Ulm Soldaten verlassen Hindenburg-Kaserne

Allerletzter Akt : Die Fahne wird »niedergeholt«.
Allerletzter Akt : Die Fahne wird »niedergeholt«. © Foto: JOACHIM LENK
Ulm / JOACHIM LENK 03.10.2014
Die Garnisonsstadt Ulm hat seit Mittwoch eine Kaserne weniger. Um 11.32 Uhr wurde in der Hindenburg-Kaserne zum letzten Mal die Bundesdienstflagge eingeholt. Die letzten Soldaten sind abgezogen.

Etwa 80 Jahre lang diente die Hindenburg-Kaserne auf dem Eselsberg in erster Linie Soldaten als militärische Unterkunft. Zuletzt war dort das 360 Männer und Frauen zählende Lazarettregiment 41 stationiert, das in den vergangenen Wochen in die Rommel-Kaserne nach Dornstadt umgezogen ist. Um auch nach außen hin zu dokumentieren, dass auf dem Eselsberg kein militärisches Leben mehr herrscht, wurde am Mittwoch von den beiden Stabsunteroffizieren Izzat Ertug und Sebastian Meinhardt die Flagge endgültig niedergeholt.

Einst hatte die Garnison Ulm 18 Kasernen. Nach der Schließung der Hindenburg-Kaserne sind jetzt nur noch in der Wilhelmsburg sowie in der Bleidornkaserne Soldaten stationiert. Zählt man die vom Standort Dornstadt, des Munitionslagers Setzingen und des Bundeswehrkrankenhauses hinzu, kommt der Standortälteste, Generalmajor Klaus Habersetzer, auf rund 3000 Bundeswehr-Angehörige. Auch er bedauert, dass mit der Hindenburg-Kaserne „eine lieb gewonnene Liegenschaft in Ulm“ geschlossen wurde.

Die Stadt will auf dem Gelände künftig Wohnen und kleines Gewerbe zulassen. Noch aber gehört das Gelände dem Bund, weshalb es weiterhin von der Bundeswehr verwaltet wird. Der Leiterin des Dienstleistungszentrums der Bundeswehr in Ulm, Marlene Elsasser, steht dazu ein einziger Soldat zur Seite.

Rückblick: Die Hindenburg-Kaserne an der rechten Front des Forts Unterer Eselsberg ist während der vergangenen acht Jahrzehnte überwiegend militärisch genutzt worden. Gebaut wurde sie Mitte der 1930er Jahre. Die Beobachtungsabteilung 5 war der erste Verband, der dort einzog. Während des Zweiten Weltkrieges wurde rund die Hälfte der Unterkunftsgebäude und Hallen zerstört. Danach dienten die noch intakten Häuser Flüchtlingen und so genannten Displaced Persons, die durch den Krieg ihre Heimat verlassen mussten und nicht mehr zurückkehren konnten. Von Sommer 1946 bis Herbst 1949 lebten dort zeitweise bis zu 1300 Menschen jüdischen Glaubens.

Anfang der 1950er-Jahre rückte die US-Armee in die Kasernenanlage ein, die sie in Ford-Barracks umtaufte. Einer der dort stationierten GIs war der bekannte US-Choreograf und TV-Entertainer Gene Reed. Ein Jahrzehnt später übernahm die Bundeswehr die militärische Liegenschaft, die dort in den vergangenen 50 Jahren viele verschiedene Einheiten und Verbände mit bis zu 1000 Soldaten einquartiert hatte. Ihnen standen auf dem rund 8,4 Hektar großen Gelände unter anderem vier Unterkunftsgebäude, einige Instandsetzungshallen, eine Sporthalle sowie ein Mannschafts- und ein Unteroffiziersheim zur Verfügung. Außerdem ein so genannter Planübsaal, der zu Zeiten des Kalten Krieges für das in Ulm stationierte II. Korps gebaut wurde. Das Besondere an diesem Raum: er ist absolut abhörsicher. Zuletzt war seit Anfang 2011 das Lazarettregiment 41 mit drei Kompanien Hausherr in der Hindenburg-Kaserne. Die Soldaten sind inzwischen in die Rommel-Kaserne nach Dornstadt umgezogen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel