Ulm So viel verdienen Pfarrer in Ulm

Ulm / VERENA SCHÜHLY 22.10.2013
Die Vorgänge in Limburg wecken allseits das Interesse für die finanziellen Verhältnisse der katholischen Kirche. In Ulm verdienen Pfarrer zwischen 3700 und 5000 Euro.

"Wir Pfarrer sind Kirchenbeamte und bekommen unsere Gehälter von der Diözese", antwortet der katholische Dekan Matthias Hambücher auf die Frage nach den Einkommensverhältnissen katholischer Pfarrer. Die Besoldung entspricht in der Diözese Rottenburg-Stuttgart dem Landesbesoldungsgesetz. Der Großteil der Pfarrer gehört zu den Besoldungsgruppen A 13 oder A 14, letzteres für Pfarrer in Leitungsfunktion. Also ist das Einkommen vergleichbar mit dem höheren Dienst bei Beamten: A 13 bekommt ein Gymnasiallehrer. Je nach Beschäftigungszeit und Alter verdient er zwischen 3700 Euro und 4500 Euro. A 14 bekommt ein Oberstudienrat. Dort liegt das Gehalt zwischen 3900 und 5000 Euro.

Pfarrer haben Residenzpflicht - das heißt, sie müssen am Ort leben. Die Kirchengemeinden stellen die Dienstwohnungen oder Pfarrhäuser zur Verfügung. Eine Miete muss der Pfarrer nicht zahlen, aber die angenommene ortsübliche Vergleichsmiete als geldwerten Vorteil versteuern. Die Nebenkosten muss der Nutzer komplett selbst tragen.

Hambücher wohnt in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Nähe der Wengenkirche, die mit 130 Quadratmetern zugegebenermaßen groß ist. Einen Raum nutzt er als Amtszimmer, einen als "kombiniertes Wohn-, Gesprächs- und Schlafzimmer", und der dritte ist Gästezimmer. Dazu kommen Küche, Bad und Toilette. Die Möbel sind seine eigenen, ebenso die Spülmaschine. Seine vorherige Dienstwohnung in der Suso-Gemeinde am Eselsberg war deutlich kleiner.

"Wir können uns nichts aussuchen", erklärt Hambücher. "Manchmal muss ein Kollege ein ganzes riesiges Pfarrhaus allein nutzen, weil es so geschnitten ist, dass man es schlecht untervermieten kann." In Seelsorgeeinheiten, wo ein Pfarrer für mehrere Gemeinden zuständig ist, legen die Gemeinden fest, welches der Wohnsitz des Pfarrers ist. Der Amtsinhaber darf da nichts mitentscheiden.

Auch das Auto ist Privateigentum jedes Pfarrers, abgerechnet wird nach den gefahrenen Kilometern. Hambücher selbst hat kein Auto, er fährt Rad und nutzt öffentliche Verkehrsmittel. "Damit setze ich ein Zeichen." Das Gebahren des Limburger Bischofs findet er "unmöglich". Über seine Kollegen, die Ortspfarrer von Ulm, sagt Hambücher: "Wir pflegen alle einen anständigen Lebensstil, der ausgerichtet ist auf das Evangelium und orientiert auf unsere Gemeinden."

Die katholische Gesamtkirchengemeinde Ulm unterhält neun Pfarrhäuser oder -wohnungen. Acht werden von Pfarrern genutzt, eine ist vermietet. Die Mieteinnahmen fließen wieder dem jeweiligen Gebäude zu, erklärt der katholische Kirchenpfleger Rolf Stegmaier.

Muss eine Gemeinde neu bauen, gibt es die Pfarrhaus-Richtlinien vom bischöflichen Ordinariat. Laut denen steht einem Pfarrer eine Drei-Zimmer-Wohnung mit höchstens 85 Quadratmeter zu. Als Wohnbereich einer Haushälterin ist ein getrenntes Appartement mit maximal 35 Quadratmetern vorgesehen.

In den evangelischen Landeskirchen gibt es ebenfalls Pfarrhaus-Richtlinien mit genauen Vorgaben. Auch in anderen Bereichen ist vieles gleich geregelt, sagt der evangelische Kirchenpfleger Ulms, Klaus-Peter Baur: "Ein evangelischer Pfarrer hat Residenzpflicht in seiner Parochie, also seinem Gemeindebezirk. Er bekommt eine Besoldung wie ein Beamter im höheren Dienst und muss die ortsübliche Miete als geldwerten Vorteil versteuern." Die Gesamtkirchengemeinde hat 15 Pfarrhäuser oder -wohnungen: 12 für die Gemeindepfarrer, weil jede Gemeinde zwei Pfarrstellen hat, sowie 3 für die Sonderpfarrämter Klinik-, Hochschulseelsorge und für den Leiter des Hauses der Begegnung.