Eine Mischung aus Motorrad und Auto, nur ohne Blech drumherum. Dicke Ballonreifen lassen das vierrädrige Vehikel mehr wie ein Spielzeug aussehen, denn als ernstzunehmendes Fortbewegungsmittel. Mittlerweile düsen etwa 116.000 Quads über Deutschlands Straßen. Gerade an warmen Tagen, denn: Sommerzeit ist Quad-Zeit. Doch immer häufiger trüben negative Schlagzeilen das Bild vom fröhlichen Fahrspaß. Schwere Unfälle - oft mit Todesfolge - häufen sich. Wie sicher ist die Quad-Fahrerei überhaupt - oder nicht?

"In den Unfall-Statistiken sollen Quads im kommenden Jahr erstmals als eigene Kategorie ausgewiesen werden", sagt ein ADAC-Sprecher. Bisher wurden Quad-Unfälle von der Polizei entweder den Motorrädern oder den Autos zugerechnet. Die Ulmer Polizeidirektion verbucht Unfälle mit Quads in der Kategorie ,Sonderfahrzeuge': "Hier werden auch Unfälle mit Wohnmobilen einsortiert", sagt Wolfgang Jürgens, Pressesprecher der Polizeidirektion Ulm. Deshalb gibt es keine exakten Zahlen zur Unfallstatistik. Allerdings seien nach seiner Einschätzung Unfälle mit Quads in der Region nicht auffallend häufig. "Wenn aber Unfälle passieren, dann ist es meistens brenzlig", erklärt er. Es fehle die Fahrerkabine, und den Insassen somit jeglicher Schutz. 

Generell ist die Einordnung von Quads schwierig. Die Ulmer Zulassungsstelle ordnet die Fahrzeuge meist den "land- oder fortwirtschaftlichen Fahrzeugen" (Lof) zu. "Eine Abgrenzung zu anderen Lof-Fahrzeugen wie Traktoren ist also nicht möglich", sagt die Pressesprecherin der Stadt Ulm Marlies Gildehaus. Im Alb-Donau-Kreis seien derzeit 204 "Lof's" angemeldet, in Ulm 52. Wegen dieser Einordnungsschwierigkeiten gebe es keine genauen Zahlen. Die tatsächliche Zahl angemeldeter Quads liege aber wohl darüber.  

Die Versicherer treibt die Frage um, welche Risiken eigentlich versichert werden. Weil "Quads am Gesamtmarkt nur in geringen Stückzahlen vertreten sind" und "je nach Leistung entweder als Quads oder als Zugmaschinen unterschiedlich versichert werden", erklärt Angele Bezler von den WGV-Versicherungen. Unfallforscher arbeiten derzeit an einer großen Studie über die Risiken der Quads. "Die Datenlage ist bislang äußerst dürftig", sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann. Erst im Herbst werden die Forscher ihre Ergebnisse vorstellen. 

Was der eine oder andere auch schon ohne die Ergebnisse der Unfallforscher weiß: Durch ihre schmale Spurweite sind Quads relativ kippgefährdet. "In Kurven kann das schon bei geringem Tempo sehr schnell gehen", sagt ein Kraftfahrtexperte des TÜV. Quads kombinierten sämtliche Nachteile von Auto und Motorrad: "Keine Knautschzone, keine elektrischen Stabilitäts-Helfer, keine Kurvenlage." Schon ein kleiner Ausweichschlenker könne das Quad auf die Seite legen. Für die Straßenzulassung müssen Quads lediglich die gesetzlichen Mindeststandards erfüllen. Zwar gibt es bei den Gefährten am Markt deutliche Qualitäts- und Preisunterschiede, aber das sei in der Regel nicht entscheidend: "Mehr als 90 Prozent der Unfälle werden durch die Fahrer verursacht, nicht durch die Fahrzeugtechnik", erklärt der Experte vom TÜV. Seit 2006 gilt auch für Quads: Helmpflicht. Als Schutzkleidung sollte das Motorrad-Niveau gelten. Wegen ihrer ganz eigenen Fahrweise sind Quads stark gewöhnungsbedürftig. Als beste Sicherheitsmaßnahme empfehlen Experten ein Fahrtraining.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat Quads in die Kategorie "leichte vierrädrige Kfz" einsortiert. Doch "in dieser Rubrik finden sich auch Fahrzeuge wie der ,Twizy' von Renault, es ist also keine ,reine' Quad-Statistik", sagt der KBA-Pressesprecher Stephan Immen. Entsprechend wenig aussagekräftig ist die Statistik des KBA. So sind 2013 zwar 116.000 "leichte vierrädrige Kfz" deutschlandweit erfasst, doch weil in diese Kategorie auch "autoähnliche" Kraftfahrzeuge fallen, weiß man nicht, wie viele Quads tatsächlich durch die Gegend kurven.