Ulm Spannende Sprachakrobatik vor ausverkaufem Haus

CHRISTOPH A. SCHMIDBERGER 12.09.2016
Das war erste Poetry Slam im Roxy nach der Sommerpause – wieder einmal spannende Sprachakrobatik vor ausverkauftem Haus. Angetreten waren neun Poetinnen und Poeten

Es war der erste Poetry Slam im Roxy nach der Sommerpause – und wieder war spannende Sprachakrobatik in einem ausverkauftem Haus zu erleben. Angetreten waren diesmal neun Poetinnen und Poeten aus Deutschland und der Schweiz, Szenegrößen darunter, aber wie im Fall des Ulmer Slammers Benjamin Eckert auch ein Debütant auf der Slammer-Bühne. Wie der Stuttgarter Marcel Henning war Eckert über die so genannte Offene Liste angetreten. Eine Chance, die gerade Ulmer Poeten leider viel zu wenig nutzten, wie Organisator Ko Bylanzky beklagte, der mit Dana Hoffmann durch den Abend führte.

Eckert und Henning konnten durchaus mit nachdenklichen Texten überzeugen. So sinnierte Eckert in „Alles eine Frage der Einstellung“ über die Unausweichlichkeit des Todes und die sich daraus ergebende Aufforderung, das Leben in jedem Augenblick zu genießen. Allerdings müssen die zwei eine Sache erst lernen: Nur wer auch die Lacher auf seiner Seite hat, kommt weiter!

Eine Erfahrung, die geübte Slammer wie die sächsische Landesmeisterin 2014, Leonie Warnke aus Leipzig, der Kabarettist und Slammer Karsten Lampe aus Berlin und Valerio Moser aus Langenthal in der Schweiz längst beherzigen. Während Warnke mit dem die Sorgen und Nöte junger Frauen relativierenden Text „Wahre Schönheit kommt von außen“ eindeutig die erste Runde für sich gewinnen konnte, hatte das Publikum in der zweiten Runde die Qual der Wahl zwischen Lampe und Moser. Lampe, der auf ZDF-Kultur zu sehen war, eroberte mit seinem „klausurrelevanten“ Text „Ich hasse euch, Studenten“ diese Zuschauer im Sturm – den sozialneidischen Griesgram mit „reichen Eltern“ kann er wirklich perfekt.

Genauso stark Moser, 2015 Gewinner der deutsprachigen Meisterschaften in Augsburg. Seine erstklassige Anarcho-Version des Kinderbuch-Klassikers „Schellen-Ursli“ in der schwyzerdeutschen Jugendsprache katapultierte ihn zusammen mit Lampe und Warnke ins große Finale, wo er sich wegen abermaliger Unentschlossenheit des Ulmer Publikums mit Lampe den ersten Platz teilen durfte.