Wohnen Siedlungsgenossenschaft Aufbau im Aufwind

Ulm / Bernd Rindle 03.07.2018

An guten Botschaften sollte es nicht fehlen bei der Mitgliederversammlung der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Aufbau (BSG). „Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind geordnet, die Dividende ist gesichert, das Eigenkapital gestärkt“, verkündete Vorstandsmitglied Claus Bäurle. In Zahlen bedeutet das einen Jahresüberschuss von 237 000 Euro nach Steuern, weshalb den Mitgliedern eine Dividende in Höhe von vier Prozent ins Haus steht.

Bei der BSG Aufbau sieht man sich dem Geiste des Sozialreformers und Vaters des Genossenschaftsgedankens Wilhelm Raiffeisen verbunden und ist der Überzeugung, dass „gutes Wohnen“ ein stabilisierender Gesellschaftsfaktor ist. Dementsprechend agiert das Unternehmen, das sowohl Bauträger als auch Genossenschaft ist und insgesamt 2740 Wohnungen betreut. Derzeit verfügt die BSG Aufbau über ein Gesamtvermögen von rund
18,5 Millionen Euro und hat
950 Mitglieder.

Die vergleichsweise geringe Fluktuation von neun Prozent im Mietwohnungsbereich führt Claus Bäurle auf die sozialverträgliche Ausrichtung des Unternehmens zurück. Das Credo: „Mieter binden ist besser als Mieter zu finden.“ Deshalb werden grundsätzlich keine Eigenbedarfskündigungen ausgesprochen: „Wer seine Pflichten erfüllt, kann bei uns ein Leben lang wohnen.“ Da bei der Genossenschaft auf eine „Renditemaximierung bewusst verzichtet“ wird, gehe man auch nicht an die Obergrenze des Mietspiegels. Abgesehen von der Kultur, „den Dialog und Gemeinsamkeiten“ zu suchen, werden die Mitglieder am Ergebnis beteiligt.

Aufgrund der Entwicklung auf dem internationalen Zinsmarkt befürchtet Bäurle allerdings steigende Wohnungs- und Mietpreise. Denn so positiv die Bilanz für das Jahr 2017 ausfiel, so zurückhaltend sieht seine Zukunftsprognose aus. Fachkräftemangel, teure, kaum verfügbare Handwerker und fehlende Grundstücke sind nur einige Faktoren, die schon in der Vergangenheit eine lähmende Wirkung auf die angekündigte Wohnbauoffensive ausgeübt haben – sowohl was den Bund, als auch die Kommune betrifft. Laut Koalitionsvertrag sollen jährlich 400 000 Wohnungen gebaut werden. „Gebaut wurden 2017 lediglich 285 000.“ Auch in Ulm gehe es nicht wie gewünscht von der Hand. Von den pro Jahr vorgegebenen 700 Wohnungen seien bislang nur 319 realisiert worden.

„Wir wissen nicht, wo die Grundstücke herkommen sollen“, nimmt der BSG-Vorstand auch die Politik in die Verantwortung, hat er doch einen eklatanten Fall von Pflichtvergessenheit erkannt: „Dass Horst Seehofer auch Wohnungsbauminister ist, hat noch keiner bemerkt.“

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