Finanzen Sparkasse Ulm verzeichnet Wachstum

Ulm / Julia Kling 07.07.2018

Haben wir das Hoch bereits erlebt?“ fragte Stefan Bill, seit April Chef der Sparkasse Ulm, zu Beginn der Präsentation seiner ersten Bilanz. Der Ifo-Geschäftsklima-Index verzeichne zumindest im laufenden Jahr einen erkennbaren Rückgang. Die anhaltende Niedrigzinsphase belaste die Unternehmen zunehmend. „Ein Zinsanstieg ist für die deutsche Wirtschaft überfällig.“ Von Seiten der Europäischen Zentralbank gebe es jedoch noch keine Anzeichen, dass dieser Schritt in absehbarer Zukunft vollzogen werde.

Gerade wegen der fehlenden Zinsen sei es für die Kunden umso wichtiger, in dieser Zeit zu sparen. „Sie müssen mehr denn je sparen“, betonte Bill. „Das Dilemma ist, dass die Kunden im Rahmen der privaten Altersvorsorge heute höhere Beträge sparen müssen, um im Ruhestand das gleiche Absicherungsniveau zu haben.“

Um zumindest die Inflation, die derzeit knapp unter zwei Prozent liege, zu kompensieren, führe kein Weg am Aktiengeschäft vorbei. „Wir sollten eine Wertpapierkultur entwickeln.“ Die Kunden der Sparkasse Ulm scheinen diesen Rat bereits beherzigt zu haben. Im vergangenen Jahr stieg der Wertpapierumsatz beim Kreditinstitut um knapp 45 Prozent. Der große Zuwachs erkläre sich auch durch das relativ niedrige Ausgangsniveau. „Zudem zahlen die Kunden zunehmend  keine Einmalbeträge mehr ein, sondern sparen regelmäßig mit kleinen Beträgen“, erklärte Vorstandsmitglied Wolfgang Hach.

Trotz der Belastungen durch die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank kann die Sparkasse Ulm für das abgelaufene Geschäftsjahr ein Rekordergebnis vermelden. Die Bilanzsumme wuchs auf über sechs Milliarden Euro. „Das ist ein ordentliches und bodenständiges Wachstum“, konstatierte Bill.

Geringere Erträge erwartet

„In Summe haben wir ein langweiliges, aber nachhaltiges Geschäftsmodell, das auf der Verankerung im Regionalen beruht.“ Die Aufgabe des regionalen Kreditinstituts sei es, die Wirtschaft und die Kunden zu kennen und abzuwägen, wo das ausgeliehene Geld auch wieder zurückkommt.

Für das laufende Jahr rechnet Bill aufgrund der derzeitigen geopolitischen Situation mit geringeren Erträgen. „Aber wir sind weit entfernt von dem Tiefpunkt von 2016.“ Für den Sparer bleibe die Realrendite weiter negativ. Zudem mache sich nun bemerkbar, dass langlaufende Bankdarlehen auslaufen und von Darlehen mit niedrigeren Zinssätzen abgelöst werden. „Das wirkt sich aus.“ So müsse die Sparkasse in den kommenden Jahren mit rückläufigen Ergebnissen rechnen. Am angespannten Immobilienmarkt sei bislang keine Entspannung abzusehen. „Der Engpassfaktor ist das geringe Angebot.“

Um der fortschreitenden Digitalisierung Rechnung zu tragen, baut die Sparkasse in den kommenden Monaten ihr Angebot an Online-Diensten weiter aus. So soll etwa im August das Bezahlen per Smartphone eingeführt und die Möglichkeit zur Echtzeitüberweisung geschaffen werden. „Wir machen die Dinge, die der Kunde von uns erwartet“, sagte Bill. Dazu gehöre es auch, weiter mit Filialen in der Fläche präsent zu bleiben.

Kennzahlen der Sparkasse 2017

Bilanz Die Sparkasse Ulm verfügt über eine Bilanzsumme von knappp 6,1 Milliarden Euro (plus 3,9 Prozent). Die Steuersumme sank leicht von knapp 14 Millionen Euro auf 13,5 Millionen. Die Kundeneinlagen sanken um 0,4 Prozent auf 4,57 Milliarden Euro. Grund sei die Weitergabe von Minuszinsen an Großkunden, worauf diese teils Beträge verlagerten. Kredite 3,97 Milliarden Euro (plus 3,5 Prozent). Wertpapierumsatz 632,9 Millionen Euro (plus 46 Prozent). Zinsüberschuss 113,8 Millionen Euro. Bilanzgewinn 8 Millionen Euro.

Präsenz Die Sparkasse Ulm beschäftigte zum Jahresende 1109 Mitarbeiter, 59 weniger als 2016 – und 57 Auszubildende, 30 weniger. Das Kreditinstitut unterhält insgesamt 71 Geschäftsstellen und 14 Selbstbedienungseinheiten.

Kontakt Im vergangenen Jahr erhielt das Kreditinstitut 14 000 Mails von Kunden und war rund 3100 mal per Chat mit ihnen im Kontakt.

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