Ulm / Günter Buhles  Uhr

Auf zwei schwergewichtige Hauptwerke des deutschen Reper­toires – diese Bezeichnung ist nicht als nationalistisch falsch zu verstehen – war das Semesterkonzert des Ulmer Universitätsorchesters unter Burkhard Wolf beschränkt: Ludwig van Beethovens Violinkonzert und die Sinfonie Nr. 1 von Johannes Brahms. Mit der Ankündigung der „international bekannten Stargeigerin“ Maria-Elisabeth Lott wurde noch ein zusätzlicher besonderer Akzent gesetzt, der dank deren großartigen Spiels im Solopart lange Ovationen zeitigte.

Derweil hat die aus Schramberg stammende Geigerin, die als Wunderkind galt und schon mit acht Jahren an der Karlsruher Hochschule studierte, dann mit 13 in ganz Europa und den USA auftrat, einen engen Bezug zu Ulm: 2005 kam sie hierher, um – als zweites berufliches Standbein – Medizin zu studieren. Sie begann im Uni-Orchester an einem hinteren Pult in den zweiten Geigen, fiel Burkhard Wolf natürlich auf, der sie 2007 im Kornhaus mit Max Bruchs Violinkonzert präsentierte. Dass sie jetzt wieder ohne Gehabe und Show auftrat, kann sehr für sie einnehmen.

Absolute Präsenz

Das groß besetzte Universitätsorchester begann die leisen Teile des ersten Beethoven-Satzes mit rundem, dichtem Klang, bei der Steigerung konnte er maßvoll wuchtig werden, exakt kamen die leicht federnden Pizzicati der Streicher. Kurz und gut: Dieses Orchester gibt sich nicht als Ensemble von Laien zu erkennen.

Dass sie dies respektiert, deutete auch die prominente Solistin an, die ihren Part mit absoluter Präsenz gestaltete. Die wunderbaren Melodien des langsamen Mittelsatzes trug sie vor mit vornehmer Zartheit hier, mit beseeltem Ausdruck dort, gerahmt von warm tönenden Hörnern und delikaten Holzbläser-Details. Den tänzerischen Schlusssatz bot das Ensemble mit Verve und Volumen in chorartiger Beantwortung der Solistin. Ihre Zugabe wählte ­ Lott aus einer Bach-Partita.

Kraftvoll und in zügigem Tempo ließ der Dirigent das geschlossen agierende Orchester den Kopfsatz der in Baden-Baden vollendeten und in Karlsruhe uraufgeführten Brahms-Sinfonie anpacken. Wolfs Interpretation könnte als Beleg für die 1997 in einem Buch des Philosophen Gustav Falke aufgestellte These dienen, Brahms sei nicht ein Komponist der Spätromantik, sondern ein Vertreter des musikalischen Realismus’. Ein anmutiges, alles andere als saumseliges Andante, ein elegantes Allegretto und das (nicht ganz so zügige) Finale hatten die typisch Brahms’schen Eigenschaften einer Melancholie ohne Sentimentalität.