Friedrich-Ebert-Straße Ulm: Sperrung am Bahnhof kommt

Die Friedrich-Ebert-Straße am Ulmer Hauptbahnhof wird 2019 für 10 Monate nur einspurig befahrbar sein.
Die Friedrich-Ebert-Straße am Ulmer Hauptbahnhof wird 2019 für 10 Monate nur einspurig befahrbar sein. © Foto: SWP
Ulm / Chirin Kolb und Frank König 21.11.2018
Die Friedrich-Ebert-Straße ist 2019 für zehn Monate nur in eine Richtung befahrbar. Die CDU stimmte im Ausschuss dagegen

Harte Entscheidung am Dienstagabend im Bauausschuss. Die Stadträte stimmten um 21.35 Uhr mit der deutlichen Mehrheit von neun zu drei Stimmen für die vom Rathaus vorgeschlagene einseitige Sperrung des Bahnhofszubringers Friedrich-Ebert-Straße von Februar bis November 2019. Lediglich die CDU lehnte den erneuten gravierenden Einschnitt in den Straßenverkehr ab, mit dem die Stadt die Fertigstellung der Bahnhofspassage beschleunigen und eine Vertragsstrafe von fast vier Millionen Euro gegenüber Investor DC vermeiden will. Siegfried Keppler (CDU) sagte, man könne nicht die Interessen des Investors vor die des Bestandhandels stellen. Simon Pflüger von der IHK sagte, die Umsatzverluste für den Handel wären nicht zumutbar.

Baubürgermeister Tim von Winning wiederholte die Argumente der Verwaltung: Eine Eröffnung der Sedelhöfe im März 2020 ohne die Passage würde dem Handelsplatz insgesamt einen Schaden zufügen. Daher wolle man die Bahnhofspassage, die wegen der Verzögerungen beim Bau der Tiefgarage am Bahnhof mindestens acht Monate im Verzug ist, durch Kombination zunächst separater Baufelder schneller durchziehen: so dass sie auch zur Eröffnung des neuen Einkaufszentrums fertig wäre. Dies bedeute aber, dass die Friedrich-Ebert-
Straße – wie auch im Sommer beim Abriss des Gebäudes Bahnhofplatz 7 – nur stadteinwärts befahrbar ist und nach Süden zwischen Post und ZOB zu ist.

8000 Autos müssen täglich neue Route suchen

Ein Verkehrsgutachten hat demnach gezeigt, dass sich auf diese Weise 8000 Autos täglich beim Verlassen der Stadt eine neue Route suchen müssen: entweder über die Neue Straße oder über die ebenfalls einspurige Karlstraße oder Neutorstraße und Ludwig-Erhard-Brücke.

Eine Behelfsbrücke, wie sie die SPD vorgeschlagen hatte, hält von Winning für nicht realisierbar. Dafür wären Fundamente und bei zwei Metern Höhe eine sehr lange Auffahrtrampe erforderlich. Die Brücke würde 50 Meter lang: „Das ist dann schon ein ordentliches Gerät.“ Zudem würde der Bau monatelang dauern.

Stadträte aller Fraktionen betonten, sie hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Wir müssen nichts schönreden“, sagte Gerhard Bühler (FWG). „Das wird eine schwere Zeit.“ Aber es gehe um eine Einspurigkeit, nicht um die Totalsperrung. Von Süden her seien die Tiefgaragen und Parkhäuser wie bisher erreichbar, lediglich von Norden werde die Zufahrt schwieriger. „Ulm bleibt erreichbar.“ Diese Botschaft gelte es zu vermarkten.

Dorothee Kühne (SPD) bemängelte den Zeitdruck bei der Entscheidung, der dazu führe, dass lediglich der Bauausschuss und nicht der gesamte Gemeinderat abstimmen muss. Die SPD habe sehr wohl auch die Interessen des bestehenden Handels im Blick. „Er hätte sicher keine Freude daran, wenn der Start der Sedelhöfe getrübt wäre.“ Die Stadt müsse alles dafür tun, die Begleitumstände der Teilsperrung zu lindern, beispielsweise in der Beschilderung, Ampelschaltung, Öffentlichkeitsarbeit. Alle anderen Bauprojekte müssten nun zurückgestellt werden: „Wir machen dann nur noch die Passage.“

Wunsch nach Image-Kampagne

Die Grünen waren weder für die Tiefgarage noch für die Passage, „wir könnten es uns also einfach machen“, sagte Michael Joukov-Schwelling. Es sei aber keine bessere Lösung in Sicht als die Teilsperrung, „auch wenn wir den Leuten einiges zumuten“. Er forderte eine Imagekampagne nach dem Motto „Ulm bleibt erreichbar“, einen Lieferdienst im Handel, die Ausdehnung des Gratis-Nahverkehrs an Adventssamstagen auf andere Samstage.

Die FDP stimme ebenfalls zu, wenngleich nicht gern, sagte Rose Goller-Nieberle. „Aber wir sehen das Ziel.“ Anders entschieden sich dagegen die drei CDU-Stadträte. In der Abwägung der gesamten Auswirkungen stellen sie sich auf die Seite des bestehenden Handels, sagte Siegfried Keppler. Er zog in Zweifel, ob die Sedelhöfe wie geplant im März 2020 eröffnen, eine Vertragsstrafe also überhaupt fällig werden würde. Zudem sei verändertem Bauablauf nicht sicher, dass die Passage punktgenau fertig wird.

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Was wird aus dem Taxistand?

Fahrspuren: Die Modalitäten der Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße am Bahnhof werden über die Grafik oben ersichtlich. Dabei muss die Bahnhofstraße Richtung Bahnhof verlängert werden, so dass sie das Provisorium im Westen stadteinwärts erreicht. Die heutige, zweispurige Fahrspur liegt im Osten, angrenzend an das alte und dann neue Haus Bahnhofplatz 7.

Parken: Baubürgermeister Tim von Winning betrachtet es als Erleichterung für den Verkehr, dass diesmal die Autos aus der beliebten Parkgarage Deutschhaus stadtauswärts nach Süden abfließen können, während dies bei der Sperrung im Sommer unmöglich war. Autofahrer warteten hier bei Staus ewig auf die Ausfahrt nach Nord, ähnlich wie im „Salzstadel“.

Kreuzungen: Die Probleme mit dem Taxistand hinter der Post bei der Sperrung stadtauswärts sollen nach Wunsch der Stadträte nochmal untersucht werden. Man verspricht sich diesmal Erleichterung dadurch, dass die Theaterkreuzung an der Olgastraße und die Kreuzung an der Neutorstraße nach Fertigstellung der Tram wieder funktionsfähig sind.

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