Ulm Spaßbäder voller Nichtschwimmer

Hauptsache Spaß: Wer rutscht, der muss nicht unbedingt schwimmen können.
Hauptsache Spaß: Wer rutscht, der muss nicht unbedingt schwimmen können. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / HANS-ULI THIERER 30.12.2013
Immer weniger Kinder können schwimmen. Kaum zu glauben, aber wahr: Ein Grund dafür liegt in der Zunahme an Spaßbädern.

Wie effizient ist der Schwimmunterricht an unseren Schulen? Erik Wischmann, Ulmer Stadtrat der FDP, wirft den ökonomischen Blick auf das Problem. Dieses bringt Gerhard Semler in einem schlichten Satz auf den Punkt: „Immer weniger Kinder können schwimmen.“ Diese Erkenntnis gilt landauf, landab – und auch in Ulm.

Als Chef der städtischen Abteilung Bildung und Sport so was wie der Ulmer Oberbademeister findet Semler eine von mehreren Erklärungen darin, dass vor Bildschirmen und an Spielekonsolen aufwachsende Kinder eine zunehmende Abneigung gegen jede Art von Bewegung entwickeln, weil sie zu selten dazu animiert werden.

Ein zweiter, auf den ersten Blick absurd anmutender Grund: Alles rennt heutzutage in die vielerorts entstandenen Spaßbäder. Dort aber tollen sich die lieben Kleinen zwar stundenlang im 28 Grad warmen, allenfalls brusthohen Wellenbad oder scheuern sich auf kurvigen Abenteuerrutschen die Badehosen durch. Schwimmen aber ist nicht, hat Semler auch im Ulmer Freizeitbad Wonnemar festgestellt. Dort existiert hinten rechts zwar ein stinknormales Schwimmerbecken, in dem aber eher Herz- und Kreislaufkranke ihre stillen Bahnen ziehen, denn dass Kinder darin schwömmen.

Nicht vorangebracht hat das Kinderschwimmen bisher auch die Einführung eines Frauenbadetags im Ulmer Westbad. Er ist ja nicht zuletzt gedacht für Frauen muslimischen Glaubens, die ihren Kindern deswegen aber auch nicht vermehrt das Schwimmen beibringen. Erkenntnis der Stadtoberen jedenfalls: Anteil nichtschwimmender Kinder mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich hoch.

Im schulischen Schwimmunterricht, und somit kehren wir zur Anmerkung des liberalen Stadtrats Wischmann zurück, wirkt sich erschwerend aus, dass der Sportlehrer nicht ins Becken darf, um bei Schwimmübungen behilflich zu sein. „Er muss am Rand Aufsicht führen“, berichtet Semler. Damit Ulmer Schülern das Schwimmen dennoch hautnah beigebracht werden kann, hat die Stadt mit der DLRG ein Konzept entwickelt, das sie sich etliche zehntausend Euro im Jahr kosten lässt. Sie finanziert damit Mitglieder der Lebensrettungsgesellschaft, die den Kindern im Wasser zeigen, wie Schwimmen geht.