Sinfonietta Spätromantische Bläser-Show

Ulm / Jürgen Kanold 12.07.2018

Ein rot-weißes Absperrband trennt die Zuschauerreihen vom Orchester am Altar, aber eine Baustelle ist die Sinfonietta Ulm natürlich nicht. Im Gegenteil. Dem Dirigenten Christoph Kächele ist es einmal mehr gelungen, mit seinen jungen Musikern ein hervorragendes Programm einzustudieren und aufzuführen. Wobei einige Ehemalige und auch Gastmusiker jetzt in der Martin­-Luther-Kirche dabei waren. Yannick Sartorelli am Kontrabass verkörpert quasi beide Typen: Er hat als Schüler in der Sinfonietta angefangen und spielt nach dem Studium jetzt als Profi im Philharmonischen Orchester der  Stadt Ulm. Keine untypische Karriere, was die Klasse dieses schon bundesweit ausgezeichneten Orchesters des Humboldt-Gymnasiums und der Musikschule der Stadt Ulm unterstreicht.

Viel Potenzial haben auch Iván Thern und Maris Kuhn. Sie waren die Solisten des Konzertabends, den die Sinfonietta dem Andenken eines in der vergangenen Woche tödlich verunglückten Mitschülers widmeten. Iván Thern spielte sehr souverän, ja erwachsen ausdrucksvoll auf der Trompete ein Konzert aus der Barockzeit, ein Werk des böhmischen Komponisten Johann Baptist Neruda (der auch Mitglied der Dresdner Hofkapelle gewesen war). Maris Kuhn wiederum präsentierte fein das Concertino für Flöte und Orchester von Cécile Chaminade (1857-1944) mit seiner wunderschönen Melodie.

Soli für Flöte und Trompete

Die Flötistinnen der Sinfonietta hatten überhaupt viel zu tun in diesem Programm, denn Claude Debussys Tondichtung „Prélude à l’après-midi d’un faune“ bildete den Auftakt. Ein schweres Stück, eine mutige Wahl, aber Kächele gelang es mit klarer Klangentwicklung und -schichtung, sein Orchester für den Impressionismus zu gewinnen.

Kächele ist ein großer Liebhaber und Kenner der Musik von Johannes Brahms – die Sinfonietta glänzte schon mehrfach mit Sinfonien des Spätromantikers. Sehr spannend, dass der Dirigent diesmal die wundervollen, so fantasiereich ausgestalteten „Variationen über ein Thema von Joseph Haydn“ ausgewählt hatte. Ja, und die Bläser müssen in diesem Werk Schwerstarbeit leisten. Sie taten es vorzüglich, klar, farbenvoll. Die Streicher ließen die Klänge nicht weniger blühen. Begeisterter Applaus.

Info Das Konzert erklingt heute, 19.30 Uhr, noch einmal in der Luther-Kirche.

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