Neu-Ulm Spaziergang durch Neu-Ulm: Willkommen in Schilda!

EDWIN RUSCHITZKA 27.07.2013
Nach vier Stadtspaziergängen an einem Tag steht sie - die Mängelliste, die der Verein "Wir in Neu-Ulm" der Stadtverwaltung bald übergeben will. Was nervt, ist der Schilderwald gleich nach der Herdbrücke.

Heinz Koch, der Vorsitzende des Vereins "Wir in Neu-Ulm" (WIN), in dem sich Händler, Dienstleister und Kulturschaffende organisieren, ist ein Mann der klaren Ansage. Neu-Ulm, so erklärt er am Donnerstag beim Spaziergang von der Herdbrücke zum Petrusplatz, ist arm an attraktiver Ausstattung, aber reich an mehr oder weniger sinnvollen Hinweisschildern. Dabei heißt Neu-Ulm nicht Schilda. Und die Neu-Ulmer wollen auch keine Schildbürger sein.

"Wir sind jetzt im Armenviertel von Ulm", provoziert Koch und marschiert von der Herdbrücke in Richtung Neu-Ulmer Innenstadt. Genau diesen Eindruck, glaubt er, muss ein Ortsunkundiger haben, der nicht weiß, wo Ulm aufhört und Neu-Ulm anfängt. Was er damit zum Ausdruck bringen will? Dass die Herdbrücke und die Marienstraße alles andere als ein attraktives Eingangstor zur Stadt Neu-Ulm seien. "Niemand wird bemerken, dass er von einer Stadt in die andere gelaufen ist, dass er sich in einem anderen Bundesland befindet." Neu-Ulm fehle gerade an dieser Stelle die Visitenkarte und somit auch ein Stück eigener Identität.

Millionen von Euro, sagt Koch, würde es die Stadt nicht kosten, diese Situation zu verbessern. Nur müsste jemand mit offenen Augen durch die Straßen laufen. Er zeigt auf die eingeschlagenen Laternen auf der Herdbrücke. An den Masten sind Vorrichtungen angebracht. Die Blumenkästen, die darauf montiert werden könnten, fehlen jedoch.

Dafür werden die Neu-Ulm-Besucher auf Höhe des Tagblatts gleich von sechs übereinander montierten Schildern begrüßt, die auf die Umweltzone, auf die Hochschulstadt und auf Parkplätze hinweisen. Für Koch ist das zuviel. Wichtiger seien für ihn Angaben, wie man zur Donauinsel und zum Schwal gelangt. Diese eher kleinen Hinweise fallen einem später erst auf den zweiten Blick auf. Die Tafeln, die auf die Neu-Ulmer Partnerstädte verweisen, sind verschmiert und beklebt. Wo bitte ist "einingen" in "hüringen"? Dann zeigt er auf ein Schild, das Unkundige zu Kultur und Gastronomie auf das Areal der Flussmeisterei führen soll. Doch dieser Platz ist vor einem Jahr dem Bau des teuren und exklusiven Wohnparks am Jahnufer zum Opfer gefallen.

Fast beiläufig bedauert Koch, dass die kleine Donau kaum wahrgenommen wird. "Warum gibt es hier keinen Abgang zum Wasser", fragt er sich. Weiter geht es durch die Hieberschlucht in Richtung Petrusplatz, vorbei am Theater Neu-Ulm, das Koch leitet. Eine der modernen Straßenlampen direkt vor dem Theater ist schon lange kaputt. Angeschraubt wurde eine Art Provisorium nach der Devise: Hauptsache es ist abends hell. Kaum steht Koch auf dem Petrusplatz, fällt ihm der Lärm von den umliegenden Straßen auf. "Eigentlich könnte man zumindest die Augsburger Straße beruhigen, vielleicht sogar für den Durchgangsverkehr sperren", sinniert er. So aber ist das kleine Stück in der Hieberschlucht bislang die einzige Fußgängerzone in ganz Neu-Ulm.

Auf dem Petrusplatz will Koch Kunst präsentieren, vielleicht Skulpturen und Objekte des Amerikaners Frank Stella. "Schön", sagt Koch, "dass am Rand ein paar Bänke stehen." Der Platz selbst ist öde und leer. Die Kinderschaukeln an der Ladenzeile seien nur ein Alibi, denn ansonsten seien Kinder wenig erwünscht. Er zeigt auf ein Schild, das das Ballspielen verbietet und auf Alternativen an der Weststadtschule und am Landratsamt hinweist.

Vieles müsse verbessert werden, sagt Koch, und WIN werde Vorschläge machen. Aber nicht alles sei schlecht. Fast schon italienisches Flair bemerkt er auf dem Johannesplatz. Und der Schwal sei eine richtige Oase in Neu-Ulm. Aber an den Bänken dort hat der Zahn der Zeit genauso genagt wie am mit Flechten überzogenen Holzgeländer der Brücke, die auf den Schwal führt.

Was nach den Stadtspaziergängen von WIN kommt