Bahn Sorgen wegen Stuttgart 21: Wird Ulm abgehängt?

Blick auf die Baustelle eines S-Bahn Tunnels zwischen dem Hauptbahnhof und Bad Cannstatt, der im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart 21 errichtet wird.
Blick auf die Baustelle eines S-Bahn Tunnels zwischen dem Hauptbahnhof und Bad Cannstatt, der im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart 21 errichtet wird. © Foto: Marijan Murat / dpa
Ulm / swp 01.12.2017
Wegen der nun bekannt gewordenen Verlängerung der Bauzeit beim Bahnprojekt Stuttgart 21 um drei Jahre befürchten vor allem die Grünen, dass der Ulmer Hauptbahnhof an Frequenz verliert.

Die Verzögerung bis 2024 und gleichzeitige Verteuerung des Bahnprojekts S 21 (wir berichteten) hat in Ulm enttäuschte Reaktionen ausgelöst. Vor allem die Grünen sehen die Gefahr, dass Ulm zumindest „teilweise abgehängt“ wird, wenn die Bahn ihren Fernverkehr dann eventuell vorrangig über Strecken wie Basel-Frankfurt und München-Erfurt  leitet. Bei der IHK Ulm  nannte ein überraschter Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle die Verzögerung um mehrere Jahre „sehr bedauerlich“. Man müsse prüfen, inwieweit die Neubaustrecke zum Stuttgarter Flughafen womöglich früher in Betrieb genommen und mit Stuttgart verknüpft werden könne.

Aus Sicht der Grünen war es klar, dass die Tunnelwände stärker als geplant werden müssen und auch der Tiefbahnhof in Stuttgart teurer wird. Nach dem Volksentscheid sei ein Abbruch allerdings keine Option mehr.

Bei einer deutlich verlängerten Neubauphase würden jedoch mehr Züge an Stuttgart und an Ulm vorbei geleitet. Auch die Querverbindung München-Würzburg-Frankfurt könne zur Regel werden und sei schon heute um 25 Minuten schneller als die Strecke, die über Ulm führt: „Ulm und in geringerem Maße Stuttgart wären dann dauerhaft abgehängt.“

Anschluss bei Wendlingen?

Es müsse daher sichergestellt werden, dass Ulm seinen ICE-Anschluss im regelmäßigen Takt behält. Zur Beschleunigung könne die Neubaustrecke bei Wendlingen als Übergang an die Neckar-Alb-Bahn angeschlossen werden. Das erfordere jedoch zusätzliche Ein- und Ausschleifungen, die bisher nicht vorgesehen seien.

Auch das Fahrgastaufkommen des Ulmer Hauptbahnhofs müsse gestärkt werden: mit der Regio-S-Bahn. Diese solle sogar „möglichst schnell und möglichst umfassend“ umgesetzt werden. Dafür sei der Einsatz aller Verantwortlichen notwendig.

Für die SPD sagte Dorothee Kühne: „Dass wir jetzt vielleicht nochmal drei Jahre warten müssen, das ist bitter.“ Sie kann die Diskussion um die Mehrkosten nicht verstehen: „Ich glaube, dass die Bevölkerung darauf wartet, dass es fertig wird. Das muss man jetzt durchziehen.“ Auch Thomas Kienle (CDU) hat vor allem einen Gedanken: „Das ist schrecklich, für uns nachteilig und schädlich.“ Man hoffe, dass „noch alles möglich gemacht wird.“

„Die Verzögerung bis 2024 ist für Ulm sehr negativ“, sagte Reinhold Eichhorn als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Ob das jetzt eine Milliarde mehr kostet – das hat man ja schon geahnt. Aber wir wollen ja auch den Hauptbahnhof herrichten.“ Jetzt wisse man nicht, wo Einsparungen kommen.

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