Insgesamt wohnen 16 000 Menschen in Wiblingen – dem drittgrößten Ulmer Stadtteil. „Im Vergleich zur Gesamtstadt leben hier mehr Kinder und Jugendliche und mehr Menschen über 60 Jahre“, sagte nun Sozialbürgermeisterin Iris Mann. Allerdings gebe es ein Problem mit Armut (siehe Infokasten).

Wie soll die Zukunft von Wiblingen gestaltet werden? Zu diesem Thema hatte der SPD-Kreisverband Ulm zu einem Stadtgespräch mit der Bürgermeisterin ins Seniorenzentrum Kapellenstraße eingeladen. „Wir wissen, dass es in Wiblingen Handlungsfelder gibt“, sagte dabei Kreisvorsitzender Martin Ansbacher. „Wir wollen gute Pläne für die Zukunft schmieden.“

Wohnraum stark nachgefragt

Eine breite Palette von Wohnformen gehe von Einfamilienhäusern bis zu „Großwohnsiedlungen“ rund um den Tannenplatz. „Dort gibt es ein Zusammenleben vieler Kulturen. Sie sind aber auch Ressource für bezahlbaren Wohnraum.“ Und der sei wie überall im Großraum auch in Wiblingen stark nachgefragt.

Viel Positives habe der Stadtteil zu bieten, sagte Mann: Gute Radwege, viel Grün, eine gute Infrastruktur in Sachen Sport, Bildung und Gesundheit, ein ausgeprägtes Vereinsleben. „Unser Ziel ist es, die sozialen Ressourcen und Strukturen zu verknüpfen und auszubauen.“ Vereine sollen besser unterstützt und Treffpunkte ermöglicht werden. „Wir wollen für die Menschen Freiräume schaffen, um Ideen und Stärken einbringen zu können.“

In der „Regionalen Planungsgruppe Wiblingen“ (RPG) könnten sich Bürger schon heute für ihre Interessen und Ziele einsetzen. Neu sei das Projekt „Partnerschaft für Demokratie“, ein Präventionsprogramm gegen Extremismus. Auch ein Stadtentwicklungskonzept sei auf dem Weg.

Ansbacher: „Wir müssen die sozialen Probleme vor Ort lösen, das ist die beste Antwort gegen die AfD.“ Das hohe Ergebnis der AfD in Wiblingen bei den letzten Wahlen mache ihm Sorgen. Viele Wortmeldungen gab es dann aus den Reihen der rund 70 Interessierten, die zu dem Gespräch gekommen waren. Wichtiges Thema: Wie lässt sich der Vandalismus rund um das Wiblinger Schulzentrum in den Griff bekommen? Mann: Demnächst gebe es einen Vorort-Termin. „Wir werden uns überlegen, wie wir das Problem angehen.“

Keine Video-Überwachung

Die Video-Überwachung, wie von einem Besucher vorgeschlagen, sei nur eine von mehreren Optionen. „Sie ist nicht meine erste Präferenz“, sagte Mann. Im Schulzentrum stehen ansonsten große Sanierungen bevor: Zwölf neue Klassenzimmer plus Mensa und eine neue Bibliothek sollen gebaut werden, geplant sei dies schon lange, sagte Mann.

Fehlende öffentliche Toiletten am Marktplatz trotz vieler Bäcker mit Kaffeeausschank bemängelte ein Besucher. „Der Weg zum Bürgerzentrum kann ganz schön weit sein.“ Mann: „Die Situation ist unbefriedigend.“ Die Bäcker und Supermärkte seien baurechtlich nicht verpflichtet, Toiletten vorzuhalten. Im Gespräch sei das Konzept „ Die nette Toilette“, bei dem die WCs in Restaurants oder anderen privaten Einrichtungen genutzt werden können.

Fehlende Tempo-30-Zonen, Verkehrslärm und loser Müll waren weitere Themen, die Bürger ansprachen und die von Mann mit ins Rathaus genommen werden. Ansbacher: „Wiblingen hat Potenzial, wenn Sie sich alle auf den Weg machen und den Prozess mitgestalten. Verstehen Sie sich selbst als Teil des Ortsteils.“

Viele sind von Armut betroffen


Gefahr Überdurchschnittlich viele Einwohner sind in Wiblingen von Armut betroffen oder gefährdet, sagte Iris Mann: „In manchen Gebieten doppelt so viele wie im Rest der Stadt.“