Neu-Ulm / FRANK KÖNIG, EDWIN RUSCHITZKA  Uhr
Auf bayerisch-schwäbischer Seite beginnen Gespräche zu einer Fusion der Sparkassen Neu-Ulm und Günzburg. Sie könnte regionalpolitisch sinnvoll sein. Mit einem Kommentar von Frank König: Regionaler Schachzug.
In die regionale Sparkassen-Landschaft kommt völlig überraschend Bewegung. Auf bayerisch-schwäbischer Seite sondieren die zwei Sparkassen Neu-Ulm/Illertissen und Günzburg-Krumbach die Möglichkeiten für eine Kooperation beziehungsweise Fusion. Das bestätigte der Neu-Ulmer Verwaltungsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Gerold Noerenberg. Wegen der Niedrigzinsphase und Digitalisierung stünden filialisierte Banken vor großen Herausforderungen.

Der OB: Vor dem Hintergrund fusionierten schließlich auch die beiden namhaften VR-Banken im Landkreis Neu-Ulm. Auch die Bankenaufsicht habe die Schwierigkeiten filialisierter Kreditinstitute erkannt, deren Zinsüberschüsse im Zuge der von der EZB verordneten Nullzinspolitik dahinschwinden. Aus Sicht Noerenbergs hat sich die Sparkasse Neu-Ulm freilich auch mit dem Brückenhaus „fit für die Zukunft“ gemacht, so dass die Gespräche mit der Sparkasse Günzburg nicht auf Druck stattfinden. Der Verwaltungsrat habe den Vorstand beauftragt, den Gesprächsfaden aufzunehmen.

Falls es später auf eine Verschmelzung hinausläuft, wäre dies für Noerenberg auf alle Fälle ein „Zusammenschluss unter Gleichen“. Beide Sparkassen haben in etwa dieselbe Größenordnung: mit einer Bilanzsumme von jeweils knapp zwei Milliarden Euro und mehr als 400 Mitarbeitern. Der OB machte deutlich, dass eine Fusion unter Sparkassen durchaus gängige Praxis sei. Er erinnerte daran, dass es um den Jahrtausendwechsel auch schon grenzüberschreitende Verhandlungen mit der Sparkasse Ulm gegeben hatte.

Noerenberg stellte klar, dass es bei einer Zusammenlegung der beiden Sparkassen und ihrer Verwaltungen keine Kündigungen geben soll, sondern Personal im Zuge der natürlichen Fluktuation abgebaut werden könnte. Die Belegschaften wurden bei Personalversammlungen über die Pläne informiert.

Ursache für die Sondierungsgespräche war anscheinend das eindeutige Signal der Sparkasse Günzburg, stärker mit der Sparkasse Allgäu mit Sitz in Kempten zusammenzuarbeiten. Die Folge daraus: Neu-Ulm wäre in der bayerisch-schwäbischen Sparkassen-Landschaft isoliert gewesen. Daher mussten die Verantwortlichen in Neu-Ulm auf Günzburg zugehen. Aus informierten Kreisen heißt es, vom Zuschnitt mache eine Kooperation zwischen Neu-Ulm/Illertissen und Günzburg-Krumbach mehr Sinn. Somit sei der Auftrag an die Sparkassenvorstände gegangen, über das Thema Kooperation/Fusion zu sprechen.

 

Ein Kommentar von Frank König: Regionaler Schachzug

Unerwartet, aber bestimmt nicht unmöglich: die nun angepeilte Fusion der tendenziell gleichgelagerten Sparkassen Neu-Ulm und Günzburg. Das neue Projekt könnte sich mit Blick auf den in der Nullzinsphase entstehenden Konsolidierungsdruck auf die Kreditbranche sogar noch als gelungener Schachzug herausstellen: Die Neu-Ulmer Seite reserviert sich zunächst einen Fusionspartner, der schon ins Allgäu abzuwandern drohte. Dann hätte es für Vorstandschef Armin Brugger wenig andere Partner auf Augenhöhe gegeben. Die Sparkasse Ulm ist etwa dreimal so groß, und ein grenzüberschreitender Fusionsplan ist schon einmal gescheitert.

Die vom Verwaltungsrat angestoßenen Sondierungsgespräche offenbaren natürlich das ganze Dilemma, in das filialisierte Kreditinstitute mit ihrem Kostenapparat angesichts der EZB-Politik geraten. Sie wollen und müssen einerseits in der Fläche präsent bleiben, erzielen dafür jedoch nicht mehr die erforderlichen Zinseinnahmen und können im Prinzip nur bei den Verwaltungskosten im Back Office sparen: durch entsprechende Zusammenlegungen.

In Neu-Ulm machen nun auch die örtliche Volksbank und die VR-Bank in Weißenhorn vor, wie man in einer solchen Lage eine Fusion umsetzt. Dabei sollten auch die Sparkassen genügend Speck auf den Rippen haben, um einen Personalabbau nur über die Fluktuation zu bewerkstelligen. Die Stellen und auch ein Stück weit Nähe gehen allerdings unwiederbringlich verloren.