Ulm und Neu-Ulm Schnee und Glätte: So arbeitet der Winterdienst

Ulm/Neu-Ulm / Amrei Groß 09.01.2019
Wenn Schnee und Eis die Region fest im Griff haben, ist der Winterdienst im Dauereinsatz. Wir verraten, wo zuerst geräumt und gestreut wird und warum manchmal doch von Hand geschaufelt wird.

Für die kommende Nacht kündigt der Deutsche Wetterdienst bis zu zehn Zentimeter Neuschnee für Ulm an. Eine Meldung, die Florentin Heese aufhorchen lässt. Er ist Winterdienstchef bei den Entsorgungsbetrieben Ulm (EBU); bei ihm laufen alle Fäden für die Organisation der Räum- und Streudienste auf der baden-württembergischen Donauseite zusammen. „Ich gehe davon aus, dass wir diese Woche alles draußen haben werden“, sagt er.

Alles, das sind im Fall der Stadt Ulm insgesamt 23 Fahrzeuge aus eigenem Bestand und von Subunternehmern sowie 36 städtische Mitarbeiter. Ist Schneefall angekündigt, sind sie ab 3 Uhr morgens im Einsatz. Ist unklar, wie sich die Lage entwickelt, macht zunächst der „Guckerlesdienst“ die Runde: Er fährt bei Temperaturen um null Grad und feuchten Straßen neuralgische Punkte und Gefahrenstellen wie Steigungen und Brücken an und prüft sie auf Eisglätte. Im Bedarfsfall alarmiert er dann die in Bereitschaft stehenden Einsatzkräfte.

Welche Straßen werden zuerst geräumt?

Jeder Winterdiensteinsatz folgt einer klaren Struktur. „Gefährliche und stark frequentierte Bereiche werden zuerst, weniger wichtige Bereiche danach und manche Bereiche überhaupt nicht geräumt“, erklärt Heese. Alle Straßen und Wege im Stadtgebiet sind in Kategorien eingeteilt: Die höchste Priorität haben Hauptverkehrsstraßen wie die Blaubeurer Straße oder der Berliner Ring sowie Straßen mit besonderen Gefahrenstellen wie starken Steigungen. „Sie werden unverzüglich geräumt und bestreut.“ Danach folgen weniger stark frequentierte, aber dennoch wichtige Straßen – etwa im Donautal.

„Zur Räumung dieser Straßen ist die Stadt rechtlich verpflichtet“, sagt Heese. Hat der Winterdienst danach noch Kapazitäten frei, geht es in Nebenstraßen, verkehrsberuhigte Bereiche und Spielstraßen. Gar nicht bedient werden in aller Regel kleinere Wohnstraßen, ebene Sackgassen in Wohngebieten und reine Anliegerstraßen – „außer, es ist gar kein Durchkommen mehr.“

Neu-Ulm hat einen großen Vorteil

Ähnlich ist der Winterdienst in Neu-Ulm organisiert – mit einem Unterschied: „Bei uns ist es relativ eben“, sagt Hans-Jürgen Friede, Leiter der Abteilung Servicebereich im Baubetriebshof. Anders als im benachbarten Ulm liegen hier keine in­­frastrukturellen Ein­richtungen wie Krankenhäuser am Berg, die erreichbar bleiben müssen.

Priorität eins haben verkehrswichtige Straßen, etwa die Reuttier Straße oder die Augsburger-Tor-Straße. Danach kommen Hauptverbindungswege von und zu Wohngebieten; erst im dritten Schritt wird die Kategorie drei, reine Wohnstraßen, bearbeitet – „wenn wir Kapazitäten frei haben“. In Bereichen, in denen kein Maschineneinsatz möglich ist, zum Beispiel auf Treppen, an Ampeln oder auf Fußgängerüberwegen, wird mit Muskelkraft und Schaufeln gearbeitet.

Täglich kommt das Wetter-Fax

Vorbereitung ist im Winterdienst alles. Täglich erhält Florentin Heese ein Fax des Deutschen Wetterdiensts mit dem aktuellen Agrarwetter für die Region Ulm – eigentlich ein Service für Landwirte, Wein- und Obstbauern. Es enthält nicht nur die Wettervorhersage mit Temperatur und Niederschlag, sondern gibt auch Auskunft über Faktoren wie Bodenfeuchte, Frosteindringtiefe und Schneefallgrenze. „In aller Regel ist diese Vorhersage relativ zuverlässig.“ Für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag meldet sie für Ulm bis zu zehn Zentimeter Neuschnee.

Neu-Ulm setzt auf die Dienste eines privaten Unternehmens, das zwei Mal am Tag, morgens um 7 und mittags um 14 Uhr, ein Wetterupdate per Fax liefert. Dass der Winterdienst nicht fahren kann, gibt es nicht. „Wir kommen immer raus“, sagt Friede. Heese bestätigt das. Notfalls bekommen die EBU Unterstützung mit Radladern und einer leistungsstarken Schneefräse.

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Pflichten für Anwohner

Räumen: Eigentümer, Mieter oder Pächter von Grundstücken, die an einer öffentlichen Straße liegen, sind verpflichtet, die Gehflächen zu räumen – werktags ab 7 Uhr, sonn- und feiertags ab 8.30 Uhr. Bei Bedarf muss mehrmals geräumt und gestreut werden. Die Räumpflicht endet um 20.30 Uhr (Ulm) beziehungsweise 20 Uhr (Neu-Ulm).

Streuen: Es gilt die Regel: So wenig Streusalz wie möglich, so viel alternative, abstumpfende Streumittel wie möglich – etwa Sand, Asche oder Splitt. Streuen mit Salz ist Privatpersonen nur in Ausnahmefällen erlaubt, zum Beispiel bei Eisregen auf Treppen oder an starken Steigungen.

Streugut: In Ulm können Bürger Splitt auf den Recyclinghöfen abholen. In Neu-Ulm ist die Entnahme aus Streugutcontainern erlaubt.

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