Jährlich werden in der Orthopädischen Universitätsklinik am RKU 400 Operationen im Bereich des künstlichen Kniegelenkersatzes (Knieendoprothetik) unternommen. Bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß, insbesondere bei damit verbundenen Fehlstellungen der Beinachse, den sogenannten X- oder O-Beinen, gilt der künstliche Kniegelenkersatz als bewährte Methode, um den Patienten wieder Schmerzfreiheit und bessere Funktion zu ermöglichen.
Das Quäntchen mehr
Präzision „Seit Februar haben wir mit ‚ Navio‘ 30 roboter-assistierte Operationen durchgeführt und in allen Fällen eine perfekt umgesetzte Planung, weniger Schmerzen und eine schnellere Wiederherstellung der Beweglichkeit des operierten Kniegelenks erreicht“, fasst Professor Reichel, Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik, zusammen. Navio könne man sich als Kombination aus Navigationsgerät und Roboter vorstellen. „Der OP-Roboter plant die Prothese während der OP, dadurch entfallen unnötige Strahlenbelastungen zur Planung mittels Computertomographie (CT) wie bei anderen Systemen. Zu Beginn der OP tastet Navio die individuelle Gelenkoberfläche ab und registriert dabei die Bewegungsmuster und die Bandspannung des Kniegelenkes. Dann schlägt der Roboter eine individuelle Position der
Gelenkkomponenten für den jeweiligen Patienten vor. Der erfahrene Operateur überprüft diesen Vorschlag, kann nach seinen Erfahrungen weiter optimieren und außerdem entscheiden, welche Art von Prothese zum Einsatz kommen soll: Teil- oder Vollgelenkersatz, mit Erhalt der Kreuzbänder oder ohne. Der Roboter setzt die Pläne des Operateurs zehntelmillimetergenau um. Er ist wegweisend und lenkend, aber nicht selbstausführend. Damit ersetzt das System keineswegs den Operateur, sondern baut auf dessen Erfahrung auf.“ Die Fräse, die von der Hand des Operateurs geführt wird, fräst nur dort, wo auch tatsächlich Knochen entfernt werden muss – kommt der Operateur über diesen Bereich hinaus, schaltet sie sofort ab. Dies erhöht nicht nur die Präzision, auch die Weichteile des Kniegelenkes, wie Kapsel, Sehnen und Bänder, werden zuverlässig geschont. Navio eignet sich besonders bei verschlissenen Kniegelenken mit stärkeren Deformitäten, wie X- oder O-Beinen. „Wir wissen heute, dass ein Patient mit stärkeren O-Beinen mit einem ‚schulmäßig‘ exakt gerade eingebauten Kniegelenk möglicherweise weniger gut zurechtkommt, als wenn man bei der Implantation die individuelle Spannung der Kapsel und Bänder respektiert.“ Vor 20 Jahren scheiterte der Versuch, mit dem sogenannten „Robodoc“ künstliche Hüftgelenke zu implantieren. Der Roboter nahm auf die Weichteile an der Hüfte wenig Rücksicht. Nicht nur der exakte knöcherne Sitz ist für die Funktion der Endoprothese wichtig, sondern auch der maximale Schutz der Weichteile durch „minimal-invasives Vorgehen“. Navio analysiert deshalb die natürliche Bandspannung des Kniegelenks und passt sich individuell dem Bewegungsmuster des Patienten an.
Zukunftsweisende Technologie
„Die Technologie ist zukunftsweisend, wie internationale Studien beweisen“, erklärt Professor Reichel. Im Team aus vier Operateuren habe man sich in London das Verfahren angeeignet. „Wir lernen gemeinsam und nehmen an mehreren Studien teil, um den künstlichen Kniegelenkersatz zu revolutionieren.“ Patienten mit Interesse an einer Navio-OP können sich unter der Nummer 0731-177 1102 weitergehend informieren. www.rku.de
Patientensicherheit im Fokus
Nach den aktuellen Vorgaben der Politik plant auch das RKU eine schrittweise und verantwortungsvolle Wiederaufnahme der Regelversorgung. Alle Patienten werden bei Aufnahme auf Covid-19 getestet, im Haus gelten höchste Sicherheitsmaßnahmen, eine Maskenpflicht und strenge Hygieneregeln.
Weitere Infos zum Thema:
Folge 1: Schneller wieder auf den Beinen