Ulm/Neu-Ulm SPD über Steinbrück geteilter Meinung

Hilde Mattheis: Vorstand sieht sich vor vollendete Tatsachen gestellt.
Hilde Mattheis: Vorstand sieht sich vor vollendete Tatsachen gestellt.
Ulm/Neu-Ulm / CHRISTOPH MAYER EDWIN RUSCHITZKA 29.09.2012
Peer Steinbrück soll SPD-Kanzlerkandidat werden. Das freut nicht alle in der Partei. Hilde Mattheis nennt die Art der Nominierung "befremdlich".

In der SPD-Spitze regt sich Kritik an der Nominierung Peer Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2013. Das Verfahren sei "befremdlich", sagte SPD-Vorstandsmitglied Hilde Mattheis gestern dem Fernsehsender Phoenix. "Als Parteivorstand sehen wir uns vor vollendete Tatsachen gestellt." Inhaltlich machte sich Mattheis, die auch stellvertretende Vorsitzende der baden-württembergischen SPD ist, für die Forderungen des linken Parteiflügels stark: "Wir haben eine Beschlusslage, die es einzuhalten und für das Regierungsprogramm auszubauen gilt." Einer dieser Punkte sei, das Rentenniveau nicht unter 50 Prozent zu senken.

Martin Rivoir hingegen zeigte sich nach der gestern von Parteichef Sigmar Gabriel angekündigten Nominierung Steinbrücks zufrieden. "Das ist eine gute Wahl", sagte der Ulmer Landtagsabgeordnete. Die SPD, so viel sei klar, könne Wahlen nur mit Wirtschaftskompetenz gewinnen. Dies gelte umso mehr vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise. "Da steht uns noch einiges bevor." Der Wirtschaftsexperte und ehemalige Bundesfinanzminister Steinbrück sei deshalb der richtige Mann.

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende im Neu-Ulmer Stadtrat, Karl-Martin Wöhner, begrüßte den Kandidaten Steinbrück. Er sei ein sehr guter Kandidat. Allerdings müsse er sich dem linken Parteiflügel mehr öffnen, sagte Wöhner, denn: "Er hat an der umstrittenen Agenda 2010 mitgewirkt, und das gefällt nicht jedem in der Partei." Wöhner glaubt aber, dass Steinbrück den Spagat hinbekommt und sich letztendlich auch den linken Positionen öffnen wird. Er freue sich auf einen Wahlkampf mit Steinbrück, den er im Gegensatz zu Parteichef Gabriel und dem dritten im Bunde der Kandidaten, Frank-Walter Steinmeier, nicht persönlich kennt.