Exakt zwei Jahre nach ihrem größten Erfolg, dem Gewinn des 9. Deutschen Orchesterwettbewerbs, kehrte die Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein für ihr traditionelles Frühjahrskonzert ins Neu-Ulmer Scharff-Haus zurück. Klar doch, Qualität bringt Popularität. Fast 600 Zuhörer, darunter viel Jugend, strömten herbei. Die Musiker boten mit zeitgenössischen Werken Extraklasse – und der fulminante Solo-Klarinettist Sebastian Sommer wurde frenetisch gefeiert.

Besten Eindruck machte im fast vollen Scharff-Haus schon das versierte Jugendorchester der Bläserphilharmonie zur Eröffnung unter Lukas Lecheler. Toll, wie sich der mitreißende Elan des 24-Jährigen bei Todd Stalters „Counterbalance“ und Alan Menkens filmmusikalischem  „Colors Of The Wind“ auf die  knapp 30 talentierten Teens übertrug. Die Chemie stimmte, die Leistung auch. Viel applaudiert sattelte die treibend-hämmernde  Zugabe „Adrenalin Engines“ noch eins drauf.

Nach dieser Steilvorlage zog  die Bläserphiharmonie, die Dirigent Manuel Epli seit 16 Jahren auf Erfolgskurs hält, in Rossano Galantes „Raise Of The Son“ voller Brillanz nach. Die gewohnten Dimensionen sprengte dann Sebastian Sommer (Konzertmeister mit Master-Diplom) als umjubelter Solist in Scott McAllisters verteufelt schwerem „Black Dog“. Die Rhapsodie katapultiert den Hörer mit Elementen aus Klassik und Rock in eine bizarr-provozierende  Tonwelt. Da elektrisiert Sommers Klarinette mit selten zu erlebender extremer Griff- und Atemtechnik in aberwitzigen Solokadenzen, jault, lacht, krächzt, wütet und rast bis in extreme  Höhen. Phänomenal!

Den Blick nach Russland lenkte Eplis souveräne Stabführung in der melodieseligen Bearbeitung der Ouvertüre von Glinkas Märchenoper „Ruslan & Ludmilla“  und mit Johan de Meij. Dessen genial effektvoller 17-Minüter „Extreme Make-Over“ über Tschaikowsky-Themen war das Motto gebende Werk des Abends und zugleich finaler Höhepunkt. Im faszinierenden Zusammenspiel waren Bläser, Harfe, Klavier, Kontrabass und sieben Schlagwerker voll in ihrem Element, spielten mit Bravour ihr Können aus – mal lyrisch, mal maschinell stampfend oder feierlich im Fanfaren-Glanz. Besonderer Clou: Einige Bläser stiegen  zwischendurch auf gestimmte Glasflaschen um und begleiten ein virtuoses Marimbaphon-Solo. Zwei Zugaben dankten dem Riesenapplaus des Publikums.