JAKOB RESCH  Uhr

Z um Schluss standen die Macher so richtig unter Strom. Viele Fragezeichen gab es zu Bau und Finanzierung der Straßenbahnlinie 2. Zuschusszusagen ließen auf sich warten, die Fortschreibung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes stand in den Sternen. Das Zeitkorsett wurde immer enger, die Stadtwerke als Bauherr entschieden, beide Streckenarme - auf den Eselsberg und den Kuhberg - gleichzeitig in Angriff zu nehmen. Dann wurde die Sache geerdet, und so heißt es jetzt auf breiter Front: Bahn frei für die Bauarbeiten.

Nach der Zusage von Bund und Land, das Projekt zu fördern, konnten die Stadträte sieben Jahre, nachdem es aufs Gleis gesetzt worden ist, den Baubeschluss fällen. 192 Millionen Euro kostet diese Strecke. Bei der Stadt bleiben davon 86 Millionen hängen, dafür hat sie längst ein oft apostrophiertes "Sparbuch" angelegt; noch mal 33 Millionen kommen für Straßenbahnwagen hinzu.

An die Arbeit ging es mit den Vorbereitungen zum Bau der Kienlesbergbrücke zum Eselsberg hinüber - markantester Baustein der neuen Trasse. Damit ging auch eine erste Straßensperrung einher. Dann fielen die ersten Bäume für die neue Haltestelle vor dem Theater. Und die Ulmer bekamen einen unschönen Vorgeschmack darauf, was sie an Belastungen in den kommenden drei Jahren alles so erwartet. So sind wohlweislich auch zwei eigene Baustellenbeauftragte im Dienst, die Ärger abfedern sollen - ein Novum für Ulm. Ingo Wortmann, Chef der Verkehrsbetriebe bei den Stadtwerken, blieb dazu beim offiziellen Spatenstich auf der späteren Wendeschleife am Kuhberg denn auch nur zu sagen: "In zwei bis drei Jahren wird alles sehr schön sein."

Ansonsten ging der Blick schon darüber hinaus. Für Ulm ist diese zweite Straßenbahnlinie nämlich mehr als nur eine Verkehrsachse. Oberbürgermeister Ivo Gönner sieht in ihr einen notwendigen Bestandteil der wachsenden Stadt. Sie verbindet das Bildungszentrum auf dem Kuhberg mit dem Forschungszentrum auf dem Eselsberg und bindet dabei bestehende Wohn- wie Entwicklungsgebiete an, samt Citybahnhof und Sedelhöfe in der Innenstadt. 20 000 Menschen profitieren davon direkt.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann dachte beim Spatenstich derweil vernetzend noch weiter: "Wir brauchen weitere Mittel für Projekte wie die Ulmer Regio-S-Bahn."