Ulm Sozialplan kommt nicht an

Ulm / CHRISTOPH MAYER 05.03.2013
Auf einer Betriebsversammlung sind am Dienstagnachmittag die von der Kündigung bedrohten RKU-Mitarbeiter über den Sozialplan informiert worden. Einige übten scharfe Kritik, andere haben resigniert.

Der zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung des RKU ausgehandelte Sozialplan zur Abfindung von 60 vor der Entlassung stehenden Mitarbeitern stößt bei zahlreichen Betroffenen auf Kritik. Das wurde am Dienstag nach einer Betriebsversammlung im RKU deutlich, in der die Noch-Beschäftigten vom Betriebsratsvorsitzenden Edwin Zell und RKU-Geschäftsführer Dr. Uwe Gretscher über Details informiert wurden. Zwar sei es bei der Versammlung emotional zugegangen, berichteten Teilnehmer. Die Mehrheit habe aber gefasst reagiert.

Die Geschäftsführung zahlt jedem Gekündigten 1,13 Monatsgehälter Abfindung pro Beschäftigungsjahr – in der Summe 1,8 Millionen Euro. Wer schwerbehindert ist oder Kinder hat, bekommt noch etwas drauf.

Die Kündigungen für die verbliebenen 60 Mitarbeiter aus Küche, Service, Cafeteria, Hauswirtschaft und Haustechnik sollen im Laufe des Monats März herausgehen. Zum 1. Juli werden die Leistungen dann an die Sana-Tochter DGS outgesourct – so will das RKU jährlich 800.000 Euro einsparen. Mitarbeiter mit sechsmonatiger Kündigungsfrist werden bis zum 30. September freigestellt.

Vor allem ältere RKUler können dem Sozialplan wenig abgewinnen. Da ist etwa die 60-Jährige – sie will wie ihre Kollegen anonym bleiben – die weiß, „dass mir mittelfristig nur Hartz IV bleibt“. Zwar bekommt sie nun zwei Jahre Arbeitslosengeld, „aber danach werde ich kaum mehr vermittelbar sein“. Und wenn sie die Abfindung bis dahin nicht aufgebrauchte habe, werde ihr der Rest womöglich noch auf die Hartz-Leistungen angerechnet.

Da ist die bald 63-Jährige, die ab September zwei Jahre Arbeitslosengeld bekommt, das RKU zahlt ihr für 24 Monate die Differenz auf den aktuellen Lohn drauf. Danach geht sie in Rente – ohne Abfindung. „Ich will das nicht akzeptieren.“

Da ist die Mitarbeiterin, die sauer ist, dass nicht mal mehr die Schwerbehinderten weiterbeschäftigt werden. „Erst bilden wir sie aus, dann schmeißen wir sie raus.“ Die Tradition im RKU sei einmal eine andere gewesen. „Mittlerweile geht man hier eiskalt mit den Leuten um.“

Da ist die 25-jährige Hauswirtschaftlerin, die schon resigniert hat. „Ich weiß gar nicht, wo ich mich bewerben soll, die Hauswirtschaft stirbt ja sowieso aus“, sagt die junge Frau die im Juli arbeitslos wird und noch bei ihrer Mutter lebt. Auch die Mutter, woanders beschäftigt, ist gerade arbeitslos geworden.

Freilich könnten einige Mitarbeiter auch bei der DGS unterkommen, so sie sich bewerben. Doch die Tochterfirma zahlt schlechter – statt 12,80 gibt es nur 9,50 Euro die Stunde, kein Weihnachtsgeld, weniger Urlaub und eine höhere Wochenarbeitszeit.

Auch Betriebsratschef Edwin Zell räumt ein, dass man den Sozialplan nicht als Erfolg bezeichnen könne. Die 1,8 Millionen Euro an Abfindung seien das Maximum gewesen, das man habe herausholen können. Das eigentliche Ziel, die Mitarbeiter zu halten, sei verfehlt worden. Zudem gelte der Interessensausgleich nicht für die etwa 15 bereits ausgeschiedenen Mitarbeiter.

„Nach wie vor halten wir die Auslagerungen und Kündigungen für einen großen Skandal“, sagt Zell. Denn das RKU schreibe im Gegensatz zu vielen anderen Krankenhäusern seit Jahrzehnten schwarze Zahlen. „Trotzdem leistet es sich den größten Stellenabbau in der Region.“