Ulm Siggi Schwarz Band und die Ulmer Philharmoniker im CCU

Gitarrenvirtuose aus Heidenheim: Siggi Schwarz.
Gitarrenvirtuose aus Heidenheim: Siggi Schwarz. © Foto: Martina Dach
Ulm / HELMUT PUSCH 01.02.2016
Meilensteine der Rockmusik mit Orchester? Der Heidenheimer Gitarrist Siggi Schwarz und die Ulmer Philharmoniker wagten diese Mischung im Congress Centrum - und wurden von den 800 Zuhörern gefeiert.

Er gehört einer aussterbenden Spezies an, dieser Siggi Schwarz. Der Heidenheimer ist ein Musiker, der allen aktuellen Trends zum Trotz an die Führungsrolle der elektrischen Gitarre im Rock glaubt, der Popmusik noch als ehrlich gemachtes Handwerk sieht, der noch aus einer Zeit stammt, in der Gitarrensoli nicht peinlich waren, sondern die virtuose Krönung einer Komposition. Ja, man kann auch sagen, dieser Siggi Schwarz ist ein Dino des Rock. Aber mit Verlaub: ein virtuoser Dino. Und weil dieser Musiker schon seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne steht, hat er alle großen Hits auch schon mal irgendwann gespielt.

Wie kann man also den Meilensteinen des Rock noch eine neue Seite abgewinnen? Mit sinfonischer Wucht. Und so nahmen sich Schwarz, seine Band und Gäste wie Toto-Sänger Bobby Kimball oder Gitarren-Guru Geoff Whitehorn im vergangenen Jahr die größten Hits vor und nahmen sie auf - mit Musikern der Ulmer Philharmoniker. Arrangiert hatte das Ganze der Neu-Ulmer Romi Schickle, in dessen Studio das Album auch entstand. Und jetzt hatte das Projekt seine Live-Premiere in Ulm: vor gut 800 Zuhörern im Congress Centrum. Und die bekamen von Beginn an Musik in Cinemascope: Zum Auftakt hatte Dirigent Joongbee Jee Brouce Broughtons Filmmusik zu "Silverado" ausgewählt, eine ebenso wuchtige wie effektvolle Ouvertüre, die die Philharmoniker mit Verve interpretierten.

Doch die Frage war ja: Wie würden sich die Band und das Orchester ergänzen? Und die war beim Bob-Dylan-Klassiker "All Along The Watchtower", dessen Arrangement aber an die Version von Jimi Hendrix angelehnt war, schnell beantwortet: Die Streicher schwelgten geradezu im Riff - und Celli sind eh die besseren E-Gitarren. Mit Hendrix und "The Wind Cries Mary" ging's weiter. Spätestens bei "Hotel California", das Sänger André Carswell dem jüngst verstorbenen Eagles-Frontmann Glenn Frey widmete, war klar, dass es auch im sinfonischen Gewand große Unterschiede zwischen den Songs gibt - je nach Einfallsreichtum der Komponisten. Wunderbar, wie sich die Geigen in das zweistimmige Gitarrensolo des Eagles-Klassikers einfügten, die Hörner Gegenthemen aufnahmen. Und das galt auch für George Harrisons "While My Guitar Gently Weeps" oder den Cream-Klassiker "White Room".

Als nach der Pause das Orchester den zweiten Teil des Abends mit dem rhythmisch vertrackten "Danzón No. 2" von Arturo Márquez eröffnete und sich die Band bei Totos "Rosanna" dazu gesellte, war zu hören, wie komplex Popmusik sein kann, wenn man die Bandinstrumente auf Orchester überträgt - und wie man zu neuen Deutungen kommen kann, wenn man eher orchestral Gemeintes wie "Sympathy" von Rare Bird auch so interpretiert.

Dabei wurde aber auch deutlich, dass nicht alles für die große Leinwand taugt. "House Of Rising Sun" oder die Pink-Floyd-Ballade "Wish You Were Here" gehören gitarrengezupft ans Lagerfeuer. Dafür schreien Monumental-Hymnen wie Led Zeppelins "Stairway To Heaven" oder Gary Moores "Over The Hills And Far Away" mit seinen keltischen Streichermelodien geradezu nach großem Apparat.

Und der konnte unter der Leitung Jongbee Jees, der sein Orchester geradezu befeuerte, im CCU sehr gut mit der professionellen Band mit Sänger Andre Carswell, Danny O'Steen (Bass), Klaus Brosowski (Tasten) und Markus Ambrosi (Drums) mithalten - auch akustisch. Manchmal hätte man sich sogar eine Schippe mehr Solo-Gitarre gewünscht. Denn die war hörenswert. Denn wie gesagt: Siggi Schwarz ist ein Dino, aber ein höchst virtuoser Dino.

Weitere Projekte

Kooperation Das Konzert im Congress Centrum war nur der Auftakt. Denn auch künftig werden Siggi Schwarz und die Ulmer Philharmoniker an weiteren gemeinsamen Projekten arbeiten. Mindestens drei weitere Alben mit sinfonischer Begleitung sind geplant. Zudem versprach Schwarz beim Konzert im CCU, dass es im Sommer auch einen gemeinsamen Open-Air-Auftritt in Ulm geben wird.

 

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