Firmen Seeberger schafft neuen Treffpunkt im Donautal

Ulm / kö 06.06.2018
Der traditionsreiche Spezialist für Nüsse, Trockenfrüchte und Kaffee baut ein neues Café mit Shop im Industriegebiet.

Eine Anlaufstelle für Liebhaber von Trockenfrüchten und Premium-Kaffee dürfte im Industriegebiet Donautal das neue Café von Seeberger werden. Die Traditions­firma hat mit den vorbereitenden Arbeiten für den Bau eines fünfstöckigen Multifunktionsgebäudes an der Hans-Lorenser-Straße begonnen. Darin gibt es eine neue „Markenerlebniswelt“ mit Café und Shop, die übergangsweise in einem Containerdorf am Haupteingang untergebracht sind.

Seeberger investiert bis 2020 rund 25 Millionen Euro in das Projekt. Dabei sollen in den oberen Geschossen auch moderne Arbeitsplätze für etwa 160 Mitarbeiter in einem „Smart Office“ entstehen, berichtet Geschäftsführer Ralph Beranek. Seeberger beschäftigt nach starkem Wachstum etwa 550 Mitarbeiter am Standort Ulm (siehe Infokasten).

Müsliglück und neue Mixes

Für die Expansion gibt es eine Reihe von Gründen: über die steigende Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln hinaus. So expandiert Seeberger in der Sparte Kaffee und hat dazu die deutschen Kunden eines holländischen Spezialisten für Bürokaffeeautomaten mit Niederlassung bei Düsseldorf und 180 Mitarbeitern übernommen. Bio-Fairtrade-Kaffee wurde durch eine neue Verpackung aufgewertet. Auf der Einkaufsliste stand auch das Müsli-Start-up „Müsliglück“, dessen Produktpalette sukzessive auf die Seeberger-Verpackungsoptik umgestellt wird. Ein Fokus liegt zudem auf Mischungen, die weit über das meistverkaufte Seeberger-Produkt – Studentenfutter, in unveränderter Rezeptur – hinausgehen. Da gibt es Mixes mit Rhabarber, Pekannuss und Schoko, Nüssen und Beeren in vielen Varianten.

Für das exorbitante Wachstum mit jährlich 80 Neueinstellungen über fünf Jahre mussten auch Produktionsprozesse überdacht werden. Seeberger hatte dazu 2012 das neue Hochregallager gebaut. Warentransporte im Betrieb laufen mit automatisierten Shuttles, neue Maschinen bewältigen größere Mengen, die Hygienevorschriften werden strenger. Dies in Verbindung mit neuen Schichtmodellen hatte vor drei Jahren für Spannungen im Betrieb gesorgt, die vielleicht nicht ganz abgeklungen sind.

Importe aus 60 Ländern

Beranek wertet in jedem Fall die hohe Beteiligung an den Betriebsratsratswahlen mit 75 Prozent als gutes Zeichen für den Gestaltungswillen in der Belegschaft. Das Familienunternehmen Seeberger betrachtet sich als sozialer Arbeitgeber – auch mit einer Mitarbeiterbeteiligung, die noch niemals ausgesetzt wurde. Die Gesellschafterfamilie Rohm repräsentiert Clemens Keller in der Geschäftsführung. Sein Engagement drückt sich in der Stiftung „Sternschnuppen für Kinder“ in Herkunftsländern der Seeberger-Produkte wie Südamerika aus. Die Julius-Rohm-Stiftung widmet sich dem Denkmalschutz.

Seeberger importiert Nüsse, Trockenfrüchte und Kaffee aus 60 Ländern und legt dabei nach Beraneks Worten höchsten Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit. Schon beim Eingang im Hoch­regallager finden umfangreiche Prüfungen statt. Seeberger exportiert wiederum in 70 Länder, mit starken Standorten in Frankreich und Spanien. Angesichts des internationalen Geschäfts ist auch Englisch wichtig. Aus Sicht Beraneks ist Seeberger eine attraktive Plattform für junge Leute, die ein Faible für Lebensmittel haben.

108 computergesteuerte Waagen

Historie Seeberger wurde 1884 als Kolonialwarenhandel in der Pfluggasse gegründet. Das Unternehmen feiert 2019 sein 175-jähriges Bestehen, die Vorbereitungen laufen. Umsatz: 300 Millionen Euro, gesamte Mitarbeiterzahl, also mit Ausland: 800.

Neubau Das neue Gebäude im Donautal hat beachtliche Ausmaße: mit 2000 Quadratmetern für das Café mit Shop und 2300 für Schulungen, mit Barista-Kursen. Dazu kommen 3000 Quadratmeter für Büros, vor allem Vertrieb und Marketing.

Technik Wegen Produktmixes in Prozent sorgen an der Dosiermaschine 108 kleine Waagen für die Zutaten. Weil Nüsse nicht gleich groß sind, also nicht gezählt werden können, errechnet der Computer bei hoher Taktzahl, welche Waageninhalte passen.