Infoabend Söflinger haben die Nase voll von Verkehr

Ulm / Ulrike Schleicher 19.11.2018

Die Nerven der Bürger liegen blank. Das war beim Info- und Diskussionsabend, zu dem der Söflinger Vorstadtverein am Freitagabend eingeladen hatte,  deutlich zu spüren und zu hören. Anlass ist der Verkehr im Ulmer Stadtteil. Und zwar in jeder Hinsicht. Denn in Söflingen zeigt sich im Kleinen, was auch im Großen stattfindet: Die Straßen können den ganzen Verkehr nicht mehr aufnehmen, es gibt zu wenig Parkplätze für all die Fahrzeuge – und nicht zuletzt: Immer weniger Menschen halten sich an Regeln und nehmen Rücksicht.

Appelle nutzen nichts

Zu sehen sei dies am besten am morgendlichen Verkehr an der Meinlohschule: „Trotz klarer Beschilderung, dass es verboten ist, bis zur Schule zu fahren, tun dies viele Eltern“, sagte Michael Jung, Hauptabteilungsleiter Verkehr bei der Stadt. Damit gefährdeten sie andere Kinder. Appelle nutzten nichts, – „anscheinend fruchten nur Strafen und Verbote“.

Den Beweis lieferten Polizeikontrollen an mehreren Tagen hintereinander: „Am ersten Tag waren es 29, die durchfuhren“, berichtete Jung. Am zweiten Tag versuchten es nur noch zwei, andere drehten vorher ab, als sie die Polizei sahen. Am dritten Tag sei niemand mehr direkt zur Schule gefahren.

Nicht, dass das beschämende Verhalten der Eltern damit ein Ende gefunden hätte: Der Schulhausmeister, der daraufhin die Poller am Eingang des Weges zu Schulbeginn aufgestellt habe, sei derart beschimpft und beleidigt worden, „dass er sich nun zurecht weigert, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagte Jung. Die Konsequenz: Ein Schließdienst, der bezahlt werden muss, wird die Poller auf- und abschließen.

Poller werden wohl auch am Gemeindeplatz und womöglich auch gegenüber in Richtung Café Ambiente aufgestellt werden. Wie Martin Ansbacher, Vorsitzender des Vorstadtvereins, erläuterte, sind auch dort Leute nicht in der Lage, die Parkverbotsschilder zu beachten: „Da fährt man fast bis in die Läden hinein, nur damit man nicht zu Fuß gehen muss“, ärgerte er sich. Zusammen mit der Stadt habe man sich überlegt, auch dort Poller anzubringen und eine Ladezone für Handel und Gewerbe einzurichten. Es sei ein Test. Wenn es für die Händler unzumutbar sei, könne man neu überlegen.

Ob auch Poller gegenüber des Gemeindeplatzes die Lösung sein werden, sei noch offen, sagte Jung: „Ganz Söflingen mit Pollern versehen, ist nicht prickelnd.“

Schlossergasse Einbahnstraße?

Thema waren auch Ochsen- und Schlossergasse. Erstere wird  2020 saniert. Dass für die Schlossergasse noch kein Zeitplan vorliegt, ärgert, wie bereits berichtet, den dort wohnenden Anwalt Thomas Schmid. Seit  nunmehr 13 Jahren versuche er, die Park- und Gehwegverhältnisse dort zu verbessern. Dafür habe er sogar Zusagen von zwei OB der Stadt, trotzdem passiere nichts, wie er in der Versammlung nochmals betonte. Auch werde zu schnell gefahren. Ein schnell umzusetzender Vorschlag, den die Stadt nun prüfen will: Die Schlossergasse wird Einbahnstraße.

Nur zwei Söflinger dachten daran, wie angenehm das Leben wäre, wenn der Hauptstraße des Ulmer Stadtteils gar keine Autos mehr führen. „Warum denken Sie nicht groß?“, fragte ein Mann den Abteilungsleiter. Eine Fußgängerzone um den Gemeindeplatz steigere die Lebensqualität und komme dem Handel zugute. Eine Frau stimmte zu: „Der Verkehr dort ist eine Katastrophe. Das hält man kaum noch aus.“

Halle steht wieder zur Verfügung

Umbau Die Bauarbeiten in der Meinlohhalle sind abgeschlossen. Sie bekam einen neuen Parkettboden – der alte hatte einen Wasserschaden durch eine undichte Leitung – eine Prallwand und auch sonst wurde sie auf Vordermann gebracht. Kosten: rund 280 000 Euro. „Schön, dass die Zeit des Transfers für Schüler und Vereine nun zu Ende ist“, freute sich Ansbacher. Die Meinlohhalle sei eine wichtige Heimstatt in Söflingen.

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