Umwelt Aktionstag „Ohne Auto - mobil“: So tun, als sei die Stadt autofrei

Noch eine Fahrradstraße in Ulm? Nicht ganz, der ADFC informierte am Greenparking Day auf einem stillgelegten Parkplatz über Fahrradtouren und Codierung.
Noch eine Fahrradstraße in Ulm? Nicht ganz, der ADFC informierte am Greenparking Day auf einem stillgelegten Parkplatz über Fahrradtouren und Codierung. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / Carolin Stüwe 16.09.2018
Die Busse waren voll, die Stadt war voll, und die Mägen am Ende ebenso. Der Aktionstag „Ohne Auto – mobil“ war auch aufgrund des schönen Wetters ein Erfolg.

Bärbel Fortmann, BUND-Mitglied und überzeugter Bus-Fahrgast, ergatterte am Samstagvormittag am Safranberg den letzten Sitzplatz in der Linie 4 und traf beim Umsteigen am Willy-Brandt-Platz auf eine noch vollere Straßenbahn. So gut wurde allgemein der kostenlose Nahverkehr am „Aktionstag Ohne Auto – mobil“ angenommen.

Dass jedoch auch viele das Auto nicht daheim gelassen hatten, zeigten die vollen Parkhäuser. Denn das schöne Wetter lud zum Einkaufsbummel ein, zum Gang über die Wochenmärkte in beiden Städten und zum Verweilen in den – ebenso gut besetzten – Straßencafés. Unternehmungslustige nutzten aber durchaus das kostenlose Ausflugsangebot in die Region. Beispiele: Der „Weißenhorner“ (ein Zug) fuhr stündlich zum Öko-Markt nach Roggenburg, und auf dem Albtäler Radweg konnte man sich von den Naturfreunden durchs Lonetal führen lassen. Markus Zimmermann, Marketingleiter des Donau-Iller-Nahverkehrsverbunds, war zufrieden mit dem Aktionstag und schätzte, dass am Samstag wohl doppelt so viele Menschen Bus, Straßenbahn und Regionalzüge genutzt haben als sonst.

Zweiter Green Parking Day

Wer mit dem Rad in die Stadt kam, konnte sich gleich beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub beraten lassen, welche neuen Radkarten es gibt und warum man sein Fahrrad codieren lassen sollte. Der Fahrradclub hatte seinen Beratungsstand dort in der Herrenkellergasse aufgestellt, wo sonst Autos parken dürfen. Denn am Samstag war auch 2. Ulmer Green Parking Day. An 21 Stationen fand auf sonst zugeparkten Flächen mal etwas ganz anderes statt: Hier spielte die Neu-Ulmer Spielgemeinschaft Skat, dort brachte Floristin Désirée Berg Passanten das Binden eines Blütenkranzes bei, und Wollkünstlerin Veronika Missel hatte unbehandelte Schafwolle ausgebreitet und darauf alte Matchboxautos verteilt. Der fünfjährige Max war sichtlich enttäuscht, dass es dazu keine Auto-Rennbahn gab. Stattdessen konnten Kinder vor dem Kinderladen Lumooli selbst Stofftaschen bemalen.

Linke fordern: Pkw-Stellflächen abbauen

Ebenfalls in der Herrenkellergasse stand ein Büchertauschregal der Lokalen Agenda 21. Wer Muße hatte, nahm auf dem Sessel Platz und schmökerte ein bisschen, sofern nebenan nicht zu laut über das viele Blech in der Innenstadt diskutiert wurde. Eva-Maria Glathe-Braun, Sprecherin der Partei Die Linke Ulm/Alb-Donau, nahm den Green Parking Day zum Anlass, vehement zu fordern, „dass alle vorhandenen Stellflächen für Pkw und Lkw in der gesamten Innenstadt jährlich sukzessive abgebaut werden“. Ausnahmen seien natürlich Parkplätze für Behinderte. Auf oberirdische Stellplätze zu verzichten, sei nun gut möglich, da am Bahnhof „eine wenn auch überdimensionale und unverantwortlich teure Tiefgarage“ entsteht, sagte sie. Die Innenstadt sei fußläufig und mit dem ÖPNV gut erreichbar.

Markt rund ums Essen

Das Haus der Begegnung hat seine Stellplätze bereits reduziert seit der Umgestaltung des Innenhofes. So konnte dort, ebenfalls am Samstag, der „Markt rund ums Essen“ stattfinden. Marco Contino belegte und backte in seinem Pizza-Mobil innerhalb von zwei Minuten eine kleine Pizza, Gäste tranken Lupinenkaffee aus gerösteten Lupinensamen von der Alb, und die Anna-Essinger-Realschule verschenkte Gemüse aus ihrem Schulgarten. Anna Scharpf, Hauswirtschaftsleiterin beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis, informierte übers richtige Lagern von Kartoffeln: in großen Mengen bei vier bis sechs Grad im Keller oder in der dunklen Garage. Kleine Mengen könne man durchaus bei Zimmertemperatur in der Küche in einem dunklen Schrank und in der Papiertüte aufbewahren.

Das könnte dich auch interessieren:

Idee zum Green Parking aus San Francisco

Weltweit Der erste Green Parking Day wurde am 16. November 2005 von einem Designstudio in San Francisco veranstaltet. Denn in der Innenstadt dort werden rund 70 Prozent der Außenflächen fürs Parken verwendet. Diese Nutzung sollte sich für einen Tag zum für die Umwelt und die Mitmenschen Positiven ändern: Die Initiatoren suchten sich einen sonnigen Parkplatz, warfen Geld in die Parkuhr, holten eine Bank und Grünes dorthin und verwandelten die Fläche in einen „öffentlichen Park“. Seither wird die Idee jeden Herbst in vielen Städten rund um die Welt einen Tag lang umgesetzt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel