Schlechte Nachrichten für Autofahrer und den Innenstadthandel in Ulm: Die Friedrich-Ebert-Straße am Ulmer Hauptbahnhof bleibt über den Januar 2020 hinaus weitere Monate in Fahrtrichtung Süden gesperrt. Baubürgermeister Tim von Winning bestätigte auf Anfrage entsprechende Informationen der SÜDWEST PRESSE. Er hatte in nicht-öffentlicher Sitzung am Mittwochabend die Stadträte in der Kommission Citybahnhof informiert. Details stehen wohl noch nicht fest. Sicher ist jedoch, dass die Sperrung bleibt.

Ursache: Bau läuft nicht nach Plan und verlängert Sperrung

Die Stadtverwaltung sei gerade dabei, die Planungen zu ändern und Handlungsoptionen zu erarbeiten. Die Entscheidung liegt dann bei den Stadträten. Ursache für die Verzögerung ist: eine Verzögerung. Der Bau der Tiefgarage und der unterirdischen Passage vom Bahnhof zu den Sedelhöfen kommt schleppender voran als geplant.

Zwei Optionen für die Sperrung am Bahnhof Ulm

Laut von Winning gibt es für die Verkehrsregelung in der Friedrich-Ebert-Straße zwei Optionen:

  • Variante 1: Nach dem aktuellen Bauverlauf könnte die Friedrich-Ebert-Straße statt Anfang Februar Anfang April wieder frei befahrbar sein – allerdings nur bis zum Beginn der Sommerferien Ende Juli. Während der Ferien müsse erneut gesperrt werden. „Es geht leider nicht anders“, sagt von Winning. Dann werde an den neuen Haltestellen gearbeitet, mit Schienenersatzverkehr. Wegen der Bauarbeiten könne die Friedrich-Ebert-Straße wiederum nur einspurig genutzt werden.
  • Variante 2: Die andere Möglichkeit wäre, die Teil-Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße gleich durchgehend aufrechtzuerhalten, dann voraussichtlich bis Ende der Sommerferien. Auf Zeiten oder ein Datum will sich der Baubürgermeister nicht festlegen, da die Planungen noch laufen.

Stadt bevorzugt durchgängige Sperrung über die Sommerferien

Von Winning lässt aber durchblicken, welche Option der Bauverwaltung am liebsten wäre: Variante 2. Eine durchgängige Sperrung wäre demnach unter bautechnischen, finanziellen und auch verkehrlichen Aspekten besser. Jede Änderung in der Verkehrsführung sorge für Probleme. Die Friedrich-Ebert-Straße Richtung Süden zu öffnen und ein paar Wochen später wieder zu schließen, verwirre Autofahrer erst recht. Der Verkehr am Bahnhof läuft nach Einschätzung des Baubürgermeisters derzeit recht gut, die Autofahrer hätten sich an die Regelung gewöhnt. „Wir haben wenig Beschwerden.“

Stadträte müssen entscheiden

Welche Variante Wirklichkeit wird, steht noch nicht fest, darüber müssen die Stadträte entscheiden. Die Bauverwaltung will bis Mitte November beide Varianten mit allen Details und Konsequenzen ausgearbeitet haben und sie dann den Stadträten zur Beschlussfassung vorlegen.

Öffentlichkeit soll erst Mitte November informiert werden

Nach den Plänen des Rathauses sollte auch die Öffentlichkeit erst Mitte November informiert werden, wenn die Planungen weiter fortgeschritten sind und sich beispielsweise auch Aussagen zu einer Kostensteigerung machen lassen. Die Verwaltung wollte laut von Winning zuerst die Stadträte in Kenntnis setzen. Die Information der IHK sei für kommende Woche im Steuerungskreis Verkehr geplant.

Komplexeste Baustelle in ganz Ulm

Die neue Entwicklung sei alles andere als erfreulich, sagt der Baubürgermeister. Es handle sich an dieser Stelle aber um die komplexeste Baustelle überhaupt in Ulm: mit Sedelhöfen, Tiefgarage, Passage und Neubau am Bahnhofplatz 7. Zudem zeige sich erst während der Arbeiten, dass im Untergrund vieles anders ist als gedacht. Zum Beispiel verlaufen Leitungs-Trassen anders als in Plänen dargestellt, tauchen Hohlräume auf, die verfüllt werden müssen.

Sedelhöfe und Passage sollen im Frühjahr 2020 öffnen

Am generellen Zeitplan werde sich aber nichts ändern. Die Sedelhöfe und die Passage sollen nach wie vor im Frühjahr 2020 öffnen, die Tiefgarage soll im Sommer 2021 fertig sein.

Zeitplan der Bauarbeiten am Bahnhof

  • 2019: Um den Bauablauf von Tiefgarage und Passage zu beschleunigen, wurde die Friedrich-Ebert-Straße teilweise gesperrt. Der Plan, die Durchfahrt Richtung Süden rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft im Dezember wieder freizugeben, zerschlug sich aber schnell.
  • 2020: Die Einbahnregelung sollte dann nach den aktuell gültigen Planungen noch den ganzen Januar umfassen. Das lässt sich nun nicht einhalten. Die Eröffnung der Sedelhöfe und der unterirdischen Passage ist jedoch nach wie vor für Frühjahr 2020 vorgesehen.
  • 2021: Die städtische Tiefgarage mit 540 Stellplätzen soll Mitte 2021 fertig sein. Als Baukosten wurden inklusive Passage zuletzt 60 Millionen Euro angegeben. Ursprünglich hatte die Stadt mit 52 Millionen Euro kalkuliert. Die Rede ist von weiteren Kostensteigerungen.

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