Müll in der Natur, so weit das Auge reicht: Das wollten die Zürcher Vera Zingg, Robert Wittmer und Marco Waldner nicht mehr mit anschauen. Darum brachen sie vor drei Jahren auf ihre Mission auf und segeln seitdem jährlich durch die griechische Ägäis, um die Meere vom Müll zu befreien. Mit ihrem Boot steuern sie umweltfreundlich die Buchten verschiedener Inseln an, um dort lokal gegen die prekäre Entsorgungslage vorzugehen.

Strände von Müll befreien

Denn wenn der Müll einmal im Wasser ist, ist es kaum möglich, ihn wieder daraus zu entfernen – das weiß Wittmer aus eigener Erfahrung. Um das zu vermeiden, arbeitet die Organisation Segel-Expedition vorrangig an den Stränden und befreit diese auf ihren Touren von allerlei Abfällen. „Je näher man den Stränden kommt, desto mehr Müll entdeckt man. Das hört oft gar nicht mehr auf“, sagt Wittmer. Kein Wunder also, dass bei zehn Stunden Arbeit der Initiatoren und ihrer Crew regelmäßig mehr als 200 Kilogramm Abfall zusammenkommen. Säckeweise wird der Müll dann richtig entsorgt.
Selbst das ist jedoch komplizierter, als es erscheint. Eines Tages wurde dem Team klar, dass selbst rechtmäßig entsorgter Abfall am Ende oft wieder da endet, wo er nicht hingehört: auf illegalen Müllhalden in der Natur. Dort entsorgen auch Einheimische mangels besserer Alternativen häufig ihren Abfall. Teilweise findet man solche Orte sogar auf Klippen direkt an der Küste. Es ist daher nicht überraschend, wenn der Müll von dort auch in die Meere gelangt. Seitdem nutzt das Team GPS-Tracker, um die Wege der lokalen Müllentsorgung nachzuvollziehen und unbedenkliche Entsorgungsstätten ausfindig zu machen.

Strände sind von Plastikmüll überflutet

Bis 2020 sollte eigentlich jeder EU-Staat 50 Prozent seines Mülls wiederaufbereiten – Griechenland verfehlte dieses Ziel jedoch weit. Anstatt eine funktionierende Strategie zur Müllentsorgung auf die Beine zu stellen, zahlt Griechenland weiterhin hohe Strafen an die Europäische Union. Auch deren Unterstützungsangebote wurden bisher nur wenig in Anspruch genommen. Das kann jeder spüren, der sich genauer in der griechischen Natur umsieht. Vor allem die Strände sind von Plastikmüll überflutet. Wer sich ein wenig von den Touristenorten entfernt, stößt leicht auf illegale Müllhalden.
Doch es reicht nicht aus, nur solche Symptome zu bekämpfen. Um den Abfall in Zukunft gar nicht erst in die Natur gelangen zu lassen, wissen die Zürcher schon genau, wo sie ansetzen werden: Zusätzlich zu ihren bisherigen Aktionen werden sie aus ihren Erkenntnissen noch in diesem Jahr ein Informationsblatt über die griechische Müllentsorgung erstellen. Dieses soll dann vor allem unter anderen Seglern verbreitet werden. Die Erlebnisse dieses Jahres wollen sie in einem Dokumentarfilm festhalten und veröffentlichen. Zudem ist ein interaktives Lehrbuch für Primarschulen in Planung, um schon die jüngste Generation aktiv an das Problem der Meeresverschmutzung heranzuführen.

Unterstützung ist immer gefragt

Hilfe und Unterstützung sind sowohl online als auch auf dem Boot immer willkommen. Die Organisation finanziert ihre Projekte durch Spenden, seit Neuestem sind auch nachhaltige Produkte in ihrem eigenen Online-Shop erhältlich. Und diejenigen, die bei türkisfarbenem Wasser und Sonnenschein ihrer Umwelt aktiv helfen wollen, können direkt einen Platz an Bord unter segelexpedition.ch buchen.
Zurzeit erschwert die Corona-Pandemie die Aktion. Aber Mit-Initiator Wittmer ist dank der Abgeschiedenheit des Segelbootes überzeugt: „Im Mai macht Griechenland die Grenzen wieder auf. Dann können wir endlich wieder helfen gehen.“

Nach dem Abitur aufs Segelboot


Koffer gepackt, Ticket gebucht, und los geht es nach Zürich: Nach ihrem Abitur am Anna-Essinger-Gymnasium in Ulm im vergangenen Jahr hat Kea Nasler (18) als Praktikantin bei der Schweizer Non-Profit-Organisation Segel-Expedition gearbeitet. Die Organisation wurde von den Initiatoren Vera Zingg, Robert Wittmer und Marco Waldner gegründet.

Ihr Ziel: „Wir wollen unseren Beitrag zu einer gesunden Umwelt leisten, auf die Problematik der Ozeanverschmutzung aufmerksam machen, gemeinsame Erlebnisse zwischen Mensch und Umwelt fördern und zum Nachdenken anregen“, heißt es auf der Webseite.