Das graue Haus mitten im Wohngebiet am Kuhberg ist unscheinbar. Doch die WG darin ist eine besondere. Sie ist das Zuhause von jungen Leuten, die entweder von Obdachlosigkeit bedroht waren oder bereits kurz auf der Straße gelebt haben. In der WG sollen sie fit dafür gemacht werden, ihr Leben selbstständig zu meistern.

Weil es bisher nur Angebote für junge Langzeitobdachlose gab, hat  die Stadt Ulm das Modellprojekt initiiert. Manuel Kaus, Leiter der mobilen Jugendarbeit, erdachte die Übergangswohnform und realisierte sie gemeinsam mit der Sozialfirma Jugend- und Erwachsenenhilfe Seitz. Am 1. Mai 2018 konnten die ersten Bewohner einziehen.

„Die Wohngruppe ist für junge Erwachsene gedacht, die bei den Eltern rausgeworfen wurden oder wegen Konflikten selbst gehen wollten“, erzählt Sozialpädagoge Marco Willer, einer der beiden Geschäftsführer  der Firma Seitz und dort für die Eingliederungshilfe zuständig. „Diese Probleme gehen durch alle Gesellschaftsschichten. Sie betreffen  Menschen ohne und mit Schulabschluss“, betont er.

Das Projekt sei dazu da, im geschützten Rahmen das Wichtigste für ein eigenständiges Leben zu lernen. „Dazu gehört etwa, Anträge auf Arbeitslosengeld zu stellen und sich um die Krankenversicherung  zu kümmern“, sagt Simone Schöll, Sozialarbeiterin und Fachkoordinatorin des Projekts. Auch werde gezeigt, wie man richtig kocht und wäscht.

Vier Männer und zwei Frauen  leben derzeit im Haus. Einmal pro Woche können sie sich in Einzelgesprächen mit Simone Schöll austauschen. „Man fragt da auch, ,Wie geht’s Dir eigentlich?’“, sagt Schöll. Nicht nur der Alltag sei Thema: Es gehe auch um Perspektiven für die Zeit nach der WG.

Immer donnerstags gibt’s den gemeinsamen WG-Abend. Da werde zuerst geputzt, dann über Organisatorisches geredet und hinterher zusammen gegessen.

Bereits nach acht Monaten  zieht Schöll positive Bilanz. „Die jungen Leute entwickeln sich richtig gut. Und sie sind eng miteinander.“ Das habe man besonders am Heiligen Abend bei der gemeinsamen Feier gespürt. „Ein Bewohner hat sogar groß aufgekocht, mit Braten und Knödel“, erzählt Willer begeistert.

Der Aufenthalt in der WG ist auf 18 Monate begrenzt. Bis dahin sollen die Bewohner so weit sein, dass sie ihr Leben allein meistern. Die Aktion 100 000 und Ulmer helft bezuschusst das Projekt, worüber die Sozialexperten sehr froh sind. Dadurch könne etwa die Erlebnispädagogik im Haus gestärkt werden. „Wir könnten dann auch mal einen Ausflug ins Allgäu machen“, sagt Simone Schöll. Und es gebe Spielraum für die Anschaffung von Fitnessgeräten und Malfarben.

Die Nachbarn haben die Modell-WG freundlich aufgenommen. Simone Schöll: „Eine Familie hilft uns sogar tatkräftig.“

Wer das Modellwohnprojekt betreut


Die Sozialfirma Die
Jugend- und Erwachsenenhilfe Seitz gGmbH ist ein gemeinnütziger, anerkannter freier Träger der Jugendhilfe. Er hat sich auf ambulante pädagogische und therapeutischen Maßnahmen im Raum Donau-
Iller spezialisiert. Seitz hat ca. 150 Mitarbeiter und als Dachverband die Arbeiterwohlfahrt. www.jeh-seitz.de

Direkt spenden Wer das Modellwohnprojekt für obdachlose Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren fördern möchte, vermerkt auf seiner Überweisung an die Aktion 100 000 und Ulmer helft  einfach das Stichwort „Wohnprojekt“. Die Aktion 100 000 und Ulmer helft-Konten sind im roten Kästchen rechts abgedruckt.