Ulm / BEATE ROSE  Uhr
Srdjan Stankovic hatte eine Job in der Wirtschaft. Bis er mehr für "Mother Earth" tun wollte. Deswegen entmüllte er eine Donauhalbinsel bei Belgrad und legte einen Park an.

Öko, bio, die grüne Gemeinschaft – in Serbien ist das alles neu. Das sagt zumindest Srdjan Stankovic (39), der in der serbischen Hauptstadt Belgrad lebt. Auf die Frage, welche Art von Müll in Serbien recycelt wird, antwortet Stankovic: nichts. Er setzt dennoch auf den grünen Gedanken, will damit Geld verdienen.

Schließlich ist Srdjan Stankovic kein Tagträumer, sondern hat Wirtschaft in London studiert. Er arbeitete in diversen Jobs zunächst bei einer Weinfabrik, später bei einer internationalen Brauerei. Er kam rum in der Welt, arbeitete für diese Firmen im australischen Sydney wie in Japan. Genau an diesen Orten fing er an, Natur wahrzunehmen. Von Sydney schwärmt er noch heute als Stadt, in der Flamingos und Kängurus frei leben. In Japan besuchte er die damalig Weltausstellung Expo,  die „Weisheit der Natur“ zum Thema hatte.

Immer klarer sei ihm geworden: „Das will ich tun.“ Er gab seine Jobs auf und ging zurück nach Belgrad. Irgendwann kam er auf die Idee, die Donauhalbinsel Ada Huja, die vier Kilometer  von der Innenstadt von Belgrad entfernt liegt, zu entmüllen. „Die Stadtverwaltung hielt mich damals offenbar für verrückt. Deshalb habe ich 12 Hektar von der Insel bekommen.“ Einen Pachtvertrag über 15 Jahre hat er im Jahr 2011 abgeschlossen.

Dabei war Ada Huja eine Industriebrache. In den 60er Jahren wurde die Halbinsel nämlich mit Müll aufgefüllt, hauptsächlich damit Bagger Kies aus der Donau holen konnten. Noch im Jahr 2000 war Ada Huja eine Deponie für Industriemüll.

Stankovic sah etwas anderes in der Halbinsel, nämlich einen Ort für Natur und Kultur. „Die Donau dort ist wunderschön.“ Dort hat er mittlerweile einen Ort seiner Träume geschaffen. Dabei ist er weder Gärtner, noch Kulturschaffender. Er sieht sich als Visionär, als Ideengeber und als Sammler von Sponsorengeld. Als solcher hat er es geschafft, dass das Stück der Halbinsel entmüllt wurde, das er gepachtet hat. Er schwärmt: „Bäume wachsen dort, Bienen, Schmetterlinge, Vögel – alles ist zurückgekommen.“

Mittlerweile hat der Park einen Namen, es ist der Supernatural Park – Ada Huja. Nur ist das kein Biotop, sondern ein Park zur Naherholung, auf dem auch Spielplätze für Kinder aufgebaut sind. Für Stankovic passt das als „Spaß haben und den grünen Gedanken leben“ zusammen. So sieht er auch das Festival, das es seit 2007 einmal jährlich einen Tag lang im Park gibt. Das Musikfestival, bei dem überwiegend serbische Bands auftreten, heißt ebenfalls „Supernatural“. Dort verkauft er grüne Produkte, laut ihm auch eine neue Idee in Serbien, nämlich Tee und Honig. Und damit verdiene er auch etwas Geld.

Die Leute auf einen besseren Geschmack und Lebensart bringen – das hat Stankovic sich selbst zur Aufgabe gemacht. Für ihn ist „jeder Aspekt des Lebens grün.“ Jungen Leuten bringt er Recycling etwa auf diese Weise nahe: Ein Festivalticket kostet zehn Euro – oder „drei Plastikflaschen und drei Dosen“, erzählt er. Wer die mitgebracht hat, durfte aufs Festival. Der Müll kam in Container und wurde wiederverwertet.

Um Supernatural bekannter zu machen, besucht Stankovic das Ulmer Donaufest. Seine Frau Ivana, die ein Kind erwartet, begleitet ihn.  Auf die Frage, wie er seine Zukunft sieht, antwortet Stankovic: „Meine Zukunft ist mein Kind und natürlich auch der  Supernatural.“ Über dieses Projekt will er weltweit Vorträge halten. Vorantreiben will er zudem ein „grünes Tourismus-Projekt“,  bei dem er sich vorstellen kann, dass Touristen die Donau befahren und pünktlich zum Supernatural Festival in Belgrad ankommen.

Die Ideen gehen Srdjan Stankovic nicht aus.