Posse Spatz schlägt Kapriolen

Wo wird er landen, der SSV-Spatz? Das ist noch nicht geklärt.
Wo wird er landen, der SSV-Spatz? Das ist noch nicht geklärt. © Foto: Archiv/Matthias Kessler
Ulm / CHRISTOPH MAYER 13.06.2018

Der SSV-Spatz bewegt die Stadtgesellschaft. An die 50 Leseranfragen per Telefon oder Mail gingen in der Redaktion ein. Alle mit dem gleichen Ansinnen: dem Vogel, der seit 15 Jahren auf einer Wiese vor einem Firmengelände in der oberbayerischen Gemeinde Valley steht und dort weg muss, weil eine Straße gebaut wird, ein neues Zuhause zu bieten. Wie berichtet, will Firmeninhaber Rainer Laepple („ich bringe es nicht übers Herz, ihn zu entsorgen“) die zu Ralf Mildes „Spatzen­invasion“ aus dem Jahre 2001 gehörende Skulptur am liebsten in heimische Gefilde zurückbringen. Bei der Spatzeninvasion waren 255 Kunststoff-Vögel von unterschiedlichen Akteuren künstlerisch gestaltet und dann zu Gunsten des Ulmer Münsters versteigert worden. 300 000 D-Mark waren so zusammengekommen.

Hommage an den Abstieg

Große Hoffnungen sollten sich sämtliche Asyl bieten wollenden Spatzenliebhaber vorerst aber nicht machen. Robert Of erhebt berechtigte Ansprüche auf den Flattermann. Der Fliesenlegermeister und Fußballfan aus Neu-Ulm hatte den Rohling 2001 nicht nur im sportlichen SSV-Design gestaltet, sondern später auch selbst für 2000 D-Mark ersteigert. „Ich hatte ihn damals ‚Abstiegsspatz’ getauft, weil der Fußballverein ins Bodenlose taumelte“, erinnert er sich.

Jetzt, so Of, wolle er seinen rechtmäßigen Besitz gerne zurückhaben, ihn restaurieren und zu einem späteren Zeitpunkt für einen guten Zweck versteigern. Der künftige Spatz solle jedoch kein Abstiegsspatz mehr sein, sondern ein „Positiv-Spatz“, fügt er lachend hinzu.

Bleibt die Frage, ob Ofs Wunsch in Erfüllung geht. Denn Rainer Laepple hatte gegenüber der SÜDWEST PRESSE behauptet, den Spatzen einst vom Ulmer Großgastronomen Ebbo Riedmüller geschenkt bekommen zu haben. Wäre dem so, hätte wohl Laepple darüber zu befinden, wer den Spatz bekommt.

Man ahnt spätestens an dieser Stelle, dass die Sache kompliziert werden könnte  – womöglich sogar ein Fall für Juristen?  Recherchen der SÜDWEST PRESSE dürften nun allerdings Licht ins Dunkel bringen und einem möglichen Spatzen-Irrflug ein Ende setzen, bevor er beginnt.

In der Tat hat Riedmüller den Spatzen seinerzeit verschenkt, „an meinen Kumpel Rainer Laepple, der ihn mitnahm“, wie er auf Anfrage einräumte. Auf dem Gelände von Riedmüllers Brauhaus „Barfüßer“  in Neu-Ulm hatte der Vogel ein eher trauriges Dasein gefristet – als Leihgabe Ofs. Dass es sich um eine Leihgabe handelte, sei ihm zum Zeitpunkt des Weiterverschenkens allerdings nicht bewusst gewesen, sagte Riedmüller etwas zerknirscht. „Ich hatte damals die Patenschaft für so viele Spatzenvögel übernommen, da hab’ ich wohl etwas den Überblick verloren.“ Er hoffe, dass die Sache ein gutes Ende nehme und sei auch bereit, zu vermitteln oder ein finanzielles Scherflein beizutragen.

Ob und wenn ja wann Rainer Laepple den Spatzen an Of übergeben wird, war gestern nicht zu klären. Der Geschäftsführer des auf Brillendesign spezialisierten Unternehmens machte am Morgen den Abflug nach Kanada, um dort einen vierwöchigen Urlaub anzutreten. Sein Sohn Paul van der Drift, der derzeit die Geschäfte führt, sagte, Of solle sich per E-Mail bei Laepple melden. Dann werde man alles besprechen.

Wann und wo der Spatz landet, bleibt also noch in der Schwebe.

Scharf auf den Vogel

Anfragen Einen Vogel wollen sie alle haben – im Garten, auf dem Dach, vor der Tür. Auszüge aus E-Mails, die uns gestern erreichten.

Seniorenresidenz  „Sie schreiben, Herr Spatz sei in die Jahre gekommen? Kein Problem. Bei uns in der Friedrichsau erwartet ihn seniorengerechtes Wohnen mit viel Service.“

Andrea J. „Als traditionelle Anlaufstelle für verlassene , kranke und verletzte Vögel würden wir den armen Kerl selbstverständlich bei uns aufnehmen. Wir würden ihn so weit wie möglich in unserem Garten gesundpflegen.“

Christa B. „Bitte lassen Sie mich wissen, was ich für den Spatzen tun kann.“

Birgit M. „Sehr gerne bieten wir dem Ulmer Spatz Asyl. Wir haben einen ganz besonders schönen Platz für ihn auf unserem Garagendach.“

Hilde A. „Er hat uns schon immer gefallen, leider war es vor Jahren aus Kostengründen nicht möglich, ihn zu erstehen. Vielleicht haben wir jetzt ja Glück.“

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