Café Spatzencafé: Kinder spielen, Mütter reden

Sieht ein bisschen nach Kita-Fest aus, ist aber ein Café - und zwar das "Spatzencafé" im Grünen Hof, das allen Leuten offensteht.
Sieht ein bisschen nach Kita-Fest aus, ist aber ein Café - und zwar das "Spatzencafé" im Grünen Hof, das allen Leuten offensteht. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / BEATE ROSE 19.04.2016
Mütter reden beim Kaffee. Im Familienzentrum Adlerbastei weiß man, wie wertvoll diese Auszeit für Frauen ist. Immer donnerstags öffnet dort das Spatzencafé, das jetzt seit einem Jahr existiert.

In keinem Café sei man als Mutter mit kleinen Kindern erwünscht. Das hat Marielle Burgi, Mutter von drei Kindern im Alter von zwei bis sieben, so erlebt. Deshalb war ihr Wunsch, als sich vor eineinhalb Jahren die Kita "Adlerbastei" zum Familienzentrum im Grünen Hof weiterentwickelt hatte und Eltern zum Ideen-Workshop geladen waren: "Ein Kindercafé. Man wird träumen dürfen."

Beim Träumen ist es nicht geblieben. Denn die Leiterin des Familienzentrums, Heide Lisken, erkannte: "So ein Café lässt sich unkompliziert auf die Beine stellen." Der Name war schnell gefunden, nämlich "Spatzencafé". Für das werden im Winter Räume im Haus der Begegnung genutzt, im Sommer steht Spielzeug im großen Innenhof. Das Spatzencafé gibt es seit einem Jahr. Geöffnet hat es donnerstags von 13.30 bis 17 Uhr und ist gedacht für Eltern, die im Viertel wohnen oder zufällig vorbeikommen, und Kinder von der Babyzeit an. Am häufigsten zu Gast sind jedoch Mütter, die ihre Kinder aus der Kita "Adlerbastei" abholen.

Das Programm ist vielfältig, mal werden Waffeln gebacken, gebastelt, mal zeigt Münsterpfarrer Stefan Krauter Kino für Kinder. Kaffeetrinkende Frauen belächelt dort selbstverständlich niemand. Vielmehr genießen alle Frauen diese Pause im Alltag. Krauter sieht es so: "Man sollte nicht unterschätzen, wie wertvoll Kontakte sind, die bei einer Tasse Kaffee für Leute entstehen, die eine bestimmte Lebenssituation teilen."

Susanne Prinz, Mutter von Ben (2), der die Krippe in der Adlerbastei besucht, schaut ins Café. Sie schätzt, dass sie "gemütlich" ihren Kaffee genießen kann. Ben guckt lieber den Plastik-Lastwagen hinterher, mit denen sich Kinder über den Hof schieben. Es sei schön, dass es so etwas Unkompliziertes gebe, ein Ort, an dem sich niemand an Kindern störe, sagt Susanne Prinz.

Im Spatzencafé hat die Freiluftsaison begonnen: Tische und Stühle sind im Hof aufgebaut, eine Handvoll Mütter sitzt beieinander. Thema Nummer eins: der anstehende Wechsel ihrer Kinder in die Schule. Die Kinder interessiert das alles nicht, sie sausen mit kleinen Fahrzeugen über den gegen große Autos gesicherten Hof. Als Kita-Erzieherinnen Goldfische in einer Plastikschüssel tragen - die Fische kommen nach dem Winter vom Aquarium in den Brunnen -, ist für noch mehr Unterhaltung gesorgt.

Marielle Burgi legt Wert darauf, dass sie sich nicht allein ums Café kümmert. Das würde sie nicht schaffen, schließlich muss es stets auf- und abgebaut werden. Drei weitere Ehrenamtliche gibt es, die sich ums Café kümmern - nämlich Sandra Zimmermann, Britta Stierberger und Hatun Kemerci. Burgi: "Ohne die Frauen gebe es das Café nicht."

Familienzentrum

Adlerbastei Ein Familienzentrum richtet sich an Eltern, die sich in Form von niederschwelligen kostenlosen Angeboten Rat holen können. Ein Familienzentrum muss an eine Kita mit mindestens drei Gruppen angegliedert sein und Beratungsstellen sowie Bildungsträger einbinden. Der Gemeinderat hatte im November 2013 dafür ein Konzept beschlossen und stellt die finanziellen Mitte bereit. Seit September 2014 ist die Kita Adlerbastei das zweite Familienzentrum der Diakonie in Ulm, Träger der Kita Adlerbastei ist die Münstergemeinde.

 

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