Ausstellung Spielplatz und Schlachtfeld: Das Kind ist Thema im Museum Villa Rot

Alles andere als liebe Kinder, die das Kollektiv AES+F hier in „Last Riot, The Track“ zeigt – sie verhalten sich eben wie Erwachsene.
Alles andere als liebe Kinder, die das Kollektiv AES+F hier in „Last Riot, The Track“ zeigt – sie verhalten sich eben wie Erwachsene. © Foto: Galerie Knoll Wien
Burgrieden-Rot / Lena Grundhuber 04.11.2017
„Helle Kindheit/Dunkle Kindheit“ beleuchtet mit diversen Arbeiten zeitgenössischer Künstler auch die dunklen Seiten der Kindheit.

Noch im Erdgeschoss ist ihr Klagegesang zu hören: „Je Suis Malade“, singt das Mädchen aus Aserbaidschan im ersten Stock der Villa. Sie ist eines der Kinder, die der Künstler Dejan Kaludjerovic gebeten hat, für seine Videoarbeit zu singen, er selbst werkelt in der Kunsthalle an seinem Einzelauftritt.

„Je Suis Malade“ – nicht gerade „Hänschen klein“, aber genau darum geht es im Museum Villa Rot. Die Schau „Helle Kindheit/Dunkle Kindheit“ will auch die andere, die schwarze, unheimliche, aggressive Seite der Kindheit hochholen. „Zeitgenössische Künstler machen oft düstere Bilder von Kindern, das wird aber nicht so häufig behandelt“, sagt Museumsleiter Marco Hompes. Passt ja auch nicht in eine Zeit, die dazu neigt, Kindheit zu verklären, Kinder vor jeder Realität soweit wie möglich in Schutz zu nehmen. Also holt Hompes kuratorisch einmal tief Atem und steigt hinab in die Geschichte.

Denn unser Konzept des unschuldigen Kindes ist vergleichsweise jung. Erst seit der Aufklärung wird Kindheit interessant, kunsthistorisch wird sie in Romantik und Biedermeier zum Thema. Theodor Schütz etwa malt Mitte des 19. Jahrhunderts ein biedermeierliches Kindheits-Idyll in die freie Natur. Über Meißener Porzellankitsch und Bällebad gelangt man in die viel kritischeren 1920er und verweilt am besten etwas vor dem Mädchen-Porträt der Malerin Gretel Haas-Gerber, bevor man die weiße Linie überquert, die die „Outliners“ von Gregor Gaida über den Boden ziehen. Nicht umsonst hält sich Wolfgang Kesslers Tochter ihren Fahrradhelm wie eine Fechtmaske vors Gesicht – Obacht, wir wechseln auf die Nacht­seite.

Einst waren Kinder Prügeln ausgesetzt, heute sind es eher psychische Machtmechanismen wie bei Tracey Moffatt oder ambivalente Autoritätsverhältnisse wie sie Maria Marshall in ihren verstörenden Video-Arbeiten mit den eigenen Kindern exerziert. Doch auch die kindliche Welt in sich ist eine bedrohte, bedrohliche. Wie Kinder Macht ausüben, demonstriert Erwin Olaf in monumentaler Kühle, wenn er ein blondes Mädchen als eine Mischung aus Prinzessin und Domina inszeniert.

Die digitalen Bildcollagen des Kollektivs AES+F aus den Jahren 2005/2006 wirken heute noch aktueller. Da stehen Kinder in epischen Schlachten, halten Teenager einander Schwerterklingen an die Kehlen – im Zeitalter des IS-Terrors geht das furchtbar nah. Danach eine Runde auf dem „Playground“ von Charlie Stein im Garten zur Erholung? Sie können es ja mal versuchen.

Schau in Burgrieden-Rot

Die Ausstellung „Helle Kindheit/Dunkle Kindheit“ läuft bis 11. Februar 2018 im Museum Villa Rot. Zu sehen sind Werke von 25 Künstlern. Geöffnet ist Mi-Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr. Mehr Informationen dazu gibt’s unter
www.villa-rot.de

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