Ulm Unwetter überflutet Straßen, Keller und Unterführungen

Ein heftiger Starkregen überflutete zahlreiche Straßen in der Region. Viele Keller liefen voll.
Ein heftiger Starkregen überflutete zahlreiche Straßen in der Region. Viele Keller liefen voll. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / SWP 30.08.2018
Am Mittwoch hat ein schwerer Hagel- und Gewitterschauer Straßen in Ulm und Umgebung überflutet. Bei Erbach kollidierte ein Zug mit einem Baum. Es gingen hunderte Notrufe ein.

Es kündigte sich dunkel an, brach dann binnen weniger Minuten brutal über der Stadt hinein und verzog sich genau so schnell wieder: Ein schwerer Hagel- und Gewitterschauer hat am Mittwochnachmittag Straßen und Wege in Ulm und Umgebung überflutet.

Ehinger Tor und B 311 betroffen

Betroffen war unter anderem die Unterführung am Ehinger Tor, wo nur eine Spur für den ÖPNV befahrbar war. Autos konnten in Richtung Osten die Unterführung offenbar nicht nutzen und mussten den Tunnel weiträumig umfahren. Auch die Auffahrt zur B 311 von Einsingen war von dem harsch einsetzenden Unwetter derart betroffen, dass sie gesperrt werden musste. In Söflingen stand das Wasser hoch auf der Straße, wie Videos zeigen. Viele Autos schleppten sich langsam durch die Wassermassen.

Sowohl aus der Stadtmitte als auch aus der Weststadt wurden an mehreren Stellen überflutete Straßen gemeldet. Alleine in der ersten Stunde nach dem Unwetter gingen rund 100 Notrufe bei der Feuerwehr ein. Auch aus Neu-Ulm wurden überflutete Wege und Straßen gemeldet. Von der Redaktion der Südwest Presse in der Frauenstraße aus sah das Unwetter so aus.

Bahn-Strecke bei Erbach zeitweise gesperrt

Wie die Bahn mitteilt ist zwischen Erbach und Laupheim West ein fahrender Interregio-Express mit einem umgestürzten Baum kollidiert. Die Strecke ist aktuell in beide Richtungen – nach Ulm und Richtung Laupheim – gesperrt. Nach Auskunft des Bahnsprechers habe es keine Verletzten gegeben. Weitere Details zur Dauer der Sperrung konnte er zunächst nicht sagen. Gegen 19.30 Uhr sollte die Strecke wieder freigegeben sein, teilte er mit.

Mehrere hundert Notrufe eingegangen

Leser berichten von umgestürzten Bäumen und überfluteten Straßen rund um Ulm; die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Ulm zählte zwischen 17.15 und 19.15 Uhr hunderte Notrufe. Rund 60 Mal mussten Einsatzkräfte der Feuerwehr ausrücken, um vollgelaufene Keller und überflutete Firmenhallen trockenzulegen. Zur Stunde sind rund 150 Feuerwehrmänner und -frauen aus mehreren Abteilungen im Einsatz. Helfer der Einsatzeinheiten 1 und 2 von DRK und ASB sorgen dafür, dass sie nicht hungern müssen: „Sie machen Wurstwecken, die wir dann an die Einsatzorte bringen. Nach drei, vier Stunden hat man Hunger“, sagt Peter Langmaier von der Feuerwehr Ulm.

Einsatzschwerpunkte waren laut Feuerwehr Ulm in Söflingen und den Hochsträß-Gemeinden; vereinzelt musste auch auf dem Kuhberg und in der Stadtmitte technische Hilfe geleistet werden.

Vollgelaufene Keller am Kuhberg

In der Innenstadt hatte die Polizei in der Neuen Straße am frühen Abend die Unterführung Richtung Ehinger Tor gesperrt. Dort hatte sich am tiefsten Punkt das Wasser gesammelt. Wegen der Sperrung staute sich der Verkehr rund um Ehinger Tor und Hauptbahnhof.

Überall in der Stadt lagen Laub und abgebrochene Äste. Wobei in der Hirschstraße viele Gastronomen und Geschäftsleute den Unrat schnell zu Häufchen zusammengefegt und weggeräumt haben.

Am Kuhberg waren in der Pfeifergasse „innerhalb von Sekunden die Kanäle dicht“, berichtet Anwohnerin Martina Ganser. „So viel Druck hält kein Rückstauventil aus.“ Alle Nachbarn hätten ihre Keller auspumpen müssen. Sie selbst hatte Glück: „Bei uns kam’s durch die Wand, wir hatten nur einen Eimer.“

Zerstörte Gärten, kaputte Autos

Auch in der Ziegelgasse waren die Anwohner mit Aufräumen beschäftigt. Dort waren mehrere Zentimeter Hagel gefallen, die Schäden an Autos und am Häuserputz verursacht hatten. Ziegel lagen auf der Straße. Eine halbe Stunde Hagel, Sturm und Regen hat gereicht, um Bäume, Büsche, Obst und Gemüse in den Gärten am Kuhberg völlig zu zerstören. An so manchem Baum hängt kaum noch ein Blatt. „Das ist traurig“, sagte ein Frau, die den Apfelbaum ihres Nachbarn begutachtete. Sie schippte wie einige andere die weißen Hagelkörner von der Straße, die zum Teil zentimeterhoch die Wege bedeckten.

Andere schauten ihre Autos an. Ein junger Mann, der sich erst vor zwei Wochen ein neues Auto gekauft hatte, war frustriert: „Der Schaden ist groß.“ An manchen Stellen könne man nichts reparieren. Die Schäden an den Häusern hielten sich in Grenzen. Bei manchen hatte der Hagel einen Dachziegel zerschlagen, bei anderen schlug er die Farbe von der Fassade.

Dieser Artikel wird laufend erweitert.

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