Die o so fröhlich besungene, gnadenbringende Weihnachtszeit – sie brachte gestern in der Pauluskirche wieder das besonders festliche, aber auch mit adventlich besinnlichen Werken bestückte Weihnachtskonzert von Ulmer Spatzen Chor und Junger Bläserphilharmonie Ulm (JBU).

Die auch konditionsstarken Ensembles trumpften gleich zwei Mal hintereinander vor jeweils ausverkauftem Haus auf. Nur die Kleinsten, der Vorchor  der Spatzen, hatten lediglich einen Auftritt, verkündeten aber singend: „Nun schmücken wir den Weihnachtsbaum“. Dafür war beim 17-Uhr-Termin der von Barbara Comes neu formierte Ehemaligen-Chor der Spatzen, „Les Passerelles“, dabei: mit feinen Sätzen von Gentner und Distler und auch einer besinnlichen „Stillen Nacht“.

Es war ein ungemein vielfältiges Programm, das traditionell ein Blechbläserensemble von der Altarempore aus eröffnete: mit Händels „Tochter Zion“. Da war sie dann gleich, die viel beschworene Freude, und es wurde gestern überhaupt gejauchzt und frohlockt: Der Kinder- und Jugendchor der von Hans de Gilde dirigierten Spatzen stimmte, begleitet von einem Instrumentalensemble samt Pauke und Trompete (Michael Bischof), den Eingangschor des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach an – prächtig und klangvoll.

Auch das Sanctus und das Benedictus aus Mozarts „Spatzenmesse“ ertönte feierlich und auf hohem Niveau, schließlich sang der aktuelle Bundessieger unter den deutschen Jugendchören. Um die Welt und in Regionen des Pop reisten die von Barbara Comes an Orgel, Keyboard und Flügel begleiteten Spatzen dann auch mit Weihnachtsliedern des Franzosen Bernard Lienhardt bis zu „Midwinter“ von Bob Chilcott  – den britischen Komponisten hatte der Jugendchor in diesem Jahr beim Festival „Europa Cantat“ in Estland kennengelernt.

Die Bläserphilharmonie unter der Leitung von Josef Christ demonstrierte, wie einfallsreich und raffiniert die Komponisten und Arrangeure sinfonischer Blasmusik die populären Weihnachtslieder  verarbeiten können. Das Nachwuchsorchester etwa bot mit unterhaltsamem Swing und Spielfreude ein „Christmas Spiritual“ (Luigi di Ghisallo) und betonte auch: „Merry Christmas and all that Jazz!“ (Michael Story).

Mit der großen Orgel

Das Große Orchester der JBU imponierte mit anspruchsvoller Literatur, mit John Rutters „Christmas“ und auch „Symphonic Prelude on Adeste Fideles“ von Claude T. Smith – das war geradezu fanfarenartiges Hollywood-Spektakel, erstklassig und wirkungsvoll intoniert. Und schließlich das Finale aus Camille Saint-Saëns’ 3. Sinfonie, die den Beinamen „Orgelsinfonie“ trägt – Spätromantik, transkribiert von Earl Slocum für sinfonisches Blasorchester. Ein sehr interessanter Fund und eine tolle Idee, auch mal die große Link-Gaida-Orgel ins Spiel zu bringen (mit Volker Konstantin Unseld von der Musikschule Ulm als Solisten). Da bebte die Pauluskirche.

Und laut war gestern naturgemäß wieder der Beifall. Jubel um Jubel und ein Höhepunkt eines jeden musikalischen Ulmer Jahres: das Gruppenbild von Spatzen und JBU in der Pauluskirche, keine himmlischen Heere, aber unzählige Akteure: der zu Herzen gehende Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“ und ein gewaltiges „O du fröhliche“ für alle. Standing Ovations.

Zugunsten der Aktion 100 000


Der Erlös der Weihnachtskonzerte des Ulmer Spatzen Chors und der Jungen Bläserphilharmonie Ulm geht an die Aktion 100 000 und Ulmer helft. Im vergangenen Jahr spendeten die Ensembles stolze 5753 Euro.