaten würde ich den Torabschluss verbessern“. Trotzdem habe den Schülern das Spiel – und insbesondere die vielen Tore – „sehr gut gefallen“. Einen weiterer Vorteil für die Spielkinder sieht Ibrahim (3. Klasse): „Dann habe ich wenigstens kein Mathe“, so der Spitalhofschüler.

Zu Beginn der zweiten Hälfte verließ die Spieler und die Zuschauer auf den Stehrängen dann die Gunst des Wetters – es begann, in Strömen zu regnen. Das Spiel verlor an Spritzigkeit, an deren Stelle trat ein „Tikitaka“ nach spanischer Art. Begleitet wurde dies von weiteren heftigen Zweikämpfen, die auch weiterhin hart blieben. Die Spitze vom Eisberg war dann die gelb-rote Karte gegen den niederländischen Abwehrspieler Deyovaisio Zeefuik in der 54. Minute.

Sofort traten die Niederländer in einen Defensiv-Modus, wie man ihn sonst nur von der klassischen italienischen Spielweise kennt: Geschützte Räume hinten, und beinahe alle neun Feldspieler in der Abwehr. Nur ab und zu ein schneller Konter. Und Kroatien kam zunehmend in Fahrt: Eck- und Freistöße führen zu guten Torchancen – aber trotzdem nur selten zum Abschluss. Zudem wurden auf Seiten der Kroaten immer mehr Offensivspieler eingewechselt, um den Druck auf die Niederlande zu erhöhen. Doch offenbar wurde ihnen genau das zum Verhängnis, als der Niederländer Steven Bergwijn in der 85. Minute diese Lücke in der Niederländischen Abwehr nutzte und so durch einen schnellen Konter im Alleingang vor dem Tor zum Abschluss kam – und traf.

Dies war schon der zweite Treffer des jungen Spielers, der beim niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven kickt. Das 3:1 war perfekt – und ein für die Niederländer verdienter Sieg. Auch Trainer Winter war zufrieden: „Es war ein sehr gutes Spiel“, sagte er auf der abschließenden Pressekonferenz. „Wichtig war aber auch, dass wir als Mannschaft gespielt haben. Dabei ist es gut, dass die erfahrenen Spieler den jüngeren helfen.“ Aber auch für die Spitalhofschüler war der Besuch ein großes Ereignis. Betreuer Linke meinte sogar: „Das wird den Schülern jahrelang im Gedächtnis bleiben“.

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