Die Genesung verbessern und den Patienten wieder schneller auf die Beine bringen – „Enhanced Recovery“ nennt sich eine neue Methodik, mit der die stationäre Aufenthaltsdauer verkürzt wird: und zwar von durchschnittlich zehn auf fünf bis sieben Tage. In der Orthopädischen Universitätsklinik haben Professor Dr. med. Heiko Reichel und sein Team die Konzepte zur Frühmobilisation wissenschaftlich begleitet und wesentlich mitentwickelt. Das Konzept, den Patienten nach einer Operation früher zu mobilisieren, dient ganz klar dem Wohl des Patienten und teilt sich in drei Phasen auf.
Den Patienten so früh wie möglich ins Konzept einbinden
Es geht darum, den Patienten so sicher und schonend wie möglich durch die Operation und danach wieder auf die Beine zu bringen. Dafür muss man den Patienten bereits vor der Operation, in der präoperativen Phase, in das Konzept einbinden. „Wenn der Patient gut vorbereitet in die Operation geht, wird er auch danach nicht in ein tiefes Loch fallen und entsprechend in der postoperativen Phase schneller genesen“, erklärt der Universitätsprofessor. „Früher fühlte sich der Patient nach der Operation oft richtig unwohl. Wenn er, behangen mit Schläuchen und Kathetern, manchmal gar die Schnabeltasse gereicht bekam, fühlte er sich erst recht krank“, erinnert sich Professor Reichel. „Auch wenn sich dank neuartiger Verfahren die Verweildauer in der Akutstation in der postoperativen Phase wesentlich verkürzt hat, wollen wir keinesfalls den Eindruck erwecken, dass der Patient so schnell wie möglich aus der Klinik ‚rausgeschmissen’ wird.“ Im Gegenteil. Das Patientenwohl hat oberste Priorität. Eine frühe Entlassung sei allenfalls ein positiver Nebeneffekt – „nicht das medizinische Primärziel“. Das neue Konzept „Enhanced Recovery“ schließt alles mit ein: optimale Vorbereitung, die sog. „Patientenschulung“, modernes Blut- und Schmerzmanagement, herz- und kreislaufschonende Narkoseverfahren sowie knochen- und weichteilschonendes Operieren. Zudem werden keine Katheter und Drainagen mehr eingesetzt. Die Narkoseverfahren wurden so optimiert, dass der Patient während der Operation möglichst wenig Kreislaufbelastung erfährt, dabei aber völlig entspannt und schmerzfrei ist. Danach sollte der Patient jedoch sofort wieder die volle Kontrolle über sein operiertes Bein zurückbekommen, sodass er bereits wenige Stunden nach der Operation wieder auf seinem Bein stehen und die ersten Schritte gehen kann.
Patientenwohl an erster Stelle
Dies verlangt natürlich auch eine besonders schonende Operationstechnik: Die Implantate müssen belastungsstabil eingesetzt werden, die gelenkumspannende Muskulatur darf nicht durchtrennt, sondern sollte nur auseinandergehalten werden (sog. minimal- invasives Operieren). Um Nachblutungen vermeiden und auf Wunddrainagen verzichten zu können, werden die Wundflächen mit einem Medikament versiegelt. Zum Schluss wird das Gelenk zur Reduktion des postoperativen Schmerzes noch mit einem lokalen langwirksamen Schmerzmittel umspritzt. Der Patient kann so direkt nach der Operation die Wiedergewinnung seiner Mobilität aktiv mitgestalten.
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