Präsentation Theater: Spielplan im Zeichen des Ulmer Spatzes

Das künftige Leitungsteam des Theaters Ulm (von links): Christian Katzschmann (Chefdramaturg), Timo Handschuh (Generalmusikdirektor), Peter Perkovac (Technischer Direktor), Silke Meier-Künzel (künstlerische Betriebsdirektorin), Kay Metzger (Intendant), Petra Mollérus (Ausstattungsleiterin), Reiner Feistel (Ballettdirektor), Jasper Brandis (Schauspieldirektor). Nicht auf der Pressekonferenz und im Bild, weil terminlich verhindert: Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt.
Das künftige Leitungsteam des Theaters Ulm (von links): Christian Katzschmann (Chefdramaturg), Timo Handschuh (Generalmusikdirektor), Peter Perkovac (Technischer Direktor), Silke Meier-Künzel (künstlerische Betriebsdirektorin), Kay Metzger (Intendant), Petra Mollérus (Ausstattungsleiterin), Reiner Feistel (Ballettdirektor), Jasper Brandis (Schauspieldirektor). Nicht auf der Pressekonferenz und im Bild, weil terminlich verhindert: Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Von Jürgen Kanold 24.02.2018
Der künftige Intendant des Theaters Ulm hat seinen ersten Spielplan vorgelegt. Er bringt auch eine „Wurstiade“ über Uli Hoeneß auf die Bühne.

Nach 250 Zugstunden und 11 000 Kilometern auf den Straßen zwischen Detmold und Ulm hat der im Dezember 2016 gewählte Kay Metzger gestern mit seinem Leitungsteam seinen ersten Spielplan für die Saison 20218/2019 vorgestellt. Und zwar im Zeichen des Ulmer Spatzen, der bildhaft auf dem Theater Ulm steht. Neuer Intendant, neues Logo. Und wie beginnt die neue Ära?

Als Ansgar Haag 1994 nach Ulm kam,  eröffnete er seine erste Spielzeit mit dem „Rosenkavalier“ und inszenierte dann selbst Goethes „Faust“. Zwei Großwerke, erst Oper, dann Schauspiel. Andreas von Studnitz begann 2006 mit einem Schauspiel, der „Orestie“ des Aischylos, dann brachte Matthias Kaiser die Oper „Wozzeck“ heraus. Und jetzt Kay Metzger? Der startet, man darf es programmatisch verstehen, wieder mit Musiktheater – mit einem überraschend un­spektakulären Titel, aber einem „poetischen Welttheater“ und wunderbarer Musik: mit „Das schlaue Füchslein“ von Leos Janacek. Dann folgt der neue Schauspielchef Jasper Brandis mit Schillers „Räubern“.

Mit einem Premieren-Marathon geht Metzgers Theater Ulm vom 27. bis 30. September gleich in die Vollen. Es werde in dieser Saison ein Auftritt der „Nei­gschmeckten“ sein, wie Chefdramaturg Christian Katzschmann es hochdeutsch formulierte. Bei aller Kontinuität (Timo Handschuh bleibt Generalmusikdirektor) darf das Publikum viele neue Gesichter sehen. Im Ballett aber gibt’s einen kompletten Neuanfang, Reiner Feistel formiert aus 239 Bewerbern seine zehnköpfige Compagnie.

Auf ein Spielzeit-Motto  hat der 58-jährige Metzger, derzeit noch Intendant am Landestheater Detmold, verzichtet, und doch bearbeitet er mit seinem Team ein großes Thema: die unterschiedlichen Facetten des Bürgerlichen. Das ist eine Reverenz an die ehemalige freie Reichsstadt Ulm und ihre theaterbegeisterten Bürger. „Gut und bürgerlich“ soll also das Theater sein, ein Ort der Begegnung und der Debatten in der Mitte der Gesellschaft. Das Bürgerliche stehe für Gemeinsinn und Demokratie, nicht für betulich und altbacken. Wie überzeugend sich der Intendant auf Ulm einlässt, könnte etwa die „deutsche Wurstiade“ über den Metzgerssohn und FC-Bayern-Präsidenten zeigen: das Auftragswerk „Aufstieg und Fall des Uli H.“.

Der neue Bürgersinn eines Ulmer Theaterintendanten zeigt sich mannigfaltig, Metzger will auf die Bürger zugehen, trägt das Theater auch in die Stadt, lässt etwa im Ulmer Münster einen „Judas“-Monolog inszenieren – und bespielt natürlich, turnusgemäß, gleich in seinem ersten Sommer die Wilhelmsburg. Da bleibt der Intendant auf der sicheren Seite, ganz einem „gesunden schwäbischen Pragmatismus verpflichtet“, und zeigt wie zuletzt von Studnitz nur eine Produktion, aber ein populäres Musical: „Evita“ von Andrew Lloyd Webber.

Für Kinder und Jugendliche

Aus dem Jungen Forum wird ein „Junges Theater Ulm“. Martin Borowski bildet mit der Theaterpädagogin und Regisseurin Charlotte Van Kerckhoven und dem Tanzpädagogen und Choreografen Gaëtan Chailly das Leitungstrio. Auch Jugendclub-Aufführungen und eigene Profi-Produktionen stehen auf dem Programm. Erwächst eine vierte Sparte am Theater Ulm und Konkurrenz für die Junge Ulmer Bühne im Alten Theater? Nein, man suche ein nachbarschaftliches Verhältnis, entgegnet Metzger.

Dann atmete der künftige Intendant erstmal tief durch: „Das ist ’ne Menge Holz!“ Und zog weiter ins Rathaus, um den umfangreichen Spielplan noch dem Kulturausschuss zu erläutern.

Stimmen aus dem Kulturausschuss

Viel Lob „Stürmen Sie das Theater Ulm!“ Helga Malischewski zeigte sich begeistert vom ersten Spielplan des künftigen Intendanten. Auch die anderen Stadträtinnen und Stadträte lobten Kay Metzger über den grünen Klee, als er gestern dem Kulturausschuss des Ulmer Gemeinderats seine Pläne vorstellte. Nur Sabine Schuler (CDU) dämpfte die Euphorie und kritisierte scharf das neue „spießbürgerliche“ Logo des Theaters, das einen Ulmer Spatzen zeigt. Auch Martin Rivoir (SPD) konstatierte, dass dieses Logo wirklich nichts zu tun habe mit der Ulmer Tradition aus dem Geiste der Hochschule für Gestaltung. Beide forderten Metzger auf, doch noch am Logo zu arbeiten.

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