Manchmal kann alles ganz schnell gehen und auch funktionieren. Vor etwas mehr als drei Wochen hatte der Schlagzeuger Peter Gruber beim Blick ins Programm des Rosenheimer Jazzclubs "Le Pirate" realisiert, das mit Scott Hamilton einer seiner Lieblingssaxophonisten dort spielen würde. Sofort war die Idee geboren, ein Konzert in Ulm anzuhängen. Nach Telefonaten im eigenen Musiker-Netzwerk und der Zusage von Sauschdall-Booker Philipp Zey, solch ein Konzert auch so kurzfristig stemmen und bewerben zu können, wurde ein Knopf drangemacht.

Und siehe da: Mit mehr als 70 Besuchern war der Sauschdall nicht nur ordentlich gefüllt, es kam zu großen Teilen ein Publikum, das man dort üblicherweise nicht mehr so häufig begrüßen durfte. Und das lechzte geradezu nach traditionellem Jazz ohne Experimente, elektrischem Schnickschnack und freiem Gequietsche. Jazz in mainstreamtauglicher Reinkultur war gewünscht und wurde geboten; sehr smart, immer wieder mit kleinen solistischen Leckerbissen und reichlich Drive. Nur selten hörte man, das diese Formation so noch nie zusammengespielt hatte.

Der Bandleader Scott Hamilton, der mit Benny Goodman, Gerry Mulligan oder Woody Herman um die ganze Welt touren konnte und den guten, alten Jazz von Jugend an inhalierte, hatte auch im Sauschdall das Sagen, verteilte die Soli an die Kollegen des Jazz-Zone-Trios, feuerte sie mit einem "Here We Go" oder "Hold On" an und war auch als sitzender Zuhörer an der Seite immer voll bei der Sache. Der 60-jährige Top-Tenorsaxophonist füllte das Festungsgemäuer mit seinem gleichsam rauchigen und eleganten Ton. Kein Schnörkel zu viel, keine spitzen Ausrufezeichen - das klang stets rund und positiv abgeklärt. Der Mann hatte Spaß. Auch an seinen Sidemen, mit denen der musikalische Rahmen zuvor mal so kurz beim Essen abgesteckt worden war.

Mit Tizian Jost, der in Ulm am Vibraphon und am Piano überzeugen konnte, hatte Hamilton bereits tags zuvor in Rosenheim das Vergnügen gehabt. Ohne Frage ein Vorteil für das Ulmer Publikum und für Jost selbst, der sich in manchem Solo so richtig freispielte. Bassist Peter Bockius und Drummer Peter Gruber - mit allen Jazz-Wassern gewaschen - hatten auch keine Angst vor großen Namen und swingten sich mit dem Star in bewährter Manier durch diverse Mainstream-Klassiker des Jazz oder ließen ganz einfach nur den Blues und Swing laufen. Auf die Frage, was denn noch auf der Setlist stünde, meinte Gruber in der Pause lächelnd: "Na, so ungefähr 700 Stücke!" Die wurden an diesem Abend, der dem Jazzkeller wahrhaft eine Zeitreise bescherte, nicht mehr gespielt, aber die jazzig-bluesige "Moritat von Mackie Messer" als Zugabe hatte es wirklich in sich.