Wolf Spaziergänger fotografierte vermeintliche Spuren vom Wolf bei Merklingen

Die Spuren des Wolfs bei Merklingen - Das Tier ist von Kopf bis Rumpf zwischen 100 Centimetern und 150 Meter lang und hat eine Schulterhöhe zwischen 60 und 90 Centimeter.
Die Spuren des Wolfs bei Merklingen - Das Tier ist von Kopf bis Rumpf zwischen 100 Centimetern und 150 Meter lang und hat eine Schulterhöhe zwischen 60 und 90 Centimeter. © Foto: SWP Grafik/Döhring Quelle:WWF Foto: Privat
Merklingen / STEFAN BENTELE 05.12.2015
Der Wolf ist zurück im Alb-Donau-Kreis – und schon in der Wahrnehmung der Menschen angekommen. Mehrere Leser unserer Zeitung berichten von Sichtungen. Immer fehlt aber ein letzter Nachweis.
Einen ausgeprägten Ballen an der Pfote und Spuren, die meist geradeaus verlaufen: Ein Leser unserer Zeitung, der ungenannt bleiben möchte, hat bei Merklingen im Mai 2015 und im Dezember 2013 Spuren im Waldboden fotografiert, die von einem Wolf stammen könnten. Sicher, dass es sich um Wolfsspuren handelt, ist der 58 Jahre alte Diplom-Biologe nicht. „Es ist wirklich schwierig, große Hunde vom Wolf zu unterscheiden“, sagt der Mann, der in Ulm lebt und regelmäßig bei Merklingen spazieren geht.

Autofahrer haben kürzlich auf der A 8 den Kadaver eines Jungtieres entdeckt, das aus den Alpen oder aus Nord-Ost-Deutschland stammt. Ein DNA-Test soll das klären. Der Fund ist der erste Nachweis eines Wolfes in Württemberg seit 1847.

Warum der Mann die Fotos nicht schon direkt nach der Aufnahme hat prüfen lassen? „Ich wollte den Wolf in Ruhe lassen.“ Und er sei davon ausgegangen, dass es sich um ein durchziehendes Tier handelt.

„Leider ist es anhand einzelner Trittsiegel nicht möglich, einen Wolf zu identifizieren“, sagt der Wildtierökologe Dr. Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg. Tendenziell seien die Pfotenabdrücke von Wölfen zwar etwas langgestreckter und eher oval als rund. Allerdings könnten auch einige Hunde diese Kriterien wunderbar erfüllen, bestätigt Herdtfelder die Angaben unseres Lesers.

Deshalb wird immer der Verlauf der Spuren verglichen, was ein Foto aber nicht wiedergeben kann. Etwa 100 Meter Fährte braucht es, um sich die Abdruckfolge genau anschauen zu können. Denn ein Wolf sei sehr energiesparend unterwegs, laufe meist geradeaus, sagt Herdtfelder. Hunde dagegen liefen mal nach rechts, mal nach links.

Auf den Fotos fehlen laut Herdtfelder außerdem genaue Maßangaben, um die Abdruckgröße exakt bestimmen zu können. Der Schuh erlaubt lediglich einen vagen Vergleich. Sollte es sich allerdings bei den beiden Fotos mit identischen Spuren tatsächlich um einen Wolf handeln, könnte zumindest die Spur von vor zwei Jahren nicht von dem nun überfahrenen Wolf stammen. Entweder gibt es dann mindestens ein weiteres Tier in der Gegend; oder aber ein anderes war vor zwei Jahren auf Durchreise.

Auch Herdtfelder hat zuletzt Anrufe erhalten, in denen ihm von Wolfssichtungen berichtet wurde. Ein Beleg für die Sichtung – etwa ein Foto – konnte aber keiner vorlegen. Ähnliches berichtet Max Wittlinger, Kreisjägermeister im Alb-Donau-Kreis, der mit einer Familie im nördlichen Alb-Donau-Kreis in Kontakt stand, die ein ganzes Wolfsrudel beobachtet haben wollte. Es habe sich aber im weiteren Gespräch schnell ergeben, dass das vermeintliche Rudel etwa zwei Kilometer entfernt gewesen sei. „Vermutlich war es dann doch eine Rotte Wildschweine“, sagt Wittlinger.