Spannender sinfonischer Klangmix

Ausgesprochene Spielfreude bewies der Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm unter der Leitung von Dirigent Michael Eberhardt. Foto: Volkmar Könneke
Ausgesprochene Spielfreude bewies der Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm unter der Leitung von Dirigent Michael Eberhardt. Foto: Volkmar Könneke
MARINA STAIGER 06.05.2013
Mit Bravour absolvierte der Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm jetzt die Uraufführung von Günter Buhles Werk "Miniaturen für Orchester".

Günter Buhles, Ulmer Komponist mit einem Hang zur experimentellen Komposition, konnte zufrieden sein. Die Musiker des Orchestervereins unter der präzisen und umsichtigen Leitung von Dirigent Michael Eberhardt meisterten die Uraufführung von Buhles sinfonischem Werk "Miniaturen für Orchester" op.62 (2011/2012) hochkonzentriert mit ausgesprochener Spielfreude. Fokussiert auf exakte Einsätze, präzise umgesetzte komplexe Rhythmen und einen gut ausgewogenen Klang-Mix von großer Bläsergruppe, Streichern und umfangreichem Schlagwerk gerieten die fünf Sätze der 20-minütigen Hommage an Paul Hindemith zu einem spannenden Hörerlebnis. Man kann sich gut vorstellen, dass die trotz freier Tonalität eingängige Komposition einen festen Platz in der zeitgenössischen Orchestermusik erhalten wird.

Großen Beifall zollte das sachkundige Publikum nicht nur der geglückten Uraufführung und dem anwesenden Komponisten, sondern auch dem musikalischen Star des Abends, Valerij Petasch. Der Pianist, technisch ganz der strengen russischen Schule verpflichtet, erhielt seine Konzertausbildung am berühmten Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau.

Seit dem Jahr 2000 durch einen Lehrauftrag mit der Münsterstadt verbunden, brachte Petasch eine eher ruhige, besonnene Interpretation des passagenweise sehr feurigen Konzerts für Klavier und Orchester a-moll (op.16) von Edvard Grieg. Technisch beeindruckend versiert, nutzte Petasch den Nuancen-Reichtum des Steinway-Konzertflügels, um in tiefste Oktaven kraftvoll hinabzusteigen und als Kontrast in extrem hohen Lagen Triller-Kaskaden zu inszenieren - verbunden durch wunderbar weiche auf- und absteigende Arpeggien.

Begeisterten Applaus gab es für Petaschs Zugabe, die Eigenkomposition "Zug der Kraniche". Dabei hielt der Pianist, stark seriell arbeitend, durch geschickt gesetzte Tonrepetitionen die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Befreit vom vorgegebenen Klavierpart, spielte sich der Pianist herrlich frei und versank in seine Welt der Klänge. Eingerahmt wurden die beiden Glanzstücke von großer sinfonischer Musik, die das Orchester mit bestechender Präzision und großem Schwung brachte.

Was für eine Wonne, dem Paukisten bei Verdis Ouvertüre zur Oper "La Forza des Destino" und bei George Enescus Rumänischer Rhapsodie Nr. 2 op. 11 bei seinen Trommelwirbeln zuzuhören. Was für ein Hörerlebnis, drei lange Reihen Celli und vier Kontrabässe einen Ostinato zupfen zu hören. Ein anspruchsvolles Programm für ein Laien-Orchester, das nach zwei Stunden sinfonischer Musik seine Konzertbesucher in beschwingter Zufriedenheit entließ.

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