Ulm Sigrid Czisch: Das Büro bleibt an der Haustür

Sigrid und Gunter Czisch im Eigenheim auf dem Eselsberg: Die Einrichtung orientiert sich am (Ulmer) HfG-Stil, an der Wand hängt Kunst des Ulmers Bertram Bartl, ansonsten an den Wänden viele Bilder, Stiche, Zeichnungen des Münsters.
Sigrid und Gunter Czisch im Eigenheim auf dem Eselsberg: Die Einrichtung orientiert sich am (Ulmer) HfG-Stil, an der Wand hängt Kunst des Ulmers Bertram Bartl, ansonsten an den Wänden viele Bilder, Stiche, Zeichnungen des Münsters. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / HANS-ULI THIERER 31.08.2013
Unsere Sommerinterview-Reihe beschäftigt sich mit den (Ehe-) Partnern prominenter Ulmer und Neu-Ulmer. Heute: Sigrid Czisch, Frau des Ulmer Finanzbürgermeisters Gunter Czisch, die nach der Familiephase wieder berufstätig ist - im Finanzwesen von Privatfirmen.

Wer hat bei Ihnen zu Hause die Hosen an?
SIGRID CZISCH: Beide, nach 30 Jahren sind wir ein eingespieltes Team. Unserer jüngerer Sohn hat dazu gesagt, unter Woche die Mama und am Wochenende der Papa, aber nur, wenn die Mama arbeitet.

Welche Hausarbeiten erledigt Ihr Mann?
CZISCH: Am Wochenende fährt er zum Recyclinghof und besorgt die Getränke und gelegentlich einen Teil der Einkäufe. Ab und zu räumt er am Sonntag nach dem gemeinsamen Essen die Küche auf. Ich bin selbst berufstätig und wenn ich am Wochenende arbeiten muss, macht er eben mehr.

Wer ist für die Erziehung ihrer beiden Kinder zuständig?
CZISCH: Beide, auch wenn ich schon manchmal eher alleinerziehend bin, wenn er wochenlang spät nach Hause kommt. Er kann bei den Jungs selten nein sagen, da bin ich viel kritischer. Aber ich glaube, das ist ganz normal. Bei ihm braucht es ziemlich lange, bis er sich richtig aufregt.

Wer hat das neue Eigenheim eingerichtet?
CZISCH: Wir haben sehr ähnliche Vorstellungen, es hat uns gemeinsam Spaß gemacht, unser neues zu Hause einzurichten. Für ihn waren die Möbelhausrundgänge allerdings eher mühsam. Aber das habe ich ihm nicht erspart.

Ihr Mann gilt als gut gekleideter Bürgermeister. Suchen Sie mit aus, was er anzieht? Oder zieht er gar an, was Sie sagen?
CZISCH: Das macht er alles schon immer selber. Aber wenn er was gekauft hat, fragt er mich immer gleich, ob es mir gefällt.

Tragen Sie wirklich gern Hut?
CZISCH: Nachdem ich beim ersten Schwörmontag nur einen Hut aufgesetzt habe, weil die Sonne so geschienen hat, ist jetzt jedes Jahr die große Frage: Gestalte ich einen Hut um, den ich schon habe oder kaufe ich einen neuen? Damals war ich überrascht, dass Hut auf der Schwörfeier mutig ist. Dabei findet es gerade auch Helga Malischewski schön, wenn Frauen einen schönen Hut tragen.

Wo redet Ihr Mann nicht mit?
CZISCH: Manchmal muss ich ihn eher auffordern.

Haben Sie Einfluss auf seine Tätigkeit als Bürgermeister?
CZISCH: Nein.

Ist die Arbeit im Rathaus oft Gesprächsthema im Hause Czisch?
CZISCH: Sehr selten. Wenn er nach Hause kommt, bleibt an der Haustüre das Büro draußen, auch wenn er zu Hause oft vieles liest, wozu im Büro keine Zeit bleibt. Das gilt übrigens genau so für meine Arbeit.

Als zweiter Mann der Stadt – der Erste Bürgermeister ist der offizielle Stellvertreter des Oberbürgermeisters – ist Ihr Mann viel unterwegs, auch abends. Nervt das nicht manchmal, wenn er so viel weg ist?
CZISCH: Klar ist das für eine Familie eine große Belastung. Gelegentlich frage ich dann, ob die eine oder andere Veranstaltung denn wirklich sein muss oder ob eine Reise wirklich notwendig ist. Dann reagiert er sehr empfindlich, die Frage muss aber sein.

Sie halten sich mit öffentlichen Auftritten zurück. Wie sehen Sie Ihre Rolle?
CZISCH: Ich bin selbständig berufstätig und habe deshalb selbst wenig Zeit, wenn daheim alles im Lot sein soll. Gerade weil er ein öffentliches Amt hat, ist der geschützte Raum der Familie wichtig, darauf lege ich großen Wert. Selbstverständlich gehe ich mit, wenn es angebracht ist oder wenn es ihm wichtig ist, und natürlich unterstütze ich ihn, wo es geht.

Falls Ihr Mann eines Tages sagen würde: Ich möchte OB werden, würden Sie ihn dann ermutigen, sich der Wahl zu stellen?
CZISCH: Wenn das eine Anspielung auf Ulm ist, finde ich es respektvoll gegenüber Herrn Gönner, dazu nichts zu sagen.

Ihr Mann ist leidenschaftlicher Musiker, spielt prima Schlagzeug. Darf er sich im Keller ungebremst austoben?
CZISCH: Ja, es kommt eher selten vor. Unsere Söhne sind, oft mit ihren Freunden, häufiger und vor allem lautstarker im Proberaum zu Gange. Musik ist in unserer Familie täglich präsent, und über die Jahre habe ich mich auch daran gewöhnt.

Ihr Hobby?
Czisch: Pflege unseres Freundeskreises, regelmäßig Sport. Und: Spaß, Lust, Freude.

Ihr Mann ist CDU-Mitglied. Sie auch?
CZISCH: Nein, ich bin parteilos.

Wie geht die Bundestagswahl aus? Ihr Tipp?
CZISCH: Ich verfolge das politische Geschehen aufmerksam, will mich aber öffentlich nicht äußern.

Zu den Personen Sigrid und Gunter Czisch

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