Es war eine ziemliche Überraschung für Caritas-Geschäftsführerin Alexandra Stork und ihre Kollegen. In ihrem Briefkasten lag ein schlichter weißer Briefumschlag, auf den als Adressat mit Schreibmaschine geschrieben war: „Für einen, der jetzt keine Arbeit und keinen Lohn mehr hat“. Im Umschlag steckte ein 100-Euro-­Schein. Ein Absender fehlte.

Für das Caritas-Team war die anonyme Spende „eine große Freude, ein wunderschönes Zeichen, dass es Menschen gibt, die an andere denken“, sagt Alexandra Stork. und natürlich werde das Geld an einen Menschen weitergereicht, der durch die Corona-Krise seine Arbeit verloren hat. Ganz im Sinn des Spenders oder der Spenderin also. Stork bedauert nur, dass der unbekannte Geber seinen Namen nicht hinterlassen hat. „Wir hätten selbstverständlich eine Spendenbescheinigung ausgestellt.“

Not durch Corona wird auch in Ulm größer

Bedürftige gibt es gerade genug, „es gibt jede Menge Menschen, die Hilfe brauchen“. Diese Erfahrung machen die Caritas-Mitarbeiter in der Sozial- und Arbeitslosenberatung täglich. Da ist zum Beispiel die alleinerziehende Mutter, deren PC kaputt gegangen ist und die nun Angst hat, dass ihre Tochter auf dem Gymnasium abgehängt wird. Oder der Gastronom, der vor der Insolvenz steht, bereits staatliche Unterstützung beantragt hat, aber noch auf die Auszahlung wartet und vor dem Nichts steht. Die Caritas-Mitarbeiter helfen beim Ausfüllen von Anträgen und beraten die Menschen, wo und wie sie an Unterstützung kommen.

Dass der Bedarf zunimmt und die Not größer wird, zeige sich auch an anderer Stelle, sagt Stork. Seit die Anlaufstelle für Wohnungslose wegen Corona schließen musste, gibt die Caritas Lebensmitteltüten aus. Sie waren zunächst für die wohnungslosen Menschen gedacht. „Inzwischen kommen aber auch Leute, mit denen wir zuvor keinen Kontakt hatten.“ Darunter seien zum Beispiel Eltern in Kurzarbeit oder Väter, die ihren Familien nicht eingestehen wollen, dass das Geld zum Supermarkt-Einkauf nicht mehr reicht.