Banken Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen schließt acht Filialen

Sparkassen- Vorstandschef Dr. Armin Brugger: Alle Banken haben ganz ähnliche Probleme.
Sparkassen- Vorstandschef Dr. Armin Brugger: Alle Banken haben ganz ähnliche Probleme. © Foto: Sparkasse
Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 14.06.2016
Die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen wird zum 1. Oktober dieses Jahres im gesamten Landkreis acht Filialen schließen. Dies sei nicht der Fusion mit Günzburg geschuldet, heißt es. <i>Mit einem Kommentar von Edwin Ruschitzka: Arme neue Welt.</i>

Die Botschaft wurde am gestrigen Montag per Info-Zeitung „Finanzexpress“ an die Kunden weitergegeben: Die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen wird zum 1. Oktober dieses Jahres gleich acht Filialen auf einen Schlag schließen. Betroffen sind die Neu-Ulmer Stadtteile Burlafingen und Schwaighofen sowie im Landkreis Neu-Ulm die Stadtteile oder Gemeinden Illerberg, Kellmünz, Obenhausen, Roggenburg, Unterelchingen und Wullenstetten. Die Beratung vor Ort wird Ende September eingestellt, was bleibt, sind die vorhandenen Selbstbedienungsstellen, also die Automaten.

Wie die Sparkassen-Vorstände Dr. Armin Brugger, Dr. Thomas Goldschmidt und Günther Dietrich der SÜDWEST PRESSE gegenüber am Montag erklärt haben, seien die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den betroffenen Filialen schon Ende Mai informiert worden. Auch die Bürgermeister vor Ort seien in Kenntnis gesetzt worden. „Keinem einzigen Beschäftigten wird deshalb gekündigt, wir haben für jeden Einzelnen eine neue Verwendung gefunden und entsprechende Pläne ausgearbeitet“, sagte der Vorstandsvorsitzende Brugger. Was nicht bedeutet, dass auf lange Sicht nicht doch Personal eingespart wird. Laut Brugger sollen es „im Laufe der Zeit“ zwölf Vollzeitstellen sein, die per Fluktuation wegfallen, also per Rente oder per Altersteilzeitregelungen. Unter dem Strich schätzt Brugger das Einsparpotential auf   mehrere hunderttausend Euro. Brugger: „Der gesamte Spareffekt tritt aber nicht sofort ein.“

Von den Örtlichkeiten, in denen sich die Filialen befinden, sind fünf angemietet. Drei befinden sich im Eigentum der Sparkasse. Was mit letzteren geschehen soll, stehe noch nicht fest, die Räume könnten entweder anderweitig vermietet oder auch verkauft werden.

Einer Vermutung widersprachen die Sparkassen-Vorstände am Montag vehement: Die Schließung der Filialen habe absolut nichts mit der geplanten Fusion der Sparkassen Neu-Ulm/Illertissen sowie Günzburg/Krumbach zu tun und sie komme für die Beteiligten auch nicht völlig überraschend. An den neuen Strukturen arbeite die Sparkasse schon seit geraumer Zeit. Überhaupt hätten alle Banken landauf, landab ganz ähnliche Strukturprobleme und müssten Filialen zusammenfassen oder ganz schließen.

Indes: Nach der Schließung der acht Filialen im Landkreis Neu-Ulm verfügten die beiden Sparkassen Neu-Ulm/Illertissen und Günburg/Krumbach über ein ähnliches Filialnetz. Brugger: „Wir haben 18 Filialen, Günzburg 17.“ Die Claims der beiden Fusionskandidaten, so Brugger, seien ähnlich groß und klar abgesteckt. Man werde sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Was die bankenfachlichen Themen betrifft, soll das von beiden Sparkassen ausgearbeitete Fusionskonzept in den nächsten vier bis sechs Wochen vorliegen. „Dann regeln die Eigentümer die Dinge.“ Gemeint sind damit die beteiligten Städte und die Landkreise. Auf ein Datum, an dem  die Fusion formell über die Bühne gehen könne, wollte sich Brugger nicht festlegen lassen. In den politischen Gremien wird davon augegangen, dass dies schon zu Beginn des neuen Jahres sein könnte.

Was den Service vor Ort, vor allem aber in den Orten ohne Filiale betrifft, verweist die Sparkasse auf ihr Telefon-Servicecenter, das unter (0731) 709-0 an sieben Tagen rund um die Uhr erreichbar sei. Man werde nicht an ein Callcenter verwiesen sondern direkt zur Sparkassenzentrale in Neu-Ulm. Über diese Nummer könne man auch Beratungsgespräche und einen Bestellservice vereinbaren, sogar den Besuch eines Sparkassen-Mitarbeiters zu Hause.

Die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen in Zahlen

Das Filialnetz Neben der Zentrale im neuen  Brückenhaus in Neu-Ulm verfügt die Sparkasse künftig noch über 17 Filialen – davon nach Alphabet geordnet vier in den Neu-Ulmer Stadtteilen Ludwigsfeld, Offenhausen, Pfuhl und im Wiley, dazu 13 in den Landkreis-Städten und Gemeinden Altenstadt, Au, Ay, Bellenberg, Buch, Illertissen, Nersingen, Pfaffenhofen, Senden, Thalfingen (diese Filiale soll zudem ausgebaut werden), Tiefenbach, Vöhringen und Weißenhorn. Zum Vergleich: Die Sparkasse Günzburg/Krumbach hat vier Filialen Anfang des Jahres geschlossen und verfügt nun über die Zentrale  und weitere 16 Filialen.

Mitarbeiter In Neu-Ulm sind es 415 Mitarbeiter (davon 249 in Vollzeit und 27 Auszubildende), in Günzburg 364 Mitarbeiter (215 in Vollzeit, 25 Auszubildende).

 

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka: Arme neue Welt

Mag sein, dass alle Banken und Sparkassen vor ähnlichen Problemen stehen, also gezwungen sind, Gebühren zu erhöhen, Filialen zu schließen und Personal abbauen zu müssen, um wettbewerbsfähig zu sein. Beide Sparkassen betonen, dass dies nichts mit der Fusion zu tun hat.

Auffällig ist aber: Beide haben sich, was die Zahl ihrer Filialen betrifft, auf das fast gleiche Niveau begeben: 18 Filialen in Neu-Ulm, 17 in Günzburg. Das sicher auch deshalb, weil man weiter auf Augenhöhe unter der Prämisse vergleichbarer Standards verhandeln will. Diese sollen in spätestens sechs Wochen vorliegen. Dann ist die Politik gefragt, die der Hochzeit zustimmen muss. Noch vor dem 1. Januar könnte das Brautpaar dann vor den Traualter treten.

Das alles wird die Menschen, die von der Schließung betroffen sind, nur am Rande interessieren. Sie verlieren den Service vor Ort, den Kontakt, zuweilen auch das liebgewonnene Gespräch mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, was vor allem für ältere Kunden gilt. Automaten ersetzen das nicht.

Das aber spielt in der von Zahlen dominierten Wirtschaftswelt keine Rolle. Das mag man beklagen, kann es aber nicht ändern. Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass das Online-Banking immer stärker um sich greift, gerade bei Jüngeren. Mit den Bankfilialen wird es bald so sein wie mit den Telefonhäuschen. Sie werden angesichts der Handy-Flut nicht mehr gebraucht. Irgendwann folgen Geldscheine und Münzen. Arme neue Welt!