Luisa Boos redet Klartext. Die Generalsekretärin der baden-württembergischen SPD weiß, dass mit Worthülsen kein Staat zu machen ist. Dementsprechend hat sie ihre Zuhörer im Weststadthaus vorgewarnt: „Ich überspitze manches, um eine klare Kante zu zeigen.“

Denn dass die nötig ist bei der politischen Gemengelage im Vorfeld der Europawahl kommendes Jahr, daran hat sie angesichts des Rechtspopulismus auf dem Kontinent keinen Zweifel. Ähnlich sieht es der Ulmer SPD-Kreisvorsitzende Martin Ansbacher, der Boos zum Bürgergespräch geladen hatte: „Wir werden als Sozialdemokraten ein Bollwerk gegen den Durchmarsch von Nationalisten sein müssen.“ Die EU sei als Wertegemeinschaft weit mehr als nur ein Wirtschaftsraum, nämlich der „Garant für Frieden, Freiheit und Wohlstand“.

„Europa“, fürchtet Luisa Boos, „droht an der sozialen Frage auseinanderzubrechen.“ Sie will sich für eine EU ohne soziale Ungerechtigkeiten stark machen, wo die Menschen vor „Raubtierkapitalismus“ geschützt werden, gleiche Bildungschancen bekommen und die Jugend Perspektiven auf Arbeit und Wohlstand. „Die gerechteste Form der Umverteilung ist die Umverteilung in Bildung.“ Genau die „gerät überall in Gefahr, vor allem in Osteuropa“, wo nur Linientreue eine Bildungschance bekämen.

Die Bürger sollen nicht „für Banken und Zocker haften“, und Unternehmen keine Steuergeschenke zu Lasten der Allgemeinheit mehr erhalten. Stattdessen fordert die 33-Jährige Mindestlöhne, eine europaweite Arbeitslosenversicherung und angemessene Renten.

Nicht zuletzt ist sie in Sorge um das, was die längste Friedenszeit auf dem Kontinent ermöglicht hat: „Die Demokratie gerät unter Druck“, warnt sie. „Die Rechtspopulisten wollen Europa nicht abschaffen, sondern die Macht in Europa.“ Dem gelte es entgegen zu treten.

Allerdings müsse die EU-Administration näher zu den Bürgern kommen. „Die Menschen sollen mitreden, diskutieren können.“ Und per Direktwahl Einfluss auf die Besetzung der EU-Kommission bekommen. Die Kommunen sollten stärker eingebunden werden, auch um bürokratische Hürden abzubauen. Auch das Europäische Parlament müsse deutlich mehr Gewicht bekommen: „Wir wollen es massiv stärken.“