Ulm Soundtrack für das heitere Grauen

Fehlfarben-Sänger Peter Hein im Club Eden
Fehlfarben-Sänger Peter Hein im Club Eden © Foto: Udo Eberl
Ulm / UDO EBERL 15.12.2015
Fehlfarben im Club Eden, das war mehr als nur eine gelungene Zeitreise. Diese Band ist in Sachen Textkultur seit Jahrzehnten ganz weit vorne dabei.

"Davon geht die Welt nicht unter, dass man sie zerstört", singt Peter Hein und weiß, dass auch das Gros der Fehlfarben-Stücke unzerstörbar ist, selbst wenn der Frontmann zunächst noch chronisch abschweift und mit hochprozentigem Gedankenchaos glänzt. Doch da ist eine über Jahrzehnte zur starken Einheit gewachsene Band der musikalischen Individualisten, die sich auch von Spontan-Exkursen und den Improvisationsextremen des Sängers niemals aus der Bahn werfen lässt.

Spätestens zur Hälfte des Programms, das aus Stücken des topaktuellen Albums "Über. . .Menschen" sowie aus Bestsellern und Klassikern der vergangenen Dekaden besteht, wird der Grauschleier über der Stadt weggewaschen, die Truppe kommt so richtig in Fahrt und Peter Hein in die richtige Spur.

Die Schnöselmaschine läuft an, der zynisch-ironische Soundtrack für das heitere Grauen der Komfortzonen-Republik spült die Ohren frei. "Es geht voran", das große Hit-Missverständnis, wird nebensächlich beigelegt. Die Neue Deutsche Welle war nie der Heimathafen der einzigartigen Fehlfarben. Mit starker Lyrik und zeitgeistiger Offenheit waren sie stets Freischwimmer im Mainstream-Kanal, und wenn der gute, alte "Paul" ausgegraben wird, dann darf Gänsehaut durchaus im Spiel sein. Im gut gefüllten Club Eden mussten zum guten Ende zwei Zugaben-Blöcke her. Fehlfarben sollte man auch mit neuen Alben immer auf der Rechnung haben - live sowieso.