Am Schreibtisch ist die Kippe zwischendurch in den meisten Firmen längst tabu. Jetzt wollen Unternehmensverbände den blauen Dunst während der Arbeitszeit generell verbieten. Der Zigarettenpause droht das Aus - egal, ob im eigenen Raucherraum oder im Nieselregen vor der Tür. Qualmen soll nur noch in der Mittagspause und nach Feierabend erlaubt sein, fordert der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven.

Doch die meisten Ulmer Unternehmen winken ab. "Solange die Arbeit nicht darunter leidet, haben wir kein Problem mit Raucherpausen", sagt ein Sprecher von Iveco. "Unsere Leute sind sehr gewissenhaft." Auf dem Firmengelände gibt es sogar verglaste Unterstände für die Raucher.
Auch bei Liqui Moly müssen Raucher zum Qualmen ins Freie. "Unsere Mitarbeiter dürfen rauchen, solange es ihre Arbeitszeit erlaubt", sagt ein Sprecher. "Der Eine raucht draußen, der Andere quatscht drinnen über Privates, das ist eben so." Von einem Verbot der Raucherpausen hält er nichts: "Es muss doch nicht immer alles schriftlich geregelt sein." Eine Möglichkeit, die Arbeitszeit eindeutiger von Zigarettenpausen abzugrenzen, wäre ein pflichtmäßiges Ausloggen vor dem Hofgang. "Das machen die Nichtraucher ja schließlich auch, wenn sie Mittag essen."
Bei Ratiopharm ist das schon längst Routine: Vor dem Rauchen wird ausgestempelt. Der Weg aus den Produktionshallen nach draußen ist schlicht so lang, dass eine "schnelle Zigarette" gut und gerne zehn Minuten dauert. Wohl deshalb gibt es auch keine Beschwerden  von Nichtrauchern.

Doch anscheinend sind die zusätzlichen Pausen der rauchenden Kollegen Vielen sehr wohl ein Ärgernis. So schreibt etwa unsere Leserin Carolin Ruf auf facebook.com/suedwestpresse: "Wer es nicht aushält kann ja Nikotinpflaster verwenden. Dafür hab ich Null Verständnis, außer ich kann als Nichtraucher früher gehen oder habe auch eine zusätzliche Pause!"
Anna Hidde hingegen meint: "Ja klar, wiedermal auf die Raucher losgehen! Wir werden doch schon aus dem Gebäude verwiesen! Demnächst darf man in der eigenen Wohnung auch nicht mehr rauchen. Ich nenne das Eingriff in die Privatsphäre und Persönlichkeit!"

Andere Raucher verfolgen die Diskussion entspannt. Nika Chris Ibanez etwa sagt: "
Alles eine Frage der Einstellung. Ich rauche eine Packung pro Tag und kann mich absolut damit arrangieren, während der Arbeitszeit auf das Rauchen zu verzichten, bzw. dies in die Mittagspause zu verlegen."

Streng geregelt ist das Rauchen bei der Polizei: Jede Zigarette muss zeitlich "abgestempelt" werden, im uniformierten Dienst sind Glimmstengel streng verboten.

Bei einer nicht repräsentativen Umfrage auf swp.de sprach sich die Mehrheit der User für eine Abschaffung der Raucherpausen aus. Knapp 60 Prozent fordern "Schluss mit dem blauen Dunst während der Arbeit!", 27 Prozent sagen "Ich brauche ab und zu meine Raucherpause und will weiterhin rauchen dürfen, wann ich will!" und 13 Prozent ist das Thema egal.