Sommer So war der Sommer in Ulm

Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, der Ulmer Spatz schippert auf der Donau dem Herbst entgegen. 
Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, der Ulmer Spatz schippert auf der Donau dem Herbst entgegen.  © Foto: Oliver Schulz
CMY, CST, HUM, KÖ 15.09.2016
Der Sommer geht zu Ende. Die Bilanz fällt trotz durchwachsenem Start positiv aus. Auf Herbstwetter freuen sich nur Händler und Landwirte.

Er startete mau, kriegte zur Mitte hin die Kurve und lief final zur Höchstform auf. Der Sommer 2016 war in Ulm und Neu-Ulm ein untypischer. „Das Gefühl der Menschen und die Statistik decken sich ausnahmsweise“, sagt Meteorologe Paul Dilger vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. Vor allem der (noch im meteorologischen Frühling angesiedelte) 29. Mai und der 5. Juni dürften vielen Ulmern mit Schrecken in Erinnerung bleiben. Es waren die beiden Tage der Starkregenfälle, wie sie sich statistisch gesehen nur alle 50 Jahre ereignen. Die Folgen – Überschwemmungen und vollgelaufene Keller – waren vor allem in Einsingen, Eggingen, Ermingen und am Kuhberg verheerend.

Dilgers Blick in die Daten der Mähringer Wetterwarte belegt es: Im Juni gab es mit 142 Litern Niederschlag pro Quadratmeter deutlich zu viel Regen, normal sind 100 Liter. Die Sonne knauserte, brachte es hier lediglich auf 75 Prozent des langjährigen Juni-Mittels. „Ulm hatte nur einen heißen Tag mit mehr als 30 Grad, das war am 24.“ Negativer Ausbüchser: der 11. Juni mit 24 Stunden Regen, fast 30 Liter pro Quadratmeter.

Von Juli an, speziell der zweiten Hälfte, „wird die Sache erfreulicher“, sagt der Meteorologe. 14 Sommertage mit mehr als 25 Grad, die Niederschlagsmenge pendelt sich mit etwas über 80 Litern knapp über Normalmaß ein. Auch der August gehe trotz teilweise noch wechselhafter Wetterlagen als überdurchschnittlicher Sommermonat in die Statistiken ein. 242 Stunden Sonne und damit zehn Prozent mehr als üblich, mit durchschnittlich 17,3 Grad „deutlich zu warm“ und vor allem zu trocken. Es fielen nur 83 Liter Regen pro Quadratmeter, das sind lediglich 43 Prozent des langjährigen Mittels.

Für September hat Dilger noch keine ausgewerteten Daten parat, nur so viel: „Das ist das Maximum dessen, was der September herausholen kann“. Das stabile Hochdruckgebiet beschere Ulm Rekordwerte und eine für diese Jahreszeit atypische Trockenperiode. Seit 1. September sind demnach gerade 0,7 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen. „So einen warmen Spätsommer hatten wir zuletzt 1999.“

Entsprechend fällt auch die Bilanz der beiden Freibäder in Ulm aus. Rekordbesuchszahlen wurden nicht gezählt, aber die warmen letzten Wochen lassen die Bilanz im Donau-Freibad dennoch ganz ordentlich aussehen. 76.000 Besucher waren es heuer, etwas weniger als im Rekordjahr 2015. Am heutigen 15. September ist Schluss, nächstes Jahr wird das Bad dann von der Betriebsgesellschaft der beiden Städte geführt.

Auch im vereinseigenen Freibad des SSV Ulm 1846 sind die Verantwortlichen zufrieden. Allerdings gab es dort in diesem Jahr auch einige Neuerungen, die sich ganz offensichtlich positiv ausgewirkt haben. Zum ersten Mal war das Wasser das ganze Jahr über beheizt und hat mit wohltemperierten 24 Grad Celsius beste Bedingungen zum Baden gestellt. Außerdem wurde eine Slackline-Anlage im Bad aufgebaut, die vor allem beim jüngeren Publikum sehr gut angenommen wurde.

In der Landwirtschaft hingegen zählt jetzt jeder Reifetag für den Mais, „damit er noch genug Energie einlagert in die Kolben“, sagt Landwirt Winfried Walter aus Gögglingen. Auf trockenen Standorten habe sich der Mais den Sommer über besser entwickelt als auf den schweren, lehmhaltigen Böden. Denen und den Kulturpflanzen darauf hatte der Starkregen zugesetzt. Auch deshalb hatte Walter etwa bei Weizen und Gerste 20 Prozent weniger Ertrag.

Seine Erdbeeren hätten zunächst gelitten unter dem nassen Frühsommer, die ersten Früchte faulten schnell. Als dann aber die Sonnentage kamen, wurde alles aufgeholt „und die Erdbeeren hatten doch noch einen wunderbaren Geschmack“. Und momentan hoffen die Landwirte „dringend“ auf Regen: Damit die Pferdekoppeln wieder grün werden und damit der bereits ausgesäte Winterraps keimt und „aufläuft“, also austreibt.

Der City-Handel hat normalerweise keine nennenswerten Gemeinsamkeiten mit der Landwirtswchaft, sehnt sich aber ebenfalls nach Regen und schlechterem Wetter. „Man freut sich auf Freitag“, sagt Citymanager Henning Krone, denn dann soll die spätsommerliche Hitzewelle auslaufen. Vor allem der Textilhandel hat längst die Herbst- und Winterware in den Regalen liegen – während die Leute noch an den Baggersee fahren. Daher sei die Frequenz in der Ulmer Innenstadt nicht zufriedenstellend, berichtet Krone, auch nach Einschätzung der führenden Häuser: „Der September war schon hart für den Einzelhandel.“  Dagegen hätten Gastronomie und Eiscafés noch einen schönen Ausgleich für das zunächst sehr wechselhafte Sommerwetter erlebt.

Bei der Galeria Kaufhof wartet Personalchef Hans-Peter Weber, der das Warenhaus derzeit führt, schon auf den Wetterumschwung: „Das wäre ein positiver Impuls“. Allerdings seien durchaus Kunden in der Galeria, die ganz bewusst Herbstware suchen und auch kaufen: „Die Nachfrage ist schon da.“

Zurück auf Normalmaß

Hitze ade Der Sommer verabschiedet sich Wohl schon heute. Vom späten Nachmittag an nimmt das Schauer- und Gewitterrisiko zu, am Wochenende kehrt mit maximal 17, 18 Grad und Regen typisch deutsches Septemberwetter ein. Zu Beginn nächster Woche, so Meteorologe Paul Dilger vom Deutschen Wetterdienst, kann die Region wieder auf Wetterberuhigung hoffen. Prognose: heiter bis wolkig, trocken und 20 Grad.