Türkei Solidaritätskonzert im Ulmer Kornhaus für Mesale Tolu

Ulm / cmy 23.09.2017
Für die in der Türkei inhaftierte Journalistin gibt es am 7. Oktober ein großes Solidaritätsfest. Schirmherr ist Oberbürgermeister Gunter Czisch.

Vier Tage vor dem Prozessbeginn gegen die seit Ende April in Istanbul mit ihrem zweijährigen Sohn im Gefängnis sitzende Neu-Ulmer Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu wird es in Ulm erstmals eine auf breiten Füßen stehende Solidaritätsveranstaltung geben. Unter der Schirmherrschaft von OB Gunter Czisch, der auch als Redner auftreten wird, findet am Samstag, 7. Oktober, ein Solidaritätskonzert im Kornhaus statt. Das teilt Baki Selcuk vom „Solidaritätskreis für Mesale Tolu“ mit.

Der Mannheimer Soulsänger Isaac Roosevelt – er dürfte einem breiteren Publikum als Teilnehmer der TV-Show „Voice of Germany“ bekannt sein – ist gewissermaßen der Top-Act. Neben weiteren musikalischen Gästen sind auch Tolus türkische Anwältin Kader Tonç und Christian Mihr von „Reporter Ohne Grenzen“ dabei. Das Konzert beginnt um 18 Uhr, Tickets zum Preis von 5 Euro gibt es bei der Aegis Buchhandlung in der Hafengasse und an der Abendkasse.

Kleidung verweigert

Weniger erfreulich sind die Nachrichten von Tolus Haftbedingungen. Wie der Solidaritätskreis berichtet, mache die Gefängnisleitung mittlerweile ernst mit der von Präsident Erdogan verfügten Anordnung, derzufolge Häftlinge einheitliche Kleidung tragen müssen. Von Tolus Familie mitgebrachte Bekleidung wie etwa ein Trainings- und ein Schlafanzug seien wegen „falscher Farbe“ beziehungsweise verbotenem Schriftzug („Sweet Dreams“) zurückgewiesen worden. Noch schlimmer ergehe es Tolus Ehemann Suat Corlu, der ebenfalls seit Ende April in einem türkischen Gefängnis sitzt. Er sei misshandelt worden, weil er sich mit anderen Gefangenen geweigert habe, sich nach militärischem Vorbild in einer Reihe aufzustellen. Tolu wie auch ihrem Mann wird Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Beide hatten für linksgerichtete Nachrichtenagenturen gearbeitet.

Zweieinhalb Wochen vor dem für den 11. und 12. Oktober in Silivri bei Istanbul angesetzten Prozess gegen Tolu ruft der Solidaritätskreis Journalisten, Juristen, Politiker und andere Personen auf, sich der Prozessbeobachtungsdelegation anzuschließen. Eine unmittelbare Teilnahme an der Verhandlung dürfte allerdings schwierig sein. Wie das deutsche Konsulat in Istanbul auf Anfrage bestätigte, muss die Akkreditierung direkt bei der 29. Kammer des Schwurgerichtes Istanbul beantragt werden. Für die gesamte internationale Presse  sind nur fünf Plätze vorgesehen. „Das Generalkonsulat kann hierbei leider nicht behilflich sein.“ 

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